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<title>Wenn Wahlen etwas &auml;ndern</title>
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<meta name="description" content="Die kurdischen und die schiitischen Parteien sind die Gewinner der 
          Wahlen. Zu den Verlierern geh&ouml;rt der &raquo;Widerstand&laquo;.">
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        <p>&nbsp;</p>
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        <h2> <br>
          Wenn Wahlen etwas &auml;ndern</h2>
        <h4> Die kurdischen und die schiitischen Parteien sind die Gewinner der 
          Wahlen. Zu den Verlierern geh&ouml;rt der &raquo;Widerstand&laquo;.</h4>
        <p>von Thomas von der Osten-Sacken, Suleymaniah</p>
        <p>&Uuml;berschw&auml;nglich wurden die irakischen Wahlen nicht nur von 
          der US-Administration begr&uuml;&szlig;t, die als gro&szlig;en Erfolg 
          verbuchte, was eigentlich nie in ihrem Interesse gelegen hatte. Urspr&uuml;nglich 
          hatten die USA einen wesentlich sp&auml;teren Wahltermin anvisiert; 
          es war dem Druck des Gro&szlig;ayatollah Ali al-Sistani geschuldet, 
          dass bereits jetzt die ersten einer ganzen Reihe von Wahlen im Irak 
          abgehalten wurden. Auch gem&auml;&szlig;igte und s&auml;kulare Kr&auml;fte 
          feierten die Wahlen als Erfolg. Der Autor des Buches &raquo;Republic 
          of Fear&laquo;, Kanan Makiya, sprach sogar von einer &raquo;zweiten 
          Revolution nach den landesweiten Aufst&auml;nden des Jahres 1991&laquo;. 
        </p>
        <p>So herrschte in den Tagen nach der Wahl in gro&szlig;en Teilen des 
          Landes eine euphorische Stimmung, obwohl der so genannte Widerstand 
          seine Anschl&auml;ge noch intensivierte. W&auml;hrend sich die Bekanntgabe 
          des endg&uuml;ltigen Wahlergebnisses von Tag zu Tag verz&ouml;gerte, 
          mussten Dutzende Iraker ihr Leben lassen: Am Freitag, als US-Verteidigungsminister 
          Donald Rumsfeld den Irak besuchte, schossen maskierte M&auml;nner in 
          eine Gruppe von Schiiten, die vor einer B&auml;ckerei in Bagdad stand. 
          Elf Menschen starben dort, 13 weitere bei einem Selbstmordanschlag vor 
          einer schiitischen Moschee nord&ouml;stlich von Bagdad. Am Samstag starben 
          17 Menschen bei der Explosion einer Autobombe vor einem Krankenhaus 
          in Mussajeb, und nahe der s&uuml;dirakischen Stadt Kut fand man die 
          &Uuml;berreste von 20 massakrierten Fernfahrern. </p>
        <p>Dennoch ist der &raquo;Widerstand&laquo; der gr&ouml;&szlig;te Verlierer 
          der Wahl. Offenbar wiederholt sich im Irak die zuvor in Algerien gemachte 
          Erfahrung: Je mehr sich Untergrundk&auml;mpfer isolieren, desto brutaler 
          werden die Anschl&auml;ge, und sie richten sich zunehmend gegen unbeteiligte 
          Zivilisten. Denn der sich vor allem aus ehemaligen Ba&#8217;athisten 
          und sunnitischen Islamisten rekrutierende &raquo;Widerstand&laquo; musste 
          am Wahltag die bittere Erfahrung machen, dass sein Einfluss sich weitgehend 
          auf die sunnitischen Regionen des Landes erstreckt. Dort aber gelang 
          es, mit Boykottaufrufen und Terrordrohungen die meisten Menschen von 
          den Wahlurnen fernzuhalten. Entsprechend gewannen in den Hochburgen 
          des &raquo;Widerstands&laquo;, den Provinzen al-Anbar und Salehdin, 
          Hochrechnungen zufolge die schiitische Vereinigte Irakische Allianz 
          sowie die kurdische Liste, w&auml;hrend die Partei des sunnitischen 
          &Uuml;bergangspr&auml;sidenten Ghazi al-Yawar insgesamt knapp zwei Prozent 
          der Stimmen erhielt. </p>
        <p>In der neuen irakischen Nationalversammlung werden die Sunniten, die 
          einst den ba&#8217;athistischen Staatsapparat st&uuml;tzten, kaum vertreten 
          sein. W&auml;hrend sie 13 bis 18 Prozent der Bev&ouml;lkerung ausmachen, 
          d&uuml;rften sie gerade einmal f&uuml;nf bis zehn Prozent der Parlamentsmandate 
          innehaben. Schon w&uuml;nschen deshalb die Irakische Islamische Partei 
          und der Council of Sunni Clerics, die beide die Wahlboykottkampagne 
          unterst&uuml;tzten, an der Ausarbeitung der Verfassung beteiligt zu 
          werden. Offenbar haben die Vertreter der Sunniten ihre Bedeutung ma&szlig;los 
          &uuml;bersch&auml;tzt und befinden sich nun in einem Zustand weitgehender 
          Desorientierung. </p>
        <p>Auch die Gewinner der Wahlen stehen bereits fest. Es sind dies die 
          schiitische Vereinigte Irakische Allianz und die Kurden, die wohl zweitst&auml;rkste 
          Kraft im Parlament werden und f&uuml;r sich den Posten des Pr&auml;sidenten 
          beanspruchen. Au&szlig;er bei den Kommunalwahlen haben alle kleineren 
          Parteien, etwa der von der Irakischen Kommunistischen Partei angef&uuml;hrte 
          Linke Block und die Liberale Partei, weit schlechter abgeschnitten als 
          erwartet. </p>
        <p>Getr&uuml;bt wird die Freude &uuml;ber die Wahlen allerdings von Berichten 
          aus Mossul und Kirkuk, wo es in gr&ouml;&szlig;erem Ausma&szlig; zu 
          Behinderungen und Manipulationen gekommen sein soll. Die Vertreter der 
          assyrischen Minderheit beschuldigen sowohl die Wahlkommission als auch 
          die Kurdische Demokratische Partei, Urnen nicht ausgeliefert und somit 
          Zehntausende von Assyrern von der Wahl ausgeschlossen zu haben. </p>
        <p>Obwohl sich wegen solcher Klagen die Bekanntgabe des Endergebnisses 
          weiter verz&ouml;gert, haben die politischen Bl&ouml;cke die Verhandlungen 
          aufgenommen. Die schiitische Vereinigte Irakische Allianz, die selbst 
          ein &auml;u&szlig;erst heterogenes Gebilde ist, dem sowohl der s&auml;kulare 
          Vorsitzende des Iraqi National Congress, Ahmad Chalabi, als auch die 
          sich am Islam orientierenden Parteien Sciri und Da&#8217;wa angeh&ouml;ren, 
          konnte offenbar mehr als die H&auml;lfte aller Stimmen auf sich vereinigen. 
          Dennoch gen&uuml;gt diese Mehrheit nicht, um den neuen Premierminister 
          zu bestimmen. Hierf&uuml;r sind gem&auml;&szlig; der irakischen &Uuml;bergangsverfassung 
          zwei Drittel der 275 Stimmen n&ouml;tig. Damit kann ohne Unterst&uuml;tzung 
          der Kurden oder der Liste von &Uuml;bergangspremier Iyad Allawi, die 
          etwa 13 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte, kein Premier 
          gew&auml;hlt werden. Beide Gruppen verbinden gemeinsame politische Interessen, 
          so lehnen sie die von den schiitischen Parteien angestrebte Verankerung 
          der Sharia im Zivilrecht ab. </p>
        <p>Vor allem ohne Zustimmung der Kurden, die noch vor 15 Jahren eine brutal 
          verfolgte Minderheit waren, wird im k&uuml;nftigen Irak keine bedeutende 
          Entscheidung gef&auml;llt werden. Die von der so genannten kurdischen 
          Referendumskampagne vorgelegten Ergebnisse, denen zufolge 98,8 Prozent 
          der Kurden f&uuml;r einen unabh&auml;ngigen Staat votieren, sind daher 
          mit Vorsicht zu genie&szlig;en. Denn so stark die Position der Kurden 
          in einem f&ouml;deralen Irak ist, so schwach w&auml;re ein unabh&auml;ngiges 
          Kurdistan. W&auml;hrend die kurdischen Parteien ihre Verwaltungen in 
          Arbil am 1. M&auml;rz vereinigen wollen, haben sie bereits unter sich 
          die k&uuml;nftigen politischen Einflussgebiete aufgeteilt. Massoud Barzani, 
          der F&uuml;hrer der Kurdischen Demokratischen Partei, strebt das Amt 
          des Pr&auml;sidenten der kurdischen Autonomieregion an, Jalal Talabani, 
          sein Konkurrent von der Patriotischen Union Kurdistans, hat sich f&uuml;r 
          die irakische Pr&auml;sidentschaft beworben. </p>
        <p>Anders als beispielsweise in Afghanistan, wo lediglich ein Pr&auml;sident 
          gew&auml;hlt wurde, ist der angestrebte Transformationsprozess im Irak 
          verfassungsrechtlich &auml;u&szlig;erst kompliziert. Die mit US-amerikanischer 
          Unterst&uuml;tzung ausgearbeitete &Uuml;bergangsverfassung st&auml;rkt 
          die Legislative gegen&uuml;ber der Exekutive. Das Parlament agiert weitgehend 
          unabh&auml;ngig von dem de facto machtlosen Pr&auml;sidenten und dem 
          aus drei Personen bestehenden Kollektiv von Premierminister. Die am 
          30. Januar gew&auml;hlte Nationalversammlung wiederum ist ebenfalls 
          nur ein &Uuml;bergangsparlament, dessen eigentliche Aufgabe darin besteht, 
          bis zum Sp&auml;tsommer eine neue Verfassung auszuarbeiten, &uuml;ber 
          die in einem Referendum abgestimmt werden muss. Sollte die Mehrheit 
          in einem der drei Gouvernements gegen diese Verfassung votieren, kann 
          sie nicht in Kraft treten. Faktisch haben damit die Kurden ein Vetorecht. 
        </p>
        <p>Mit wachsender Sorge betrachten die Nachbarl&auml;nder daher die Entwicklung 
          im Irak. F&uuml;rchten die arabischen L&auml;nder einen wachsenden Einfluss 
          der Schiiten in einem arabischen Kernland, so beobachtet die T&uuml;rkei 
          mit Misstrauen die Entwicklung im Nordirak. Wiederholt drohte das t&uuml;rkische 
          Milit&auml;r, in Kurdistan einzumarschieren, sollten die Kurden in Kirkuk 
          die Macht &uuml;bernehmen. Bislang allerdings genie&szlig;en die Kurden 
          als engste Alliierte der USA im Irak deren Schutz. </p>
        <p>&nbsp; </p>
        <p> <em>erschienen in Jungle World Nr. 7 vom 16. Februar 2005</em></p>
        <p></p>
      </div>
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