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<title>Chaotische Verh&auml;ltnisse und Volksfeststimmung</title>
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        <h2> <br>
          Chaotische Verh&auml;ltnisse und Volksfeststimmung</h2>
        <h4> Interview mit Wahlbeobachterin im Irak </h4>
        <p><strong>Die Parlamentswahl im Irak lief besser ab als die Abstimmungen zuvor - chaotisch war es laut Andr&eacute;a Vermeer trotzdem. Die Wahlbeobachterin verfolgte den Urnengang in Suleimanija im Kurdengebiet. Zumindest dort herrschte statt Gewalt eine Art Volksfeststimmung, schildert die K&ouml;lnerin im Gespr&auml;ch mit tagesschau.de. Vermeer ist f&uuml;r die irakische Tochterorganisation des unabh&auml;ngigen Verbands Wadi e.V. im Irak.</strong></p>
		<p><em>tagesschau.de: Frau Vermeer, Sie haben den Ablauf der Wahl in Suleimanija verfolgt. Ist die Wahl so abgelaufen, wie man das von einer demokratischen Wahl erwarten darf?</em></p>
		<p><strong>Andr&eacute;a Vermeer</strong>: Sie lief besser ab als die vergangenen Wahlen. Aber man kann nach wie vor nicht von einer gelungenen Wahl sprechen. Ein Beispiel: Eigentlich sollte ab 17 Uhr ausgez&auml;hlt werden. Dann hie&szlig; es auf einmal, es sollte um 18 Uhr damit begonnen werden. In den meisten Wahllokalen ist dann um 17 Uhr mit der Ausz&auml;hlung begonnen worden. Nur da wo wir waren, haben sie brav gewartet - aber nur weil wir im Raum waren. Das war schon mal total chaotisch. Dann konnten die nicht richtig z&auml;hlen. Eigentlich war alles sehr unsystematisch. Ganz offensichtlich sind die Wahlhelfer seit der letzten Wahl nicht weiter geschult worden.</p>
		<p><em>tagesschau.de: Jetzt haben Sie gerade von Fehlern bei der Ausz&auml;hlung gesprochen. Wie ist denn die Wahl an sich abgelaufen?</em></p>
		<p><strong>Vermeer</strong>: Hier in der Provinz Suleimanija gab es im Vergleich zu den anderen Wahlen zumindest weniger Verwirrung, was die Registrierung auf den W&auml;hlerlisten anbelangt. Es kam aber immer mal wieder vor, dass Leute nicht genau wussten, wo sie w&auml;hlen sollten.</p>
		<p><em>tagesschau.de: Worauf haben Sie konkret geachtet?</em></p>
		<p><strong>Vermeer</strong>: Ich habe zun&auml;chst geschaut, ob die Wahlkabine so steht, dass tats&auml;chlich eine geheime Wahl stattfinden kann. Das Problem ist, dass es hier &uuml;blich ist, dass Familien gemeinsam in die Wahlkabine gehen und dass die M&auml;nner f&uuml;r die Frauen oder die S&ouml;hne f&uuml;r die M&uuml;tter die Kreuze machen wollen. Dann habe ich kontrolliert, ob die Wahlurne versiegelt ist. Au&szlig;erdem habe ich Gespr&auml;che mit den Leuten gef&uuml;hrt, ob sie sich manipuliert f&uuml;hlen oder nicht.</p>
		<p><em>tagesschau.de: Im Vorfeld der Wahl war immer wieder zu h&ouml;ren, dass sich viele Menschen von dieser Wahl keine Verbesserung ihrer pers&ouml;nlichen Situation versprechen. K&ouml;nnen Sie diesen Eindruck best&auml;tigen?</em></p>
		<p><strong>Vermeer</strong>: Jein. Viele, mit denen ich gesprochen habe, sind frustriert. Sie fragen sich, was sich seit dem 30. Januar (Anm. der Redaktion: Wahl der &Uuml;bergangsregierung) eigentlich verbessert hat. Andererseits - und das habe ich so extrem nicht erwartet - herrscht zumindest hier in der Provinz so eine Art Volksfeststimmung. Vielen Kurden geht es vermutlich vor allem um die Chance, ein unabh&auml;ngiges Kurdistan zu bekommen. Die Menschen tanzen auf den Stra&szlig;en und schwenken kurdische Fahnen. Ich pers&ouml;nlich habe das Gef&uuml;hl, dass es hier darum ging: &quot;Wir Kurden zeigen es jetzt allen, wir haben so die Nase voll von allem, was passiert, und jetzt ist unsere Zeit gekommen.&quot;</p>
		<p><em>tagesschau.de: Wie haben Sie denn die Sicherheitssituation empfunden? Haben Sie sich bedroht gef&uuml;hlt w&auml;hrend der Wahl?</em></p>
		<p><strong>Vermeer</strong>: Nein, in Suleimanija gab es sehr gute Sicherheitsvorkehrungen: Die Stra&szlig;en waren zum Teil komplett abgesperrt, es gab viele Kontrollen. Die Polizei war freundlich - nicht angespannt. Ich hatte keine Angst, zu keiner Sekunde. In den Wahllokalen waren viele Kinder dabei. Die wollten - wie die Erwachsenen das machen m&uuml;ssen - immer den Finger in die Tinte reinstecken. Die Stimmung war wie bei einem Familienfest. Ich kann nur sagen, ich bin sehr froh dar&uuml;ber, dass ich den Mut hatte, hierher zu kommen.</p>
		<p><em>Das Interview f&uuml;hrte Holger Schwesinger, tagesschau.de</em></p>
		<p><em><br>
        Artikel erschienen auf <a href="http//www.tagesschau.de" target="_wadiout">tagesschau.de</a> am 16.12.2005 </em></p>
        <p></p>
      </div>
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