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<title>Die Verfassungdebatte im Irak</title>
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  <tr> 
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      <div align="center">
        <p><img src="../../img/blind.gif" width="130" height="8">
          <a href="../../index.htm"><img src="../../img/logo-blau_32x100.gif" onFocus="if(this.blur)this.blur()" width="100" height="32" border="0"></a></p>
        <p>&nbsp;</p>
        <p><a href="#" onClick="history.back()"><img src="../../img/textback.gif" width="38" height="25" border="0" alt="zur&uuml;ck"></a></p>
      </div>
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      <div class="text"> 
        <h2><br>
Die Verfassungdebatte im Irak</h2>
        <h4> Umstrittene Quellen</h4>
        <p>von Thomas von der Osten-Sacken </p>
		<table width="150" align="right" height="43" class="noprint">
<tr> 
<td valign="top">
<div align="right"> <a href="http://www.jungle-world.com/" target="_wadiout"><img src="../../img/logos/jungleworld.gif" width="140" height="33" alt="http://www.jungle-world.com/" border="0"></a></div>
</td>
</tr>
</table>
		<p>Gemessen an den Hoffnungen, die so viele Irakis, aber auch all jene, die
		  von der Notwendigkeit einer grundlegenden Demokratisierung des Nahen
		  Osten &uuml;berzeugt sind, in die neue irakische Verfassung gesetzt hatten,
		  erscheint der nun endlich vorgelegte Entwurf entt&auml;uschend. Nach
		  monatelangem Feilschen ist ein bestenfalls halbherziger Kompromiss
		  entstanden, der versucht, sowohl schiitisch-islamischen Aspirationen als
		  auch den Kurden und Sunniten gerecht zu werden, ohne dabei fundamentale
		  B&uuml;rgerrechte zu opfern. Weder wird der Irak also eine s&auml;kulare Republik
		  werden, in der Religion Privatsache ist, noch eine Theokratie nach
	    iranischem Vorbild.</p>
        <p>Gemessen an anderen Verfassungen der Region kann die irakische Vorlage
          f&uuml;r eine neue Konstitution jedoch als liberal und rechtsstaatlich
          bezeichnet werden. In dem nun vorgelegten Text wird der Islam n&auml;mlich
          nur als &lt;I&gt;eine&lt;I&gt;, nicht aber &lt;I&gt;die&lt;I&gt; Quelle der Rechtsprechung
          bezeichnet, die Sharia selbst findet an keiner Stelle direkt Erw&auml;hnung.
          Stattdessen hat man sich auf die Sprachregelung der unter
          US-amerikanischer Besatzung verabschiedeten &Uuml;bergangsverfassung
          geeinigt. Die Gesetzte d&uuml;rfen weder den b&uuml;rgerlichen Grundfreiheiten
          noch den Prinzipien des Islam widersprechen. Alle wichtigen b&uuml;rgerlichen
          Freiheiten und Rechte sind explizit garantiert. In Zukunft sollen die
          Geheimdienste und das Milit&auml;r parlamentarischer Kontrolle unterstehen,
          25 Prozent aller Posten in Regierung und Parlament m&uuml;ssen von Frauen
          besetzt sein und Kurdisch wird die zweite offizielle Amtssprache.</p>
        <p>Als in Afghanistan eine &auml;hnliche Verfassung verabschiedet wurde, jubelte
          dieselbe linksliberale Presse &uuml;ber einen unerh&ouml;rten Fortschritt, die nun
          den Irak ins tiefste Mittelalter fallen sieht und sich f&uuml;r Saddam
          Husseins angeblichen S&auml;kularismus erw&auml;rmt. Aus Europa aber erhielten
          gerade jene, die f&uuml;r eine weit progressivere Verfassung gek&auml;mpft haben,
          keinerlei namhafte Unterst&uuml;tzung. Ginge es gar nach dem deutschen
          Friedenskanzler, w&uuml;rden die Irakis noch immer unter Saddam Husseins
          Gesetzen leben, die den Jihad zum Staatsziel erkl&auml;rten und die T&ouml;tung
          von Frauen aus Gr&uuml;nden der &quot;Ehre&quot; legalisierten.</p>
        <p>Trotzdem ist dieser Verfassungsentwurf nicht das, was sich liberale und
          s&auml;kulare Irakis gew&uuml;nscht haben. Sie atmet keineswegs den Geist eines
          revolution&auml;r-demokratischen Neuanfanges, gerade weil Aussagen zu den
          zentralen Fragen vermieden wurden oder betont vage formuliert sind. Der
          Irak wird zwar eine &quot;f&ouml;derale und demokratische Republik&quot;, wie genau
          dieser F&ouml;deralismus in Realit&auml;t aber aussehen wird, bleibt ebenso unklar
          wie die Verteilung der &Ouml;leinnahmen, die 90 Prozent des Staatshaushaltes
          ausmachen. Mullahs und Ayatollahs werden im neuen Irak ein
          betr&auml;chtliches Mitspracherecht in Gesetzgebung und Regierung haben.
          Welche Rolle werden islamische Rechtsgelehrte im Obersten Gerichts
          spielen und wie wird entschieden, ob ein Gesetz gegen die &quot;Prinzipien
          des Islam&quot; verst&ouml;&szlig;t?</p>
        <p>Dass die sunnitischen Parteien und der khomeinistische Milizenf&uuml;hrer
          Muqtada al-Sadr, die f&uuml;r einen m&ouml;glichst starken, auf der Sharia
          fu&szlig;enden Zentralstaat eintreten, nun gegen diesen Verfassungsentwurf
          mobilisieren, ist durchaus ein gutes Zeichen. Sie f&uuml;rchten um ihren
          k&uuml;nftigen Einfluss im Irak und betrachten das Dokument als
          verdammenswert &quot;westlich&quot;. Die Abkehr vom Zentralismus k&ouml;nnte aber
          gerade ihnen nutzen. Wenn bei dem f&uuml;r Oktober geplanten Referendum in
          drei der 18 Provinzen die Verfassung mit einer Zweidrittelmehrheit
          abgelehnt wird, muss erneut verhandelt werden.</p>
        <p>
          <em>erschienen in: Jungle World, Nummer 35/36 vom 31. 8. 2005</em></p>
        <p></p>
      </div>
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