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<title>Eingeschlossen im Teufelskreis</title>
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  <tr> 
    <td valign="top" rowspan="2" width="120"> 
      <div align="center">
        <p><img src="../../img/blind.gif" width="130" height="8"><br>
          <a href="../../index.htm"><img src="../../img/logo-blau_32x100.gif" onFocus="if(this.blur)this.blur()" width="100" height="32" border="0"></a></p>
        <p>&nbsp;</p>
        <p><a href="#" onClick="history.back()"><img src="../../img/textback.gif" width="38" height="25" border="0" alt="zur&uuml;ck"></a></p>
      </div>
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    </td>
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      <div class="text"> 

 
            <h2>Eingeschlossen im Teufelskreis</h2>
            <h4>Ein Interview mit Thomas von der Osten-Sacken 
            </h4>
            <p><i>Von Micha Odenheimer, Ha&#146;aretz, 
              04.10.2002 (<a href="vicious.htm">Original 
              Interview</a>)<br>
              &Uuml;bersetzung Daniela Marcus, auf hagalil.com</i></p>
            <p><b>Thomas von der Osten-Sacken ist Journalist, 
              Menschenrechtler und Intellektueller. 
              Was das Thema der Menschenrechte im Irak 
              angeht, wird er in Deutschland als eine 
              der f&uuml;hrenden Autorit&auml;ten betrachtet. 
              Im Jahr 1991 reiste er das erste Mal in 
              den Irak. Damals verbrachte er dort acht 
              Monate, um im S&uuml;den des Landes, kurz 
              nachdem Saddam Hussein den dortigen Aufstand 
              der Schiiten niedergeschlagen hatte, humanit&auml;re 
              Hilfe zu leisten. Im Jahr 1992 war von 
              der Osten-Sacken Mitbegr&uuml;nder einer 
              Hilfs- und Wohlt&auml;tigkeitsorganisation, 
              die sich &quot;Wadi&quot; nennt. Sie arbeitet 
              in Irakisch-Kurdistan &#150; dem autonomen 
              kurdischen Selbstverwaltungsgebiet, dass 
              1991 im Rahmen einer Fluchtabwehrma&szlig;nahme 
              entstand - und setzt sich f&uuml;r irakische 
              Fl&uuml;chtlinge in Deutschland ein. Jedes 
              Jahr verbringt er einige Zeit in Kurdistan, 
              wo &quot;Wadi&quot; die erste Anlaufstelle 
              f&uuml;r Frauen in Not gegr&uuml;ndet 
              hat und au&szlig;erdem der lokalen Regierung 
              hilft, das Gef&auml;ngnissystem, das noch 
              aus der irakischen Herrschaft vorhanden 
              ist, zu reformieren. In Deutschland ber&auml;t 
              &quot;Wadi&quot; irakische oppositionelle 
              Gruppen und arbeitet eng zusammen mit 
              der &quot;Koalition f&uuml;r einen demokratischen 
              Irak&quot;.</b></p>
            <p><i>Der 34j&auml;hrige von der Osten-Sacken 
              ver&ouml;ffentlicht Artikel in deutschen 
              Zeitschriften wie &quot;Jungle World&quot; 
              und &quot;Konkret&quot; und ist Mitherausgeber 
              des k&uuml;rzlich erschienenen Buches 
              <a href="javascript:NeuFenster()">&quot;Saddam Husseins letztes Gefecht?&quot;</a>, 
              das im konkret Verlag erschienen ist. 
              Er ist einer der relativ wenigen linken 
              Autoren und Denker im heutigen Deutschland, 
              die sich selbst als pro-israelisch bezeichnen 
              und die eine linksorientierte Kritik an 
              die Antiglobalisierungs-Linke im heutigen 
              Europa gerichtet haben. Au&szlig;erdem 
              forscht er f&uuml;r seine Doktorarbeit 
              &uuml;ber deutschsprachige zionistische 
              Zeitungen in den 1930er Jahren.</i></p>
            <p><i><br>
              Wann haben Sie bemerkt, dass das irakische 
              Regime nicht einfach nur eine weitere 
              Diktatur im Mittleren Osten ist?</i></p>
            <p>&quot;Das war, als ich das erste Mal 
              in den Irak kam. Damals bemerkte ich sehr 
              schnell, dass ich die Situation dort nicht 
              mit anderen L&auml;ndern im Nahen und 
              Mittleren Osten - wie z. B. Syrien, Jordanien 
              oder &Auml;gypten -, in denen ich gewesen 
              war, vergleichen konnte. Der Irak war 
              die H&ouml;lle. Wir waren die einzigen 
              Europ&auml;er in einer Stadt namens Amara 
              im schiitischen Gebiet des S&uuml;dirak, 
              in der N&auml;he von Basra. Wir kamen 
              dort nur ein paar Wochen nach dem Niederschlagen 
              des Aufstandes an. Es gab einen Panzerg&uuml;rtel 
              rund um die Stadt. Die Mehrheit der Geb&auml;ude 
              war ausgebrannt. Es gab kein Essen auf 
              dem Markt. Es gab auch einen hohen Prozentsatz 
              an Unterern&auml;hrten.</p>
            <p>Die Menschen im Irak sprechen nicht offen, 
              weil sie Angst haben, ihre Freunde k&ouml;nnten 
              f&uuml;r einen von Saddams neun schrecklichen 
              Geheimdiensten arbeiten. Wegen dieser 
              Atmosph&auml;re ben&ouml;tigten wir drei 
              oder vier Monate, bis wir einige Details 
              &uuml;ber den Aufstand erfuhren. Die Iraker 
              haben die Menschen gezwungen, sich auf 
              die Stra&szlig;e zu legen und haben sie 
              dann lebend unter Asphalt begraben. Weil 
              es ein schiitisches Gebiet war, t&ouml;teten 
              sie jeden, der auch nur ein bisschen religi&ouml;s 
              aussah. Es war verboten, die Leichen von 
              der Stra&szlig;e zu holen. Alles in allem 
              wurden in diesem Gebiet im Jahr 1991 etwa 
              60.000 oder 70.000 Menschen get&ouml;tet.</p>
            <p>Das erste, was nach dem Niederschlagen 
              des Aufstandes getan wurde, war das Erneuren 
              der Bilder von Saddam Hussein. Menschen 
              hatten sie mit Kugeln durchsiebt. Wir 
              waren schockiert, wie vernachl&auml;ssigt 
              der S&uuml;den war. Es gab dort nur ein 
              offenes Abwassersystem, obwohl das Gebiet 
              reich an &Ouml;l ist. Saddam sagte vor 
              dem Niederschlagen des Aufstandes, dass 
              diese Schiiten schmutzige Menschen und 
              keine richtigen Iraker seien. Im Oktober 
              1991 haben wir das Gebiet schlie&szlig;lich 
              verlassen, weil wir das Gef&uuml;hl hatten, 
              wir unterst&uuml;tzten unfreiwillig die 
              irakische Regierung, wenn wir mit unserer 
              Arbeit fortfahren.&quot;</p>
            <p><i>Wie war damals die Atmosph&auml;re 
              in Bagdad?</i></p>
            <p>&quot;Bagdad war etwa 300 km entfernt. 
              Wir waren ziemlich oft dort, etwa um eine 
              gute Mahlzeit zu haben, um uns mit anderen 
              Organisationen zu treffen oder um einen 
              Anruf nach Deutschland zu t&auml;tigen. 
              Wie ein BBC-Reporter k&uuml;rzlich sagte, 
              ist die Angst im Irak so offensichtlich, 
              dass man sie f&ouml;rmlich essen kann. 
              Es ist wirklich unbeschreiblich. Syrien 
              ist auch eine Diktatur, doch im Irak reichen 
              die Angst und die Kontrolle bis ins Wohnzimmer 
              hinein. Wenn man kein Bild von Saddam 
              Hussein im Wohnzimmer h&auml;ngen hat, 
              muss man damit rechnen, verhaftet zu werden. 
              Es gibt keine Privatsph&auml;re. Die irakische 
              Regierung h&auml;lt alles f&uuml;r politisch. 
              Solange man in Syrien kein Mitglied der 
              Opposition ist, kann man sich zur&uuml;cklehnen. 
              Man wei&szlig;, dass man nicht bel&auml;stigt 
              wird. Doch wenn man im Irak zur falschen 
              Zeit am falschen Ort ist, kann man verhaftet, 
              gefoltert und get&ouml;tet werden.</p>
            <p>Als wir 1991 im S&uuml;den Iraks waren, 
              hatten wir viele Gespr&auml;che mit einem 
              sehr netten und gebildeten Arzt. Eines 
              Tages sah er fern und die irakische Armee 
              wurde daf&uuml;r gelobt, dass sie den 
              zweiten Teil des Golfkrieges gewonnen 
              hatte (nach dem anf&auml;nglichen US-Angriff, 
              der darauf gezielt hatte, die Iraker aus 
              Kuwait zu vertreiben). Der Arzt sagte 
              nur: &#130;Nun, das ist ein seltsamer 
              Sieg, wenn Kinder t&auml;glich an Hunger 
              sterben.&#145; Das reichte aus. Jemand 
              h&ouml;rte ihn. Er wurde verhaftet, drei 
              Wochen lang gefoltert und kam als gebrochener 
              Mann zur&uuml;ck. Wenn ein Mensch einen 
              Satz unbedacht von sich gibt, reicht das 
              aus, um in einem irakischen Gef&auml;ngnis 
              zu verschwinden und sogar, um get&ouml;tet 
              zu werden.&quot;</p>
            <p><i>Sie sagten, laut Sch&auml;tzungen 
              hat Saddam seit 1979 ann&auml;hernd 1 
              Million seiner eigenen Landsleute umgebracht.</i></p>
            <p>&quot;Ja, diese Zahl umfasst Kurden, 
              Schiiten, Christen und Sunniten. Es gab 
              zwei gro&szlig;e Massaker. Einmal die 
              sogenannte &quot;Anfal-Kampagne&quot; 
              gegen die Kurden Ende der 1980er Jahre. 
              Dabei wurden 4.000 D&ouml;rfer zerst&ouml;rt 
              und etwa 100.000 bis 150.000 Menschen 
              get&ouml;tet, manche mit Giftgas. Etwa 
              eine Million Menschen wurden in internes 
              Exil geschickt. Das andere gro&szlig;e 
              Massaker geschah in den 1990er Jahren 
              im S&uuml;den, wo das Regime in den letzten 
              zehn Jahren etwa 300.000 Schiiten t&ouml;tete. 
              Au&szlig;erdem gab es in den letzten zwei 
              Jahrzehnten gro&szlig;e Massaker an Kommunisten.</p>
            <p>Die Sch&auml;tzung von einer Million 
              Get&ouml;teten betrifft nur Zivilisten. 
              Im Iran-Irak-Krieg wurden eine Million 
              irakische Soldaten get&ouml;tet. Eine 
              halbe Million Iraker starben wegen der 
              Iraksanktionen an Hunger und Krankheiten, 
              und weitere wurden im Golfkrieg get&ouml;tet. 
              Etwa 1,5 bis 2 Millionen Menschen wurden 
              innerhalb des Landes vertrieben. Und auf 
              dem gesamten Globus sind 4,5 Millionen 
              irakische Fl&uuml;chtlinge verstreut. 
              Zehn Prozent der irakischen Bev&ouml;lkerung 
              wurden w&auml;hrend der Herrschaft Saddam 
              Husseins get&ouml;tet oder deportiert. 
              Das ist das Wesen dieses Regimes. Es geschieht 
              nicht zuf&auml;llig, sondern systematisch.&quot;</p>
            <p><i>Welche Ideologie verbirgt sich hinter 
              Saddam Husseins Regime?</i></p>
            <p>&quot;Die Ba&#146;ath-Ideologie vermischt 
              Pan-Arabismus mit der Bewunderung von 
              Mussolini und Hitler, einigen Gedanken 
              des staatlichen Sozialismus und der Idee 
              einer arabischen Vormachtstellung, die 
              realisiert werden soll, nachdem die Araber 
              sich von ausl&auml;ndischem Einfluss &#150;womit 
              haupts&auml;chlich der j&uuml;dische gemeint 
              ist- und britischem und amerikanischem 
              Imperialismus befreit haben. Die Ba&#146;ath-Ideologie 
              ist sehr antikommunistisch und antiimperialistisch 
              und von Anfang an antisemitisch. Alles 
              im Irak wird mit der Theorie einer gewaltigen 
              Verschw&ouml;rung gegen die Araber im 
              allgemeinen und gegen den Irak im besonderen 
              erkl&auml;rt. Es herrscht der Gedanke 
              vor, dass der Irak die gr&ouml;&szlig;te 
              arabische Nation und der naturgegebene 
              F&uuml;hrer der arabischen Einheit ist.&quot;</p>
            <p><i>Also sieht sich der Irak als Zentrum 
              der arabischen Welt?</i></p>
            <p>&quot;Ja, als F&uuml;hrer der arabischen 
              Einheit. Saddam Hussein tr&auml;umt davon, 
              eine einheitliche arabische Nation zu 
              regieren, die eine den Osten und den Westen 
              konfrontierende Supermacht ist. Irakischen 
              Kindern wird im Kindergarten beigebracht, 
              dass sie starke arabische K&auml;mpfer 
              sein m&uuml;ssen.&quot;</p>
            <p><i>Ist der irakische Ba&#146;athismus 
              islamistisch?</i></p>
            <p>&quot;Der Pan-Arabismus hat immer gesagt, 
              dass Mohammed der Ahnherr des Pan-Arabismus 
              ist und dass der Islam entwertet wurde, 
              als dieser die Grenzen der arabischen 
              Welt &uuml;berschritt und Einzug in den 
              Iran und in die T&uuml;rkei gehalten hat. 
              Die Aufgabe besteht nun darin, den wahren 
              Islam, der von Mohammed als eine arabische 
              Ideologie gelehrt worden war, zu &quot;reanimieren&quot;. 
              Besonders w&auml;hrend des iranisch-irakischen 
              Krieges, als der Irak der iranischen Revolution 
              gegen&uuml;berstand, f&uuml;llte er die 
              eigene Ideologie mit islamischem Inhalt. 
              Man sagte, die Iraner und die Zionisten 
              seien Teil einer 2.000 Jahre alten Verschw&ouml;rung, 
              den Irak zu zerst&ouml;ren und die Araber 
              zu entzweien. &#130;Wir k&auml;mpfen f&uuml;r 
              den wahren Islam&#145;, sagte das Regime, 
              &#130;nicht f&uuml;r die Art des verdorbenen 
              Islam, den der Iran repr&auml;sentiert.&#145; 
              Ich denke, die Amerikaner machten einen 
              Fehler, als sie glaubten, der Irak sei 
              ein Bollwerk gegen den Islam.&quot;</p>
            <p><i>Ist es vorstellbar, dass Al Qaida 
              und der Irak zusammen gearbeitet haben?</i></p>
            <p>&quot;Saddam Hussein und Osama bin Laden 
              haben die gleichen Feinde und die gleichen 
              Verschw&ouml;rungstheorien. Sie teilen 
              den Anspruch, im Namen der arabischen 
              Massen zu k&auml;mpfen. Beide M&auml;nner 
              sind im gleichen vergifteten Klima einer 
              arabischen Diktatur aufgewachsen. Ihre 
              Ideologien liegen nahe beieinander, auch 
              wenn Saddam kein Islamist ist. Da er viele 
              Terrororganisationen unterst&uuml;tzt, 
              w&auml;re ich nicht &uuml;berrascht, wenn 
              es enge Verbindungen zwischen dem Irak 
              und Al Qaida g&auml;be.</p>
            <p>Ich denke, dass Osama bin Laden versucht, 
              in den Fu&szlig;spuren von Saddam Hussein 
              zu gehen. Gleichzeitig versuchte Saddam 
              Hussein in den 1990er Jahren, die Verbindungen 
              zwischen irakischen und islamischen Bewegungen 
              zu festigen. Er nahm &quot;Allah akhbar&quot; 
              (Allah ist gro&szlig;) in die irakische 
              Flagge auf und finanzierte verschiedene 
              islamische Gruppen in Pal&auml;stina und 
              an anderen Orten der arabischen Welt. 
              Es gibt ein terroristisches Trainingszentrum 
              in Bagdad namens &quot;Salmanpak&quot;. 
              Laut der irakischen Opposition wurden 
              Mitte der 1990er Jahre Terroristen aus 
              anderen L&auml;ndern in diesem Zentrum 
              ausgebildet, und zwar in &quot;Fertigkeiten&quot; 
              wie Flugzeugentf&uuml;hrungen und der 
              Benutzung von chemischen Waffen. Diese 
              Terroristen k&ouml;nnten zusammenarbeiten. 
              Doch auch wenn sie es nicht tun, sind 
              es doch zwei B&auml;ume, die in der gleichen 
              Erde wachsen.&quot;</p>
            <p><i>Also w&uuml;rden Sie der Aussage, 
              der Krieg gegen den Irak sei eine Ablenkung 
              vom Krieg gegen den Terror, den Pr&auml;sident 
              George Bush ausgerufen hat, nicht zustimmen?</i></p>
            <p>&quot;Die amerikanische Politik im Irak 
              besteht aus einer Reihe von gro&szlig;en 
              Fehlern. Erstens war es ein Fehler, das 
              m&ouml;rderische irakische Regime in den 
              1980er Jahren zu unterst&uuml;tzen, obwohl 
              man damals z. B. von den Massakern an 
              den Kurden wusste. Zweitens war es ein 
              gro&szlig;er Fehler, im Jahr 1991 zu verhindern, 
              dass das irakische Volk Saddam st&uuml;rzte. 
              Die Amerikaner f&uuml;rchteten die Demokratie 
              im Mittleren Osten, sie f&uuml;rchteten 
              den Zerfall des Irak, weil dies den Iran 
              gest&auml;rkt h&auml;tte, also erlaubten 
              sie Saddam den Aufstand niederzuschlagen.</p>
            <p>Mit Regimes wie dem irakischen wird es 
              im Mittleren Osten keinen Frieden geben. 
              In einen Friedensprozess kann man kein 
              Regime wie das von Saddam Hussein einschlie&szlig;en. 
              Diesbez&uuml;glich hat der Westen einen 
              Fehler gemacht. Also lautet die Frage 
              nun: Ist Amerika bereit, sich den Fehlern, 
              die es 1991 und in den 80er Jahren gemacht 
              hat, zu stellen? Sind die Amerikaner bereit, 
              die Demokratie zu unterst&uuml;tzen? Menschen 
              wie Saddam Hussein und Osama bin Laden 
              entstammen dem Mittleren Osten. Sie sind 
              kein Produkt Afghanistans.&quot;</p>
            <p><i>Welchen Einfluss hat Saddam auf der 
              arabischen Stra&szlig;e und was w&uuml;rde 
              passieren, wenn man ihn st&uuml;rzen w&uuml;rde?</i></p>
            <p>Die r&uuml;ckl&auml;ufigsten und gef&auml;hrlichsten 
              Elemente in der arabischen und islamischen 
              Welt h&auml;ngen von Saddam Hussein ab. 
              Ein wirklicher Sturz Saddam Husseins bedeutet 
              die Entwurzelung des Ba&#146;ath-Regimes 
              mit der Hilfe des irakischen Volkes. Dies 
              w&uuml;rde dem Pan-Arabismus im Mittleren 
              Osten den vernichtenden Schlag versetzen. 
              Syrien und eine Reihe von sehr radikalen 
              Gruppen in Pal&auml;stina, Libanon, &Auml;gypten 
              und den Golfstaaten w&auml;ren davon betroffen. 
              Diese Gruppen sehen zu Saddam Hussein 
              als einem pan-arabischen, antiimperialistischen 
              Helden auf, obgleich er ein Antiimperialist 
              im Sinne der Nazis und nicht der Linken 
              ist. Saddam finanziert &uuml;brigens auch 
              Organisationen wie die Arabische Befreiungsfront 
              (Arab Liberation Front, ALF) in Pal&auml;stina, 
              die eine Ba&#146;ath-Organisation ist. 
              Er bezahlt die Familien von Selbstmordattent&auml;tern. 
              Er ist direkt und indirekt f&uuml;r eine 
              Menge Terror im Nahen und Mittleren Osten 
              verantwortlich.&quot;</p>
            <p><i>Wie ist seine Beziehung zu Yassir 
              Arafat und der PLO?</i></p>
            <p>&quot;Teile des pal&auml;stinensischen 
              Verwaltungsapparates haben seit 1991 sehr 
              enge Beziehungen zum Irak. Damals entschieden 
              die Pal&auml;stinenser, Saddam zu unterst&uuml;tzen, 
              was ein gro&szlig;er Fehler war. Auch 
              einige besonders einflussreiche Personen 
              innerhalb des Sicherheitsapparates von 
              Yassir Arafat und der PLO sind unter denen, 
              die sehr enge Beziehungen haben. Innerhalb 
              der pal&auml;stinensischen Institutionen 
              gibt es gerade jetzt einen Kampf darum, 
              ob diese Personen isoliert werden sollten. 
              Ich denke, dass bestimmte Leute wie Abu 
              Mazen und einige der Sicherheitskr&auml;fte, 
              die vom CIA ausgebildet wurden, gegen 
              andere k&auml;mpfen, die sehr eng mit 
              Bagdad verbunden sind und die im n&auml;chsten 
              Gefecht immer noch dem Irak beistehen 
              wollen, und zwar durch Terroranschl&auml;ge 
              oder durch schlimmeres, wie z. B. chemische 
              oder biologische Angriffe auf Israel oder 
              auf sonstige Ziele in der Welt. Dies w&auml;re, 
              wie ich meine, ein weiterer schrecklicher 
              Fehler f&uuml;r die Pal&auml;stinenser.&quot;</p>
            <p><i>Was muss getan werden, um am Tag nach 
              Saddams Abgang den richtigen Unterschied 
              zwischen einer blo&szlig;en Ausschaltung 
              des irakischen Regimes und einem v&ouml;llig 
              neuen und demokratischen Start zu machen?</i></p>
            <p>&quot;1991 f&uuml;rchteten die Amerikaner 
              die Auswirkungen eines &ouml;ffentlichen 
              Aufstandes. Sie hofften, jemanden innerhalb 
              des Milit&auml;rs zu finden, der Saddam 
              Hussein st&uuml;rzen und den Irak nach 
              einigen kosmetischen &Auml;nderungen, 
              doch mit dem gleichen Sicherheitsapparat, 
              regieren k&ouml;nnte. Diese Hoffnung erwies 
              sich als falsch, denn seit 25 Jahren versucht 
              Saddam, jeden loszuwerden, der eine Bedrohung 
              f&uuml;r ihn und seine Position darstellt. 
              Jeder einflussreiche General wurde get&ouml;tet. 
              Unter hochrangigen Mitgliedern der Ba&#146;ath-Partei 
              werden allj&auml;hrliche S&auml;uberungsaktionen 
              durchgef&uuml;hrt, so dass niemand die 
              Position von Saddams Familie, die mehr 
              oder weniger den Irak regiert, gef&auml;hrden 
              kann. Die Falken in den USA, also Leute 
              wie Donald Rumsfeld, Dick Cheney oder 
              Richard Perle, analysierten die Situation 
              und realisierten, dass sie nicht einfach 
              jemanden an der Spitze austauschen k&ouml;nnen. 
              Es ist nicht wie in einer s&uuml;damerikanischen 
              Diktatur. Wenn man wirklich eine Ver&auml;nderung 
              m&ouml;chte, muss man einen neuen Irak 
              schaffen.</p>
            <p>Der Irak ist so r&uuml;cksichtslos und 
              grausam gegen&uuml;ber jeder Opposition, 
              dass sich das Volk nur mit Hilfe von au&szlig;en 
              widersetzen kann. In diesem Fall wird 
              das Volk die Ba&#146;ath-Partei entmachten 
              und sogar pers&ouml;nliche Rache am regierenden 
              Regime nehmen; es wird danach keine Ba&#146;ath-Partei 
              mehr geben. Also muss man wirklich dar&uuml;ber 
              nachdenken, was hinterher getan werden 
              muss. Die einzig tragbare Alternative 
              ist, eine Demokratie zu schaffen, was 
              ein wirkliches Experiment w&auml;re, denn 
              in dieser Region gibt es nichts, was einer 
              Demokratie auch nur ann&auml;hernd gleicht. 
              Der Irak betrachtet sich selbst als arabisches 
              Land. Tats&auml;chlich leben dort all 
              die unterschiedlichen Minderheiten und 
              ethnischen Gruppen des Nahen und Mittleren 
              Ostens.</p>
            <p>Wenn die Sache also wirklich von Grund 
              auf getan wird, ist es der erste Schritt 
              zur Schaffung eines neuen Mittleren Ostens. 
              Eine Demokratie in dieser Region wird 
              die anderen L&auml;nder sehr stark beeinflussen. 
              Sie ist eine gro&szlig;e Herausforderung 
              und ein Experiment. Die Frage ist: Wissen 
              die Amerikaner, was sie dort tun sollen? 
              Denn die T&uuml;rkei, der Iran und Europa 
              werden alle versuchen, ihre eigenen politischen 
              Vorstellungen in diese Region einzubringen. 
              Der Irak ist ein Land, das reich an &Ouml;l 
              ist, und niemand wei&szlig;, ob dieses 
              gro&szlig;e Vorhaben nicht in einer Katastrophe 
              enden wird.&quot;</p>
            <p><i>Hat der Irak eine nationale Identit&auml;t, 
              die eine Demokratie bilden k&ouml;nnte? 
              Oder sind die &Auml;ngste, dass die Schiiten 
              und die Kurden sich abspalten werden, 
              berechtigt?</i></p>
            <p>&quot;Der Irak ist in der arabischen 
              Welt ziemlich einzigartig. Zun&auml;chst 
              einmal hat man bereits eine lange Tradition 
              der Opposition gegen&uuml;ber dem zentralen 
              Regime. Und man hat die Tradition einer 
              nationalen Identit&auml;t. Selbst die 
              Kurden im Irak wollten sich &#150;im Gegensatz 
              zu ihren kurdischen Br&uuml;dern in der 
              T&uuml;rkei- niemals abspalten. Sie wollen 
              einen f&ouml;derativen Irak mit starker 
              kurdischer Autonomie. Ich denke auch nicht, 
              dass sich die Schiiten abspalten wollen. 
              Die Schiiten stellen die Mehrheit im Irak. 
              Was sie m&ouml;chten, ist ein gr&ouml;&szlig;erer 
              Einfluss in Bagdad. Aufgrund meiner Erfahrung, 
              die ich durch das Leben im Irak habe, 
              denke ich nicht, dass sich die Schiiten 
              des Irak vom Mullah-Regime des Irans angezogen 
              f&uuml;hlen. Man hat im Irak auch eine 
              starke linke Tradition, haupts&auml;chlich 
              an Orten wie Basra und Amara. Und der 
              Irak hat eine der &auml;ltesten und st&auml;rksten 
              kommunistischen Parteien des Mittleren 
              Ostens. Diese Partei wurde zwar durch 
              die Ba&#146;ath-Partei stark unterdr&uuml;ckt, 
              existiert jedoch immer noch.</p>
            <p>Ich denke, dass die kurdische Autonomie 
              ein positives Beispiel f&uuml;r den Irak 
              ist. In Kurdistan herrschen schreckliche 
              Zust&auml;nde. Es ist international nicht 
              anerkannt. Es befindet sich mehr oder 
              weniger unter einem doppelten Embargo: 
              da sind zum einen die internationalen 
              Sanktionen gegen den Irak und zum anderen 
              einige interne Sanktionen der zentralen 
              Regierung. Die T&uuml;rkei, der Iran und 
              Syrien versuchen, Kurdistan zu destabilisieren. 
              Doch selbst unter diesen furchtbaren Umst&auml;nden 
              sind die Kurden f&auml;hig etwas aufzubauen, 
              was zwar keine wirkliche Demokratie ist. 
              Doch es ist ein Ort, der &#150;Israel 
              ausgenommen- der liberalste und freieste 
              im Nahen und Mittleren Osten ist. Es gibt 
              dort eine Menge Zeitungen und bis zu einem 
              gewissen Grad Redefreiheit &#150;es ist 
              nicht erlaubt, kurdische politische F&uuml;hrer 
              zu beleidigen-. Im Vergleich zum Irak 
              kann man Kurdistan auf jeden Fall als 
              &quot;Paradies&quot; bezeichnen. In gewissem 
              Ma&szlig;e gibt es dort eine Demokratie. 
              Wenn die Kurden f&auml;hig sind so etwas 
              zu tun, warum sollten es &#150;mit ausl&auml;ndischer 
              Hilfe- nicht auch die Iraker sein?&quot;</p>
            <p><i>Sind Sie f&uuml;r einen Krieg gegen 
              den Irak?</i></p>
            <p>Ich bin so lange nicht f&uuml;r einen 
              Krieg, bis die Amerikaner bekannt geben, 
              wie sie diesen Krieg zu f&uuml;hren gedenken. 
              Man muss vor allem auch in Betracht ziehen, 
              was der libanesische Intellektuelle Fouad 
              Ajami sagte, dass n&auml;mlich der Irak 
              seit 30 Jahren einen Krieg gegen seine 
              eigene Gesellschaft f&uuml;hrt. Saddam 
              Hussein f&uuml;hrt einen Krieg gegen sein 
              eigenes Volk und dieser muss gestoppt 
              werden. Es ist schwer, ein anderes Volk 
              zu finden, das in den letzten zwanzig 
              Jahren so sehr gelitten hat wie das irakische 
              unter den H&auml;nden Saddam Husseins 
              und unter der internationalen Politik 
              und deren Ziel, Saddam zu beherrschen. 
              Wenn die Amerikaner wirklich bereit sind, 
              ihn zu st&uuml;rzen, k&ouml;nnte das sehr 
              gut f&uuml;r das irakische Volk und f&uuml;r 
              die Region sein. Doch wenn die Amerikaner 
              nur einen anderen dummen Krieg wie im 
              Jahr 1991 beginnen, bin ich dagegen.</p>
            <p>In diesem Augenblick, in dem wir uns 
              hier unterhalten, gibt es eine gro&szlig;e 
              Arabisierungskampagne gegen die Kurden, 
              die in Karkuk leben. Menschen werden systematisch 
              deportiert, weil das Regime eine kurdische 
              Stadt in eine arabische verwandeln m&ouml;chte. 
              Es gibt auch gewaltige Kampagnen zur S&auml;uberung 
              von Gef&auml;ngnissen. Jeden Mittwoch 
              kommen Sicherheitskr&auml;fte in die gr&ouml;&szlig;ten 
              Gef&auml;ngnisse Bagdads und sagen: Du, 
              du, du und du. F&uuml;nfhundert Menschen 
              werden herausgenommen und get&ouml;tet, 
              nur weil die Gef&auml;ngnisse &uuml;berf&uuml;llt 
              sind. Der irakische Nationalkongress sagt, 
              dass es derzeit 600.000 bis 700.000 politische 
              Gefangene in irakischen Straflagern gibt.</p>
            <p>Also ist die Frage: Sind sie wirklich 
              bereit, die Demokratie im Mittleren Osten 
              zu unterst&uuml;tzen? In diesem Fall denke 
              ich, dass ein Krieg notwendig und richtig 
              ist. Oder wollen sie anstelle von Saddam 
              nur einen schrecklichen General einsetzen? 
              Wenn ja, bin ich gegen diesen Krieg.&quot;</p>
            <p><i>W&auml;hrend des Golfkrieges im Jahr 
              1991 verzichtete Israel nach den Raketenangriffen 
              des Irak auf Vergeltungsschl&auml;ge. 
              Wie sollte Israel dieses Mal reagieren, 
              falls es angegriffen werden w&uuml;rde?</i></p>
            <p>&quot;Die &uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit 
              der Iraker sind Verb&uuml;ndete der Amerikaner. 
              Wenn der Krieg korrekt gef&uuml;hrt wird, 
              wird er sich auf das Regime konzentrieren, 
              auf die F&uuml;hrer, auf den Sicherheitsapparat 
              und auf die schreckliche Ba&#146;ath-Partei, 
              jedoch nicht auf das irakische Volk. Wenn 
              also Israel angegriffen wird, sollte es 
              diesen Punkt ber&uuml;cksichtigen: Dies 
              ist ein Krieg gegen das Regime, und das 
              irakische Volk ist ein Verb&uuml;ndeter 
              im Kampf gegen Saddam Hussein. Somit ist 
              es &auml;u&szlig;erst wichtig, keinen 
              Vergeltungsschlag gegen Zivilisten zu 
              richten. Es gab eine Diskussion dar&uuml;ber, 
              ob Israel mit Atombomben gegen den Irak 
              vorgehen wird, falls es mit Massenvernichtungswaffen 
              angegriffen werden sollte. Dies w&auml;re 
              ein Desaster &#150; das Ende der Demokratisierung 
              des Mittleren Ostens. Jeder w&auml;re 
              gegen die irakische Opposition und gegen 
              Israel. Wenn es f&uuml;r Israel notwendig 
              sein sollte, zur&uuml;ckzuschlagen, dann 
              sollte dies nur gegen milit&auml;rische 
              Ziele geschehen. Israel sollte &ouml;ffentlich 
              erkl&auml;ren, dass es keinen Krieg gegen 
              das irakische Volk f&uuml;hrt und dass 
              es bereit ist, eine multi-ethnische Demokratie 
              im Irak zu unterst&uuml;tzen. Israel sollte 
              erkl&auml;ren, dass es nur gegen&uuml;ber 
              der irakischen Regierung feindlich gesinnt 
              ist, gegen&uuml;ber dem irakischen Volk 
              jedoch freundlich.&quot;</p>
            <p><i>Wie ist die Haltung des befreiten 
              Kurdistan gegen&uuml;ber Israel und den 
              USA?</i></p>
            <p>&quot;Die USA schufen das teil-autonome 
              Gebiet im Jahr 1991 nicht f&uuml;r die 
              Kurden, sondern um den Iran und die T&uuml;rkei 
              vor dem Zustrom der Fl&uuml;chtlinge zu 
              bewahren. Doch die Menschen wissen, dass 
              sie von den USA besch&uuml;tzt werden 
              und sie haben ihr gegen&uuml;ber eine 
              positive Haltung. Ich verbrachte den 11. 
              September 2001 in Kurdistan vor dem Fernsehen. 
              Am n&auml;chsten Tag durchquerte ich Syrien 
              und reiste nach Jordanien. In Syrien erz&auml;hlten 
              mir die Menschen, dass die Geschehnisse 
              des 11.9. eine Verschw&ouml;rung gegen 
              die Araber sei. In Kurdistan waren die 
              Menschen tief schockiert und sie empfanden 
              Mitleid f&uuml;r die Opfer des Angriffs 
              auf das World Trade Center.</p>
            <p>Bez&uuml;glich Israels ist es erstaunlich: 
              Den Kurden wurde in irakischen Schulen 
              beigebracht, dass die Juden und Israel 
              der Hauptfeind sind, Blutsauger, Teil 
              einer gro&szlig;en Verschw&ouml;rung. 
              Doch ich fand keine einzigen wirklich 
              antiisraelischen Gef&uuml;hle und Meinungen 
              vor. Es gab Kritik an der Besatzung, an 
              den Siedlungen; ja, diese Kritik gibt 
              es zum Teil, und ich denke, dass diese 
              legitim ist. Doch es gibt keine antisemitische 
              Verschw&ouml;rungstheorien. Tats&auml;chlich 
              beginnen die Menschen in Kurdistan derzeit, 
              die Massenauswanderung der kurdischen 
              Juden in den 1950er Jahren zu reflektieren. 
              Damals verlie&szlig;en 99 Prozent der 
              Juden das Land, die meisten in Richtung 
              Israel. Oftmals habe ich Kurden sagen 
              h&ouml;ren, es sei traurig, dass dieses 
              Zusammenleben aufgeh&ouml;rt h&auml;tte 
              und dass das j&uuml;dische Erbe Kurdistans 
              bewahrt werden sollte.</p>
            <p>Man muss bei allem die Dynamik verstehen. 
              Beinahe jede Woche verk&uuml;ndet Saddam 
              Hussein oder ein f&uuml;hrendes Ba&#146;ath-Mitglied, 
              dass Irakisch-Kurdistan das Israel des 
              Irak sei. Oder die Kurden werden beschuldigt, 
              zionistische Agenten zu sein. Das gleiche 
              wird &uuml;ber jede Oppositionspartei 
              gesagt, ob sie nun islamistisch, nationalistisch, 
              kommunistisch oder christlich ist. Menschen, 
              die eigentlich antizionistisch sind, wie 
              z. B. die irakischen Kommunisten, kommen 
              als zionistische Spione ins Gef&auml;ngnis, 
              werden gefoltert und get&ouml;tet. Das 
              zwingt die Menschen, eine andere Einstellung 
              gegen&uuml;ber der ganzen Verschw&ouml;rungstheorien, 
              die im Mittleren Osten die Politik bestimmen, 
              zu bekommen. Ich denke dies ist auch einer 
              der Gr&uuml;nde, warum irakische Intellektuelle 
              im Ausland weit weniger antiisraelisch 
              eingestellt sind als andere arabische 
              Intellektuelle. Die Iraker sind viel mehr 
              gegen den Pan-Arabismus und gegen den 
              Ba&#146;athismus als gegen Israel. Deshalb 
              mag es f&uuml;r Israel eher m&ouml;glich 
              sein, einen Weg zu finden, um mit einer 
              zuk&uuml;nftigen irakischen Regierung 
              zusammenzuarbeiten als mit jeder anderen 
              Regierung in dieser Gegend. Wenn die Kurden 
              in Bagdad stark werden, werden die Juden 
              keinen irrationalen antij&uuml;dischen 
              Gef&uuml;hlen und Meinungen gegen&uuml;berstehen.&quot;</p>
            <p><i>Was ist Ihre Meinung, warum sich die 
              deutsche Politik gegen die amerikanische 
              Intervention im Irak richtet?</i></p>
            <p>&quot;Deutschland zieht einen gro&szlig;en 
              materiellen Nutzen aus der Beziehung zum 
              Irak. Man sollte nicht vergessen, dass 
              es die deutsche Technologie dem Irak erm&ouml;glichte, 
              die Reichweite der Skud-Raketen zu vergr&ouml;&szlig;ern, 
              so dass Raketen auf Israel abgefeuert 
              werden konnten. Man sollte auch nicht 
              vergessen, dass es dem Irak ohne deutsche 
              Hilfe nicht m&ouml;glich gewesen w&auml;re, 
              iranische Soldaten oder das eigene Volk 
              in Kurdistan mit Gas zu vergiften oder 
              Israel mit diesem Gas zu bedrohen. Infolgedessen 
              sind die Beziehungen tief. Der Iran, Libyen 
              und Syrien haben auch diese Beziehungen 
              zu Deutschland, doch besonders der Irak. 
              Die deutsche Politik hat immer ihre Eier 
              in Saddams Korb gelegt und aus dem Handel 
              mit dem Irak Gewinn gezogen, besonders 
              nach 1991, als Amerika und England den 
              Irak verlassen hatten.</p>
            <p>Auch die Ideologie ist wichtig, besonders 
              in solchen Zeiten wie w&auml;hrend der 
              letzten Wahlkampagne, als die Sozialdemokraten 
              begannen, die antiamerikanische Melodie 
              auf dem Klavier zu spielen. Es gibt sehr 
              enge Verbindungen zwischen einer bestimmten 
              deutschen Ideologie, die ihren Beginn 
              im 19. Jahrhundert hatte, den Ersten Weltkrieg 
              &uuml;berlebte, im Zweiten Weltkrieg mit 
              den Nazis eskalierte und auch danach weiterging, 
              und dem Pan-Arabismus. Eine Ideologie, 
              die die gleichen Feinde hat: Amerika, 
              die Juden, Israel. Antiamerikanische und 
              antiisraelische Ressentiments sind in 
              Deutschland sehr stark und haben seit 
              1989 zugenommen.</p>
            <p>Saddam Hussein wird in Deutschland nicht 
              unbedingt als m&ouml;rderischer Diktator 
              angesehen, der sein eigenes Volk umbringt. 
              Die Menschen tadeln die Sanktionen und 
              nicht ihn. Und die Menschen geben vornehmlich 
              der israelischen Besatzung die Schuld 
              f&uuml;r die Lage im Nahen und Mittleren 
              Osten und nicht den pal&auml;stinensischen 
              Terroristen oder Saddam, die die Region 
              st&auml;ndig destabilisieren. Au&szlig;erdem 
              haben viele Deutsche seit 1945 sehr starke 
              Antikriegsgef&uuml;hle, besonders wenn 
              diese Kriege von den USA gef&uuml;hrt 
              werden. Die Mehrheit der Deutschen war 
              gegen den zweiten Teil des Golfkrieges. 
              Es gab gewaltige Demonstrationen dagegen. 
              Nun ist diese Opposition noch st&auml;rker, 
              weil Deutschland st&auml;rker geworden 
              ist.</p>
            <p>Deutschland hat nun seine eigene, unabh&auml;ngige 
              Au&szlig;enpolitik, die in den letzten 
              zwei bis vier Jahren einfach stark von 
              der Au&szlig;enpolitik der USA abhob. 
              Wenn die USA eine Regierung unterst&uuml;tzt, 
              unterst&uuml;tze Deutschland die Gegner 
              dieser Regierung. Im Nahen und Mittleren 
              Osten versucht man, die Beziehungen zu 
              Syrien, Libanon, den Pal&auml;stinensern 
              und dem Irak zu verbessern. Au&szlig;erdem 
              haben die Deutschen Angst vor den Archiven 
              in Bagdad und was diese &uuml;ber das 
              Giftgas und weiteren Waffenhandel zwischen 
              dem Irak und vielen deutschen Unternehmen 
              aussagen k&ouml;nnen.&quot;</p>
            <p><i>Also haben sowohl die Linke wie die 
              Rechte in Deutschland starke antiamerikanische 
              Empfindungen?</i></p>
            <p>&quot;Antiamerikanische und antiisraelische, 
              antisemitische. Zur Zeit kann man kaum 
              zwischen dem extrem rechten und dem extrem 
              linken Fl&uuml;gel unterscheiden. Der 
              extrem rechte Fl&uuml;gel unterst&uuml;tzt 
              Saddam Hussein offen, indem er sagt, dieser 
              k&auml;mpft gegen die Juden und die Amerikaner 
              und unterst&uuml;tzt somit den deutschen 
              Kampf. Und gewisse Leute des extrem linken 
              Fl&uuml;gels, die aus einer orthodoxen 
              linken Tradition kommen, denken, dass 
              Saddam Hussein antiimperialistisch und 
              ein Globalisierungsgegner ist, dass er 
              f&uuml;r das Recht auf Selbstbestimmung 
              der Araber k&auml;mpft. Andere Leute des 
              linken Fl&uuml;gels sagen, dass Saddam 
              zwar schrecklich sein mag, dass jedoch 
              ein weiterer amerikanischer Krieg keinerlei 
              Probleme l&ouml;sen wird. Der Krieg wird 
              nur Israels Interessen unterst&uuml;tzen, 
              also muss man ihn ablehnen. Dies ist derzeit 
              auch die Politik der Regierung.&quot;</p>
            <p><i>Die Linke Europas und der Dritten 
              Welt hat eine Ideologie entwickelt, die 
              Antiglobalisierung, Antiamerikanismus, 
              antiisraelische Empfindungen und bis zu 
              einem gewissen Grad Antisemitismus vereint. 
              Welche Logik verbirgt sich hinter dieser 
              Kombination?</i></p>
            <p>&quot;Dies ist kein ganz neues Ph&auml;nomen. 
              In der deutschen Linken gab es diese Einstellungen 
              bereits in den 1920er Jahren in Form einer 
              &#130;verk&uuml;rzten Kapitalismuskritik&#145;, 
              die sehr stark zwischen finanziellem und 
              produktivem Verm&ouml;gen unterschied 
              und das finanzielle Verm&ouml;gen d&auml;monisierte. 
              Dieser Gedanke wurde sp&auml;ter von den 
              Nazis &uuml;bernommen. Er ist in sich 
              selbst antisemitisch, denn Juden werden 
              mit Geld und Verm&ouml;gen und mit Banken 
              gleichgesetzt. Wer immer Kapitalismus 
              nicht auf marxistische Art und Weise, 
              sondern nur die oberfl&auml;chlichen Aspekte 
              desselben kritisiert &#150;also die gro&szlig;en 
              Banken und das Monopol der Kapitalisten-, 
              benutzt automatisch eine antisemitische 
              Ausdrucksweise, selbst wenn dabei nicht 
              &uuml;ber Juden oder &uuml;ber Israel 
              gesprochen wird. Dies findet sich auch 
              in Teilen der Antiglobalisierungsrhetorik 
              wieder.</p>
            <p>Derartige Assoziationen sind in der europ&auml;ischen 
              und besonders in der deutschen Geschichte 
              so tief verwurzelt, dass man antisemitisch 
              sein kann ohne dabei Juden zu erw&auml;hnen. 
              Diese Art zu denken wurde in bestimmten 
              leninistischen Gruppen lebendig erhalten, 
              w&auml;hrend der 1960er und 1970er Jahre 
              auch im ganz rechten Fl&uuml;gel. Nun 
              entwickeln sich diese Gedanken mehr oder 
              weniger in Bewegungen der politischen 
              Mitte. Es ist immer die Frage, ob diese 
              Ressentiments, die ziemlich verbreitet 
              sind, als Tabu zu betrachten sind oder 
              ob die Regierung signalisiert, dass sie 
              &ouml;ffentlich ge&auml;u&szlig;ert werden 
              k&ouml;nnen. Bis 1989 waren Antisemitismus 
              und Antiamerikanismus ein Tabu in Deutschland. 
              Diese Ansichten fanden ihren Raum nur 
              auf dem linken und auf dem rechten Fl&uuml;gel. 
              In der politischen Mitte der Gesellschaft 
              waren sie zwischen den Zeilen der Nachrichten 
              und Ausdrucksweisen versteckt. Durch eine 
              neue internationale Konstellation gibt 
              es dieses Tabu nicht mehr, weshalb diese 
              Gedanken auch in der politischen Mitte 
              gefunden werden k&ouml;nnen.</p>
            <p>Also hat man mehr oder weniger den gleichen 
              Gedanken, der seit den 1920er Jahren existiert: 
              es gibt einen globalen Kampf, in dem die 
              &#130;guten&#145; V&ouml;lker, die die 
              Kolonisation bek&auml;mpfen, einer Verschw&ouml;rung 
              der Amerikagl&auml;ubigen, der Banken 
              und der Juden gegen&uuml;ber stehen, die 
              die Welt zwingen wollen, sich einem universellen 
              Kapitalismus anzupassen. Damals wurden 
              die Juden au&szlig;erdem beschuldigt, 
              die Lieferanten des globalen kommunistischen 
              Prinzips zu sein. Doch seit 1989 ist das 
              vergessen. Diese alten Gedanken wurden 
              jetzt durch die ethnischen Konflikte im 
              Balkan, durch die Konflikte im Nahen und 
              Mittleren Osten und ganz besonders durch 
              den 11. September wiederbelebt, als man 
              auf den Konflikt zwischen den Pal&auml;stinensern 
              und Israel und auf den Konflikt zwischen 
              dem Irak auf der einen Seite und Amerika 
              und Gro&szlig;britannien auf der anderen 
              Seite fokussiert war.&quot;</p>
            <p><i>Wenn man den unverhohlenen Antisemitismus 
              einmal beiseite l&auml;sst &#150; welches 
              ist f&uuml;r Sie, als Marxist, der prim&auml;re 
              Fehler dieser Ideologie, die die USA als 
              Lieferanten des globalen Kapitalismus 
              angreift?</i></p>
            <p>&quot;In dem Moment, in dem diese Antiglobalisierungsideologie 
              Hamas, Saddam Hussein, Osama bin Laden, 
              nationalistische Bewegungen auf dem Balkan, 
              die Zapatisten in Mexiko und die rechten 
              Neonazis, die sehr aktiv in Antiglobalisierungsbewegungen 
              sind, zusammenbringt, bedeutet das, dass 
              nicht f&uuml;r eine universelle Freiheit, 
              f&uuml;r Befreiung und Emanzipation gek&auml;mpft 
              wird, sondern dass wieder antiuniversalistische, 
              antisemitische Stereotypen produziert 
              werden, die nur zu Barbarei f&uuml;hren. 
              Rosa Luxemburg sagte einmal, die Frage 
              sei: Sozialismus oder Barbarei? Diese 
              Frage ist immer noch berechtigt. Doch 
              ich denke, derzeit sollte der Kampf darin 
              bestehen, die westliche Welt gegen diejenigen 
              zu verteidigen, die ihre Nachfolger sein 
              wollen. Diese Menschen sind &#150;dialektisch 
              betrachtet- auch die Produkte der westlichen, 
              kapitalistischen Welt. Saddam Hussein 
              und Osama bin Laden entstammen der schlechten 
              amerikanischen und europ&auml;ischen Politik 
              im Mittleren Osten. Sie fielen nicht vom 
              Himmel.</p>
            <p>Trotzdem ist meine Meinung, dass man 
              derzeit den Westen -was in diesem Fall 
              Amerika, Gro&szlig;britannien und Israel 
              bedeutet- in seinem Kampf gegen seine 
              eigenen Gesch&ouml;pfe unterst&uuml;tzen 
              sollte. Dann kann man besser dar&uuml;ber 
              nachdenken, wie eine bessere Welt geschaffen 
              werden kann. Die Fragen, die die Antiglobalisierungsbewegung 
              stellt, sind sehr wichtig. Es sind Themen 
              wie Umwelt, Welthunger und die Bereicherung 
              einer kleinen Minderheit auf Kosten einer 
              gro&szlig;en Mehrheit, die &auml;rmer 
              wird. Doch solange die Ba&#146;ath-Partei 
              und Hamas mit in diesem Boot sind, wird 
              man &uuml;berhaupt nichts &auml;ndern. 
              Denn diese sind nicht die historischen 
              Bewegungen, die den Gedanken der Emanzipation 
              in sich tragen.</p>
            <p>Im Extremfall hat man eine Konstellation, 
              die an die 1930er Jahre erinnert. Auf 
              der einen Seite sind die Briten, die Amerikaner 
              und Israel. Die Juden sind immer im metaphysischen 
              Zentrum dieses Konfliktes. Diese Seite 
              k&auml;mpft f&uuml;r eine kapitalistische 
              westliche Ideologie. Daneben hat man diese 
              nationalsozialistischen Selbstbestimmungsgedanken, 
              die immer von den Deutschen getragen werden. 
              Im Jahr 1939 sagten die Deutschen, sie 
              k&auml;mpften gegen den universellen Kapitalismus 
              und f&uuml;r die Selbstbestimmung der 
              Dritten Welt. Sie hatten eine sehr antikolonialistische 
              Ausdrucksweise. Man kann die gleichen 
              Worte und die gleichen Ausdr&uuml;cke, 
              die heute benutzt werden, in den 1940er 
              Jahren finden, als die Deutschen die indischen 
              und arabischen Aufst&auml;nde gegen die 
              Briten unterst&uuml;tzt hatten. Selbst 
              Frankreich ist wieder in der gleichen 
              Position &#150; es unterst&uuml;tzt Gro&szlig;britannien 
              und die USA nur halbherzig.</p>
            <p>Vor zehn Jahren dachte jeder, Deutschland 
              sei ein enger Verb&uuml;ndeter der USA 
              und w&uuml;rde deren Politik unterst&uuml;tzen. 
              Doch dem ist nicht so. In diesem Konflikt 
              signalisiert Deutschland, dass es auf 
              der anderen Seite steht. &Uuml;berall 
              im Mittleren Osten, ob in der syrischen 
              Presse, in der Presse der Hisbollah oder 
              in der Presse in Bagdad, wird Deutschland 
              daf&uuml;r gepriesen, dass es die gleiche 
              Seite einnimmt wie vor gut 50 Jahren. 
              Die Menschen verstehen, was Deutschland 
              tut. Und ich denke, das ist &auml;u&szlig;erst 
              interessant &#150; und &auml;u&szlig;erst 
              erschreckend.&quot; </p>
            </div><!-- stopprint -->
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