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<title>Taktische Man&ouml;ver</title>
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  <tr> 
    <td valign="top" rowspan="2" width="120"> 
      <div align="center">
        <p><img src="../../img/blind.gif" width="130" height="8"><br>
          <a href="../../index.htm"><img src="../../img/logo-blau_32x100.gif" onFocus="if(this.blur)this.blur()" width="100" height="32" border="0"></a></p>
        <p>&nbsp;</p>
        <p><a href="#" onClick="history.back()"><img src="../../img/textback.gif" width="38" height="25" border="0" alt="zur&uuml;ck"></a></p>
      </div>
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    </td>
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    </td>
  </tr>
  <tr> 
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      <div class="text"> 

 
            <h2>Taktische Man&ouml;ver</h2>
            <h4>W&auml;hrend sich Milit&auml;rexperten 
              &uuml;ber die Wahrscheinlichkeit eines 
              US-Krieges
              gegen das irakische Regime streiten, werden 
              in Israel wieder Gasmasken verteilt.</h4>
            <p><b><i>von thomas von der osten-sacken</i></b></p>
            <p><b><br>
              </b><i>Kein Zeitplan</i><b>. Der Abzug 
              iraelischer Truppen wurde voerst ausgesetzt. 
              Israelische Milit&auml;rs bem&auml;ngeln, 
              die PNA unternehme keine Anstrengungen, 
              gewaltt&auml;tige Zwischenf&auml;lle in 
              Gaza zu unterbinden, die Pal&auml;stinenser 
              f&uuml;rchten eine Aush&ouml;hlung des 
              Abkommens.</b></p>
            <p>Wir stehen kurz vor einem Kriegsausbruch&laquo;, 
              f&uuml;rchtet ein Mann in Ramat Gan,
              einem Vorort Tel Avivs, der 1991 mehrmals 
              von irakischen Scud-Raketen getroffen
              wurde. Gemeinsam mit Hunderten steht er 
              Schlange, um in eigens eingerichteten
              Verteilungsstellen eine neue Gasmaske 
              in Empfang zu nehmen. Selbst in Jerusalem,
              das damals aus R&uuml;cksicht auf die 
              heiligen St&auml;tten des Islam verschont 
              wurde,
              w&auml;chst die Nachfrage nach den so 
              genannten ABC Weapon Protection Kits. 
              In
              einem Einkaufszentrum im S&uuml;den der 
              Stadt erkl&auml;ren Sicherheitsbeamte, 
              wie
              man sich vor Massenvernichtungswaffen 
              sch&uuml;tzen kann. </p>
            <p>In der Negev-W&uuml;ste f&uuml;hren derweil 
              israelische Truppen &ouml;ffentlichkeitswirksam
              Man&ouml;ver mit Patriot-Abwehrraketen 
              durch. Der fr&uuml;here israelische Verteidigungsminister
              Moshe Arens nimmt an, dass noch mindestens 
              einige Dutzend Scud- oder Al-Hussein-Raketen
              im Irak einsatzf&auml;hig und mit chemischen 
              Sprengk&ouml;pfen best&uuml;ckbar seien. 
              Israel
              hat zwischenzeitlich das &raquo;Arrow 
              Ballistic Missile Interceptor System&laquo; 
              entwickelt,
              mit dem, Arens zufolge, irakische Raketen 
              weit wirksamer als vor elf Jahren
              in der Luft abgefangen werden k&ouml;nnten. 
            </p>
            <p>Trotz aller offizieller Beruhigungen 
              wird in Israel, das gerade einige Wochen
              ohne Selbstmordattentate erlebt, vielen 
              immer bewusster, dass sie zu einem
              der Hauptziele des m&ouml;glichen Krieges 
              zu werden drohen. Dabei geht man davon
              aus, dass der Irak weiterhin &uuml;ber 
              vor allem mit deutscher Hilfe hergestelltes
              Giftgas verf&uuml;gt und dass Saddam Hussein 
              sein Gas so gegen das &raquo;zionistische
              Krebsgeschw&uuml;r&laquo; einsetzen w&uuml;rde 
              wie zuvor gegen iranische Soldaten und 
              die
              eigene kurdische Zivilbev&ouml;lkerung. 
            </p>
            <p>Im Falle eines Angriffes mit ABC-Waffen, 
              so erkl&auml;rte wiederholt die israelische
              Regierung, wird sie sich diesmal die Option 
              eines Gegenschlages, selbst
              mit Nuklearwaffen, offen halten. Auf Druck 
              der USA hatte Israel im Zweiten
              Golfkrieg nicht auf die irakische Aggression 
              reagiert. Diese Zur&uuml;ckhaltung
              ist bis heute ein Trauma vor allem in 
              der israelischen Rechten; man habe
              damals, so hei&szlig;t es, eine fatale 
              Schw&auml;che gegen&uuml;ber der arabischen 
              Welt
              demonstriert. </p>
            <p>Zugleich unterst&uuml;tzt die israelische 
              Regierung nachhaltig die Politik George
              W. Bushs. Ariel Sharons Sprecher Raanan 
              Gissi lie&szlig; verlauten, Israel l&auml;gen
              Informationen vor, dass der Irak fieberhaft 
              versuche, weitere Massenvernichtungswaffen
              herzustellen, es sei deshalb &raquo;kontraproduktiv, 
              den Sturz Saddam Husseins
              weiter hinauszuz&ouml;gern&laquo;. Au&szlig;enminister 
              Shimon Peres erkl&auml;rte CNN, sein Land
              - das offiziell nicht Mitglied der &raquo;Allianz 
              gegen den Terror&laquo; ist - stehe
              hinter den amerikanischen Angriffspl&auml;nen, 
              behalte sich aber eigene Ma&szlig;nahmen
              vor. In Israel gelten der Irak Saddam 
              Husseins sowie der Iran als die gr&ouml;&szlig;ten
              l&auml;ngerfristigen Bedrohungen in der 
              Region. </p>
            <p>Ze'ev Schiff warnte hingegen in der linksliberalen 
              Tageszeitung Ha'aretz
              davor, mit einem nuklearen Angriff auf 
              den Irak zu drohen. Es ginge nicht
              um die Zerst&ouml;rung eines feindlichen 
              Landes, sondern um den Sturz der dortigen
              Regierung und um die Neugestaltung der 
              Region: &raquo;Israels Interesse ist es,
              Saddam Hussein zu st&uuml;rzen und die 
              irakische Milit&auml;rmaschine auszuschalten,
              ohne dass die T&uuml;rkei wegen der 'kurdischen 
              Frage' in den Nordirak einr&uuml;ckt.
              Deshalb hat Israel kein Interesse an einer 
              Zerschlagung des Irak, wohl aber
              daran, dass das Land demokratischer wird 
              - soweit dies im Nahen Osten und
              in arabischen L&auml;ndern m&ouml;glich 
              ist - und die Minderheiten in der k&uuml;nftigen
              irakischen Regierung st&auml;rker repr&auml;sentiert 
              werden.&laquo; </p>
            <p>Sollte es Saddam Hussein im Kriegsfall 
              gelingen, mit einem Raketenangriff
              einen israelischen Gegenschlag zu provozieren, 
              w&uuml;rden die USA selbst die
              wenigen verbliebenen arabischen Alliierten 
              in der Region, etwa Kuwait und
              Bahrain, verlieren. Nichts f&uuml;rchten 
              die dortigen Regimes mehr als eine dann
              ausbrechende und f&uuml;r sie bedrohliche 
              Welle panarabischer Solidarit&auml;t mit
              der irakischen F&uuml;hrung. Oberste Priorit&auml;t 
              der USA - sollten sie wirklich
              Ernst machen - ist auch deshalb die fr&uuml;hzeitige 
              und m&ouml;glichst totale Ausschaltung
              der irakischen Luftwaffe und die Zerst&ouml;rung 
              aller verbliebenen mobilen Raketenabschussrampen.</p>
            <p>Schenkt man dem gew&ouml;hnlich gut informierten 
              Debka-Informationsdienst Glauben,
              haben die USA und die Royal Air Force 
              zusammen mit t&uuml;rkischen Truppen damit
              schon begonnen. Unter Berufung auf israelische 
              Armeekreise berichtete Debka,
              Anfang August sei das von China modernisierte 
              irakische Lutwaffenkontrollzentrum
              al-Nukhaib an der saudischen Grenze zerst&ouml;rt 
              worden, au&szlig;erdem h&auml;tten t&uuml;rkische
              Truppen mit Hilfe der US-Amerikaner den 
              im Nordirak liegenden Flugplatz
              Bamian eingenommen. Damit sei die irakische 
              Luftwaffe de facto ausgeschaltet.
              Angeblich halten sich US-amerikanische 
              Spezialisten seit April im kurdischen
              Nordirak auf, unter anderem um dort Flugpl&auml;tze 
              auszubauen. 
              Bislang gab es keine offizielle Best&auml;tigung 
              der Debka-Berichte. Vielmehr
              behauptet Stratfor, ein anderer strategischer 
              Think Tank in den USA, der
              Protest Europas und verschiedener arabischer 
              Staaten, aber auch die Kritik
              namhafter US-Politiker - etwa des ehemaligen 
              Sicherheitsberaters von George
              Bush senior, Brent Scowcroft, sowie der 
              ehemaligen Au&szlig;enminister James Baker
              und Lawrence Eagleburger - h&auml;tten 
              die Bush-Admistration mittlerweile von
              ihrem Kriegskurs abgebracht. </p>
            <p>Eine Erkl&auml;rung George W. Bushs am 
              vergangenen Mittwoch k&ouml;nnte in diese 
              Richtung
              weisen. Noch sei keine Entscheidung gefallen, 
              gab Bush bekannt, wie und
              mit welchen Mitteln man Saddam Hussein 
              zu st&uuml;rzen gedenke. F&uuml;r Yvonne 
              Ridley,
              Nahost-Korrespondentin des britischen 
              Globe, sind solche Stellungnahmen
              hingegen nur Bestandteile der psychologischen 
              Kriegf&uuml;hrung; auch Ridley
              glaubt - unter Berufung auf britische 
              und t&uuml;rkische Quellen -, dass der
              Krieg gegen den Irak bereits mit der Bombardierung 
              von al-Nukhaib begonnen
              hat. Auch deshalb bereite Israel sich 
              mit so hohem Tempo auf einen potenziellen
              irakischen Angriff vor. Ein k&uuml;rzlich 
              desertierter irakischer Offizier habe
              ihr sogar best&auml;tigt, dass t&uuml;rkische 
              und amerikanische Truppen selbst in
              den Teilen des Nordiraks operieren, die 
              nicht unter kurdischer Kontrolle
              stehen, wobei es zu Gefechten mit irakischen 
              Armeeeinheiten gekommen sein
              soll. </p>
            <p>Den Sturz Saddam Husseins aber versuchen 
              f&uuml;hrende pal&auml;stinensische Organisationen
              mit allen ihnen zur Verf&uuml;gung stehenden 
              Mitteln zu verhindern. Sie sind
              &uuml;berzeugt, dass einzig eine Intensivierung 
              der Intifada den &raquo;Imperialisten
              Bush&laquo; von einem Angriff auf den 
              Irak noch abzuhalten vermag. So stand 
              selbst
              der israelische Teilabzug aus dem Gaza-Streifen 
              und der Stadt Bethlehem,
              den der israelische Verteidigungsminister 
              Binyamin Ben-Eliezer mit Vertretern
              der Palestinian National Authority (PNA) 
              ausgehandelt hatte, im Zeichen
              des Irak-Konfliktes. Nicht nur die Hamas 
              und der Islamische Jihad lehnen
              das Gaza and Bethlehem-first-Abkommen 
              ab, sogar ein Sprecher der Fatah stellte
              sich gegen die PNA und erkl&auml;rte der 
              Jerusalem Post zufolge, der Abzug sei
              nur ein &raquo;weiterer amerikanisch-zionistischer 
              Plan, um das irakische Volk
              anzugreifen&laquo;. </p>
            <p>F&uuml;r viele Pal&auml;stinenser ist 
              Saddam Hussein weiterhin ein Held, der 
              einzige
              arabische F&uuml;hrer, der sich wirklich 
              f&uuml;r die Befreiung Pal&auml;stinas 
              vom &raquo;zionistischen
              Joch&laquo; einsetzt. Bereits 1991 begr&uuml;&szlig;ten 
              Bewohner der Westbank jede Scud-Rakete
              mit Jubel, w&auml;hrend Arafat sich de 
              facto mit dem irakischen Regime verb&uuml;ndete.
              Heute h&auml;lt sich die PNA mit proirakischen 
              &Auml;u&szlig;erungen offiziell zur&uuml;ck 
              und
              setzt stattdessen auf den sich derzeit 
              abzeichnenden Normalisierungsprozess
              mit Israel. Sicherheitsgespr&auml;che 
              zwischen Israelis und Pal&auml;stinensern 
              verliefen,
              erkl&auml;rten beide Seiten, in einer 
              positiven Atmosph&auml;re. Momentan wird 
              ein
              m&ouml;glicher R&uuml;ckzug der IDF aus 
              Hebron diskutiert. Den Pal&auml;stinensern 
              scheint
              dabei bewusst zu sein, dass ein weiteres 
              Selbstmordattentat in Israel, aber
              auch eine zu offen propagierte Unterst&uuml;tzung 
              des irakischen Regimes wohl
              sofort zu einem Ende der sich anbahnenden 
              Entspannung f&uuml;hren w&uuml;rde. </p>
            <p><i>jungle world 36/ 28.08.2002</i></p>
            </div><!-- stopprint -->
        <div class="foot">
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      </td>
  </tr>
  <tr> 
    <td colspan="3" height="32"></td>
  </tr>
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