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<title>Richtung Autonomie</title>
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      <div align="center">
        <p><img src="../../img/blind.gif" width="130" height="8"><br>
          <a href="../../index.htm"><img src="../../img/logo-blau_32x100.gif" onFocus="if(this.blur)this.blur()" width="100" height="32" border="0"></a></p>
        <p>&nbsp;</p>
        <p><a href="#" onClick="history.back()"><img src="../../img/textback.gif" width="38" height="25" border="0" alt="zur&uuml;ck"></a></p>
      </div>
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      <div class="text"> 

 
            <h4>Regionalparlament in Nordirak</h4>
            <h2>Richtung Autonomie</h2>
            <p><b>von thomas v. der osten-sacken</b></p>
            <p>Als 1994 irakische Truppen in Arbil, 
              der Hauptstadt der autonomen Selbstverwaltungsgebiete 
              im Nordirak einmarschierten, glaubte niemand 
              mehr an die Zukunft Irakisch-Kurdistans 
              und schon gar nicht daran, dass eines 
              Tages wieder das kurdische Regionalparlament 
              zusammentreten w&uuml;rde. Zu sehr schien 
              damals der von allen Nachbarstaaten unterst&uuml;tzte 
              Krieg zwischen der Demokratischen Partei 
              Kurdistans (KDP) und der Patriotischen 
              Union (PUK) die Region zerr&uuml;ttet 
              zu haben. Entgegen allen Erwartungen aber 
              &uuml;berstand Irakisch-Kurdistan als 
              von der irakischen Zentralregierung de 
              facto unabh&auml;ngige Entit&auml;t weitere 
              sechs Jahre, und nun scheint der Sturz 
              Saddam Husseins wahrscheinlicher als das 
              Ende der kurdischen Autonomie. </p>
            <p>W&auml;hrend die USA ihren Ton gegen&uuml;ber 
              der irakischen Regierung weiter versch&auml;rfen, 
              fand am Freitag erstmals seit acht Jahren 
              wieder eine Sitzung der Nationalversammlung 
              statt, bei der alle 100 Parlamentarier 
              und beide Parteivorsitzenden anwesend 
              waren. Sie stellt nicht nur einen vorl&auml;ufigen 
              H&ouml;hepunkt des seit 1998 von den USA 
              gef&ouml;rderten Friedensprozesses zwischen 
              beiden gro&szlig;en Parteien dar, sondern 
              ist auch Ausdruck des enormen &auml;u&szlig;eren 
              Druckes, dem die Kurden vor dem Krieg 
              gegen Saddam Hussein ausgesetzt sind. 
              W&auml;hrend die T&uuml;rkei immer offener 
              mit einem Einmarsch im Nordirak droht, 
              sollten die Kurden ihre Unabh&auml;ngigkeit 
              erkl&auml;ren, misstraut man in Irakisch-Kurdistan 
              weiterhin den Verlautbarungen der USA. 
              Au&szlig;enminister Colin Powell lie&szlig; 
              zur Parlamentser&ouml;ffnung eine Gru&szlig;adresse 
              verlesen, in der er erneut erkl&auml;rte, 
              Amerika k&auml;mpfe f&uuml;r einen demokratischen, 
              geeinten und pluralistischen Irak mit 
              starker kurdischer Autonomie. Aber zu 
              oft schon haben die USA die Kurden als 
              strategische B&uuml;ndnispartner benutzt, 
              um sie dann fallen zu lassen. </p>
            <p>In Irakisch-Kurdistan f&uuml;rchtet man 
              aber nicht nur, dass die USA lediglich 
              einen anderen Diktator in Bagdad installieren 
              wollen, sondern auch, dass, sollte der 
              Krieg nur halbherzig gef&uuml;hrt werden, 
              Iraks Truppen erneut im Nordirak einmarschieren 
              und dort ein weiteres Massaker ver&uuml;ben 
              k&ouml;nnten. Anders als Israel, wo man 
              sich ebenfalls auf irakische Anschl&auml;ge 
              mit Massenvernichtungswaffen vorbereitet, 
              k&ouml;nnen sich die Kurden gegen solche 
              Angriffe nicht einmal minimal sch&uuml;tzen. 
              Es bliebe ihnen erneut nur die Flucht 
              in den Iran oder die T&uuml;rkei, weshalb 
              letztere schon jetzt Auffanglager an der 
              Grenze zu bauen beginnt. </p>
            <p>Sowohl Massoud Barzani wie Jalal Talabani 
              haben in ihren Reden vor dem Parlament 
              unterstrichen, dass sie keineswegs einen 
              eigenen kurdischen Staat anstreben. Gemeinsam 
              mit Arabern, Assyrern und Turkmenen wolle 
              man endlich in einem freien und demokratischen 
              Irak leben, erkl&auml;rte Barzani. Von 
              den Kurden gehe keinerlei Gefahr f&uuml;r 
              die Nachbarstaaten aus, im Gegenteil strebe 
              man enge und freundschaftliche Beziehungen 
              an. </p>
            <p>F&uuml;r die USA stellen die Kurden einen 
              wichtigen Faktor in ihren Kriegsplanungen 
              dar, denn in Washington wei&szlig; man, 
              dass der Hass auf das gegenw&auml;rtige 
              irakische Regime im Nordirak ebenso gro&szlig; 
              ist wie im schiitischen S&uuml;den. Seit 
              einigen Monaten bem&uuml;hen sich auch 
              die kurdischen Parteien um eine engere 
              Kooperation vor allem mit dem Supreme 
              Council of the Islamic Resistance in Iraq 
              (SCIRI), aber auch mit den anderen Oppositionsparteien. 
              Offenbar ist man sich im Nordirak dessen 
              bewusst geworden, dass ein effektiver 
              Schutz vor der Zentralmacht in Bagdad 
              weniger durch eine Separation erreichbar 
              ist als durch eine starke Pr&auml;senz 
              in einer neuen Regierung. </p>
            <p> </p>
            <p><i>In jungle world 42/ 2002 v. 9. 10. 
              02</i></p>
            <p></p>
            </div><!-- stopprint -->
        <div class="foot">
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