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<title>WADI Analysen - Passt!</title>
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        <p>&nbsp;</p>
        <p><a href="#" onClick="history.back()"><img src="../../img/textback.gif" width="38" height="25" border="0" alt="zur&uuml;ck"></a></p>
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      <div class="text"> 
        <h2> <br>
          Passt!</h2>
        <h4>Der &auml;gyptische Kulturminister Farouk Hosni ist die Idealbesetzung f&uuml;r den Unesco-Vorsitz</h4>
        <p>von Thomas Uwer </p>
		<table width="150" align="right" height="56" class="noprint">
<tr> 
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<div align="right"> <a href="http://www.konkret-verlage.de/kvv/kvv.php" target="_blank"><img src="../../img/logos/konkret.gif" width="140" height="46" alt="http://www.konkret-verlage.de/" border="0"></a></div>
</td>
</tr>
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		<p>Stellen Sie sich vor, ein Israeli w&uuml;rde Generalsekret&auml;r der Vereinten Nationen &hellip; Das geht nicht? Richtig. Damit l&auml;&szlig;t sich bestenfalls ein schaler Witz einleiten. Ein Jude kann ja auch nicht Papst werden und ein Vegetarier nicht Vorsitzender der Metzgerinnung. Wollte man einen Israeli zum Generalsekret&auml;r machen, man m&uuml;&szlig;te die UN erst auf den Kopf stellen und so lange sch&uuml;tteln, bis alle Israel- und Judenhasser rausgepurzelt sind. Nur reichte, was dann an Botschaftern und Sekret&auml;ren noch &uuml;brig bliebe, wohl nicht einmal f&uuml;r eine kleine Schlange vor dem Kaffeeautomaten, von &raquo;Ausschuss&laquo; oder &raquo;Vollversammlung&laquo; ganz zu schweigen.</p>
		<p>Bewirbt sich also einer um ein Amt bei den UN, so ist er gut beraten, den Verdacht gar nicht erst aufkeimen zu lassen, mit ihm k&ouml;nne es soweit kommen. Farouk Hosni ist genau so ein Kandidat und wer sich ernsthaft dar&uuml;ber wundert, da&szlig; jemand, der israelische B&uuml;cher verbrennen will und Roger Garaudy nach &Auml;gypten einl&auml;dt, damit er dort endlich auch straffrei erkl&auml;ren kann, Auschwitz sei so schlimm nicht gewesen, Generalsekret&auml;r der UNESCO werden soll, also jener Unterorganisation der Vereinten Nationen, die sich um Bildung, Kultur und Wissenschaft k&uuml;mmert, der kennt nicht die UN und auch nicht ihre UNESCO.</p>
		<p>Denn so &auml;hnlich sind sich der Minister aus &Auml;gypten und der Kulturverein aus Genf, da&szlig; seine Wahl zum Generalsekret&auml;r im eigentlichen Sinne eine Berufung w&auml;re. Seit 21 Jahren ist Hosni Bildungsminister in einem Land, dem in Sachen Korruption und Vetternwirtschaft niemand so schnell etwas vormacht, in dem unbotm&auml;&szlig;ige Internet-Blogger und Journalisten verhaftet (und gerne auch gefoltert) werden, Frauen in Folge mangelnder Bildung, Armut und einem weitverbreiteten Aberglauben unter einer regelrechten Geschlechterapartheid leben und dessen Bev&ouml;lkerung insgesamt zu einem guten Drittel weder Lesen noch Schreiben kann. Noch besser k&ouml;nnte eine Bewerbung kaum aussehen.</p>
		<p>Daf&uuml;r, da&szlig; der Bewerber auch erfolgreich sein wird, sorgt die bei den UN-Organisationen von anderen so gerne abverlangte &raquo;Transparenz&laquo; und &raquo;In-House-Democracy&laquo;, in diesem Falle in Form informeller Absprachen, die dem arabischen Block das Recht einr&auml;umen, denjenigen Kandidaten zu nominieren, den die &uuml;brigen dann auch w&auml;hlen werden. Wer dies wei&szlig;, wird auch die Sorgen arabischer Botschafter verstehen. Wen sollte man schon nominieren? Einen saudischen Prinzen etwa, der die alte Kulturtechnik der Enthauptung mit dem Schwert in seinem Land bewahrt hat? Einen sudanesischen General? Einen syrischen Staatsdichter? Es scheint, als sei der &auml;gyptische Funktion&auml;r doch in jeder Hinsicht die beste Wahl.</p>
		<p>Zum einen sind ihm die vor einigen Jahren mit gro&szlig;er politischer und medialer Begleitung ausgerufenen &raquo;Milleniumsziele&laquo; der UNESCO durchaus vertraut. Immerhin hat sich seine Regierung mit allem, was dort gefordert wird &ndash; ein allgemeiner Zugang zu Schulen, die Aufhebung der Geschlechterdiskriminierung, die Umkehrung des Trends zum Verlust nat&uuml;rlicher Ressourcen &ndash; befasst und konsequent das Gegenteil bewirkt. Zweitens handelt es sich bei ihm, wie der Deutschlandfunk so sch&ouml;n formulierte, um jemanden, &raquo;der eine Aversion, sogar Feindschaft gegen Israel hegt &hellip;, doch anti-israelisch ist nicht automatisch antisemitisch&laquo;. Anders formuliert: Nicht gegen alle Juden hegt er einen Hass, nur gegen die lebenden. Mit &raquo;j&uuml;discher Kultur&laquo; hingegen k&ouml;nnen er und auch die UNESCO durchaus leben, vorausgesetzt es handelt sich dabei ausschlie&szlig;lich um Uri Avnery oder Exponate der Altertumsforschung. Da&szlig; diese wiederum vor den lebenden Juden bewahrt werden m&uuml;ssen, erkannte man bei der UNESCO bereits vor mehr als drei Jahrzehnten und schlo&szlig; Israel 1974 aus der entsprechenden regionalen Arbeitsgruppe aus. Israel habe, hie&szlig; es zur Begr&uuml;ndung, durch seine arch&auml;ologischen Grabungen und Sicherungen das &raquo;historische Gesicht Jerusalems&laquo; ver&auml;ndert und betreibe &raquo;Hirnw&auml;sche&laquo; mit den Arabern in den besetzten Gebieten. Und letztlich passt Hosni auch deshalb so gut zur UNESCO, weil er f&uuml;r jene arabisch-nationalistische Moderne steht, die nicht nur dem heutigen Djihadismus vorausging, sondern stilpr&auml;gend auch die Strukturen der Vereinten Nationen mitgestaltet hat.</p>
		<p>In der Praxis sehen diese Strukturen so aus: Von dem nicht eben geringf&uuml;gigen Haushalt der Organisation von 544 Millionen US-Dollar in den Jahren 2000 und 2001 flossen nur etwa 30 Prozent in Bildung, dem eigentlichen Aufgabenbereich der UNESCO. Alleine die Weltbank hat im selben Zeitraum mehr als 15-mal so viel in Bildungsprogramme investiert. Wohin die &uuml;brigen Gelder flie&szlig;en legte eine Untersuchung Ende 1998 nahe, die der UNESCO eine &raquo;praktisch endemische Korruption&laquo; attestierte. Unter anderem seien 40 % der Mitarbeiter nach den von der UNESCO selbst festgelegten Kriterien g&auml;nzlich &raquo;ungeeignet&laquo; und nur dank pers&ouml;nlicher Beziehungen in Amt und W&uuml;rden gelangt. &Uuml;berhaupt seien bei einem gro&szlig;en Teil der gef&ouml;rderten Programme keinerlei Ziele erkennbar. Daf&uuml;r wurden aber etwa 2.000 sogenannte Berater bezahlt, die in keinem Rechenschaftsbericht auftauchten, was wiederum nicht verwundert, stellte sich doch zugleich heraus, da&szlig; keiner der Mitarbeiter der internen Rechnungspr&uuml;fung &uuml;ber eine entsprechende buchhalterische Qualifikation verf&uuml;gte. </p>
		<p>Das erinnert nicht ganz zuf&auml;llig an die Bakschisch-Wirtschaft einer syrischen Zollbeh&ouml;rde. Die Vereinten Nationen haben sich sp&auml;testens seit den 1960er Jahren zu einer Parallelwelt entwickelt, in der ganz parit&auml;tisch vor allem solche Regierungen das Sagen haben, die in der realen Welt meist nicht zu Unrecht unerh&ouml;rt bleiben. In der Vollversammlung, in der jeder Mitgliedsstaat unabh&auml;ngig von seiner Gr&ouml;&szlig;e oder politischen Bedeutung &uuml;ber eine Stimme verf&uuml;gt, r&auml;chen sich die marginalisierten Staaten mit strammen Resolutionen an den Superm&auml;chten und vor allem den USA f&uuml;r ihre politische Bedeutungslosigkeit. Umgekehrt widmet die amerikanische Au&szlig;enpolitik dem Gremium traditionell wenig Aufmerksamkeit. Eine der Folgen ist, dass der post- und anti-koloniale Block arabischer und afrikanischer Regimes seit den 1970er Jahren eine beeindruckende Reihe von Resolutionen gegen Israel und die USA verabschiedet hat. Eine andere ist, dass die USA in den Organisationen der UN deutlich unterrepr&auml;sentiert sind, w&auml;hrend israelischen Mitarbeitern der Zugang zu leitenden Gremien praktisch vollst&auml;ndig versperrt ist. Deshalb befassen sich so viele Aussch&uuml;sse, Kommissionen und Organisationen mit den Sorgen der Pal&auml;stinenser, angefangen bei der in Gaza ans&auml;ssigen notorischen UNRWA (United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East), die seit 1949 dar&uuml;ber wacht, da&szlig; vor einem halben Jahrhundert geflohene Pal&auml;stinenser weiter Fl&uuml;chtlinge bleiben, um ihr &raquo;R&uuml;ckkehrrecht&laquo; nach Israel nicht zu verlieren, &uuml;ber das 1975 gegr&uuml;ndete &raquo;Komitee zur Durchsetzung der unver&auml;u&szlig;erlichen Rechte der Pal&auml;stinenser&laquo;, dessen Name nicht umsonst so klingt, als sei er in einem PLO-Ausbildungslager in der Beka&rsquo;-Ebene ausgeheckt, bis zum UN-Menschenrechtsrat, der sich seit seiner Gr&uuml;ndung 2006 fast ausschlie&szlig;lich mit Israel befa&szlig;t.</p>
		<p>Zugleich gilt, da&szlig;, wer im realen Leben auf die Vereinten Nationen vertraut, bereits verloren hat. Kein Konflikt, den die UN gel&ouml;st, keine Krise, die sie verhindert h&auml;tten. Noch die solidarischste Gesellschaft korrumpiert, wenn UN-Hilfswerke auftauchen. Die UN sind ein aufgebl&auml;hter, weder Transparenz- noch Effizienzerw&auml;gungen zug&auml;nglicher und von der Au&szlig;enwelt hermetisch abgeschirmter Apparat, weder f&auml;hig, die Realit&auml;t au&szlig;erhalb der eigenen Organisation zu erkennen, noch politische Strategien zu entwickeln, die &uuml;ber den schieren Selbsterhaltungstrieb der im Wesentlichen um die Sicherung ihrer Renten bem&uuml;hten Mitarbeiter hinausgehen. Zu diesen Vereinten Nationen wiederum pa&szlig;t der &Auml;gypter Farouk Hosni so gut, da&szlig; man meinen k&ouml;nnte, sie seien f&uuml;r ihn gemacht worden. Und in gewisser Weise ist das ja auch so.</p>
		<p><em>Artikel erschienen in <a href="http://www.konkret-verlage.de/kvv/in.php?text=&jahr=2009&mon=07" target="_blank">Konkret 07/2009</a> </em></p>
        <p></p>
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