<html>
<head>
<title>Der Offensive der &quot;Religi&ouml;sen&quot; begegnen</title>
<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=iso-8859-1">
<meta name="description" content="">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="display.css">
<link rel="stylesheet" href="../../formate/text-NN.css" media="screen">
<link rel="stylesheet" href="../../formate/text.css" media="all">

<style type="text/css">
<!--
#Marke {position: absolute; visibility: hide;}
div.center { text-align:center; }
div.center table { margin-left:auto; margin-right:auto; }
-->
</style>

<script LANGUAGE="JavaScript" TYPE="text/javascript">
<!--

function init(){}
function positionierung(){}

//-->
</script>
<script src="../../scripte/pfeilup.js" TYPE="text/javascript"></script>
</head>

<body bgcolor="#FFFFFF" text="#000000" background="../../img/hg-raster-pix.gif" onLoad="init()" onResize="positionierung()" onScroll="positionierung()">
<SCRIPT LANGUAGE="JavaScript" src="../../scripte/monitor/1024_start.js"></script>
<div ID="Marke">
</div>
<table width="780" border="0" cellspacing="0" cellpadding="0">
  <tr> 
    <td valign="top" rowspan="2" width="120"> 
      <div align="center">
        <p><img src="../../img/blind.gif" width="130" height="8">
          <a href="../../index.htm"><img src="../../img/logo-blau_32x100.gif" onFocus="if(this.blur)this.blur()" width="100" height="32" border="0"></a></p>
        <p>&nbsp;</p>
        <p><a href="#" onClick="history.back()"><img src="../../img/textback.gif" width="38" height="25" border="0" alt="zur&uuml;ck"></a></p>
      </div>
    </td>
    <td height="40" valign="top" width="540"> 
      <SCRIPT LANGUAGE="JavaScript" src="../../scripte/inserts/likolumn.js"></script> 
    </td>
    <td rowspan="2" width="120" valign="top"> 
      <div class="druckvers"><a href="../../scripte/print.php">Druckversion</a></div> 
    </td>
  </tr>
  <tr> 
    <td bgcolor="#FFFFFF"> 
      <!-- startprint -->
        
      <div class="text"> 
        <h2> <br>
          Der Offensive der &quot;Religi&ouml;sen&quot; begegnen</h2>
        <p>von Thomas Schmidinger </p>
        <p>Was tun nach dem Krieg? Die irakische KP hat sich f&uuml;r die Mitarbeit am Aufbau demokratischer Strukturen unter den gegebenen Bedingungen der Besatzung und des anhaltenden Terrorszur Zusammenarbeit mit den laizistischen Kr&auml;ften entschieden. Ein Gespr&auml;ch mit dem irakischen Kommunisten Mufid al-Jazairi. Mufid al-Jazairi arbeitete bis zu seiner R&uuml;ckkehr in das kurdische Autonomiegebiet 1993 als Journalist f&uuml;r al-Hayat und andere arabische Zeitungen in Europa. 1993 wurde er Mitglied des Zentralkomitees der Irakischen Kommunistischen Partei und Chefredakteur des Zentralorgans der Partei &bdquo;tariq al-shaab&ldquo; (&bdquo;Weg des Volkes&ldquo;). Der Kulturminister der ersten irakischen &Uuml;bergangsregierung ist heute einer von zwei Abgeordneten der KP und Vorsitzender der Kulturkommission des irakischen Parlaments. </p>
        <p><em>Wie zufrieden sind sie mit der neuen irakischen Verfassung?</em></p>
        <p>Wir sind nicht sehr zufrieden mit der Verfassung und haben das auch offen erkl&auml;rt. Wir hatten jedoch folgendes Problem: Entweder wir stimmen diesem Text zu und arbeiten daran den Mechanismus zur Ver&auml;nderung der Verfassung &ndash; der selbst wiederum Teil der Verfassung ist &ndash; zu verwenden um Verbesserungen herbeizuf&uuml;hren oder wir lehnen die Verfassung ab und verursachen damit vielleicht eine weitere Verz&ouml;gerung einer Normalisierung des Lebens im Irak.<br>
          Die Bev&ouml;lkerung will vor allem ein Ende des Terrors, ein normales Leben und einen Wiederaufbau des Landes, der durch eine Ablehnung der Verfassung weiter verz&ouml;gert worden w&auml;re. Wir wollen einen modernen demokratischen und s&auml;kularen Staat. Das konnten wir diesmal noch nicht erreichen, denn diese Verfassung spiegelt nicht zuletzt die Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse wieder, wie sie seit den Wahlen vom J&auml;nner im irakischen Parlament zu finden sind. Die Verfassung bietet uns aber ein Instrumentarium f&uuml;r sp&auml;tere Verbesserungen in Bezug auf Frauen- und Menschenrechte, die Trennung von Religion und Staat, und so weiter. Insbesondere die Beschr&auml;nkung der vollen Gleichstellung von M&auml;nnern und Frauen durch die Sharia, wollen wir rasch beenden. Wir sind uns sicher, dass die Dominanz der islamistischen Parteien im n&auml;chsten Parlament nicht mehr so deutlich sein wird, wie im derzeit amtierenden &Uuml;bergangsparlament. Der Einfluss dieser Parteien wird zwar sicher weiter vorhanden sein, aber jetzt konnten sie einfach entscheiden, da sie die Mehrheit hatten. Wir sind uns sicher, dass zuk&uuml;nftige Parlamente anders aussehen werden. In einem komplizierten Land wie dem Irak w&auml;re es illusorisch zu glauben, dass wir diese Probleme von heute auf morgen &auml;ndern k&ouml;nnen. F&uuml;r diese Ver&auml;nderungen brauchen wir Geduld.</p>
        <p><em>In der Volksabstimmung habt ihr dazu aufgerufen f&uuml;r die Verfassung zu stimmen.</em></p>
        <p>Ja, wir hatten uns also trotz unserer Bedenken entschieden, die Verfassung zu unterst&uuml;tzen. Sie d&uuml;rfen auch nicht vergessen, dass die Verfassung trotz ihrer reaktion&auml;ren Elemente auch eine Reihe fortschrittlicher Artikel besitzt, wie sie keine Verfassung unserer Nachbarstaaten beinhaltet. Diese werden wir weiterentwickeln.<br>
          Was wir nun brauchen ist ein wirklich legitimes Parlament und eine wirklich legitime Regierung, die &uuml;ber eine l&auml;ngere Zeit das Land regieren kann. Wenn sich damit die Situation stabilisiert, die Sicherheit im Lande garantiert wird und der wirtschaftliche Wiederaufbau beginnt, dann k&ouml;nnen auch die Verfassungsfragen neu diskutiert werden.<br>
          Zurzeit ist die Arbeitslosigkeit um Irak derma&szlig;en hoch, dass viele kaum die M&ouml;glichkeit haben ihr t&auml;gliches Brot zu bekommen. Diese armen Leute sind dann nat&uuml;rlich auch ein gutes Reservoir f&uuml;r die Terroristen. Wenn jemand nicht einmal das n&ouml;tigste zum Leben hat, ist er leichter bereit f&uuml;r 100 Dollar einen Anschlag durchzuf&uuml;hren. Diese ganzen Terrorakte sind ja mittlerweile zu bezahlten Dienstleistungen geworden.</p>
        <p><em>Angesichts dieser Entwicklung zweifeln selbst Leute wie der damalige US-Au&szlig;enminister Powell an der Sinnhaftigkeit des Irak-Krieges von 2003. Wie sieht ihre Zwischenbilanz zweieinhalb Jahre nach dem Sturz des Baath-Regimes durch die Truppen der Vereinigten Staaten aus? </em></p>
        <p>Wir als irakische Kommunisten waren ja gegen den Krieg, da wir von Anfang an dachten, dass die Art wie Saddam Hussein gest&uuml;rzt werden w&uuml;rde, Einfluss auf die folgenden Ereignisse haben w&uuml;rde. Nat&uuml;rlich begr&uuml;&szlig;ten wir den Sturz Saddam Husseins, h&auml;tten uns aber gew&uuml;nscht, wenn dies von den Irakis selbst erreich werden h&auml;tte k&ouml;nnen. Leider hat uns nun die derzeitige Situation im Irak in der negativen Einsch&auml;tzung dieses Krieges Recht gegeben. Die irakische Bev&ouml;lkerung w&uuml;nscht sich nichts mehr als ein Ende des Terrors, ein Ende von Krieg und Gewalt und ein ganz normales Leben. Daran hindert uns jedoch nicht nur die Besetzung des Landes durch fremde Truppen, sondern auch der allt&auml;gliche Terror von &Uuml;berbleibseln des alten Regimes und Gruppen mit Verbindungen zu al-Qaida. Bei einem &uuml;bereilten R&uuml;ckzug der Besatzungstruppen w&uuml;rde die Situation zurzeit nur noch schlimmer werden. Die irakische Bev&ouml;lkerung f&uuml;rchtet sich vor Saddam Hussein, seinen Anh&auml;ngern und den islamistischen Terroristen immer noch mehr als vor den Amerikanern. Die einfache Bev&ouml;lkerung f&uuml;rchtet sich im Irak immer noch von einer R&uuml;ckkehr Saddam Husseins. Er ist zwar im Gef&auml;ngnis, aber er lebt noch, seine Leute haben noch Waffen, Geld und Know-how und Verbindungen zu al-Qaida. Nachdem was sie die letzten 30 Jahre erlebt haben, werden sich die meisten Irakis vor Saddam Hussein f&uuml;rchten so lange er lebt.</p>
        <p><em>Jetzt wird ihm jedoch der Prozess gemacht. Erhoffen sie am Ende des Prozesses die Todesstrafe?</em></p>
        <p>Ich bin aus grunds&auml;tzlichen &Uuml;berlegungen gegen die Todesstrafe, werde mich aber auch nicht ausgerechnet besonders f&uuml;r Saddam Hussein einsetzen. Welche Strafe ihn erwarten wird, werden die Gerichte nach einem rechtsstaatlich hoffentlich einwandfreien Verfahren entscheiden. Das Verfahren selbst ist vor allem zur Wahrheitsfindung &uuml;ber die Verbrechen des Regimes wichtig, nicht zur Rache an Saddam Hussein.</p>
        <p><em>Bei den letzten Wahlen konnte die Kommunistische Partei des Irak unter dem Namen &bdquo;Volksunion&ldquo; nur zwei Mandate erringen. Die Kurdische KP bekam zus&auml;tzlich drei Mandate im Rahmen der Kurdistan-Liste. In welcher Form werden die beiden Schwesterparteien zu den n&auml;chsten Wahlen im Dezember antreten?</em></p>
        <p>Wir haben uns diesmal nicht als Volksunion f&uuml;r die Wahlen registrieren lassen, sondern kandidieren gemeinsam mit anderen s&auml;kularen und gem&auml;&szlig;igt religi&ouml;sen Kr&auml;ften in einem Block mit dem ehemaligen Ministerpr&auml;sidenten Iyad Allawi, dem Parlamentspr&auml;sidenten al-Hassani, der Partei des sunnitischen Vizepr&auml;sidenten Yawar und verschiedenen anderen liberalen, demokratische, nationalistischen und gem&auml;&szlig;igt religi&ouml;sen Kr&auml;ften. Dabei sind etwa auch die Nationaldemokratischen Partei, die &bdquo;Unabh&auml;ngigen Demokraten&ldquo; Pachachis, die arabischen Nationalisten von der Arabischen Sozialistischen Bewegung und der Partei der Einheit und die gem&auml;&szlig;igten Islamisten von der Bewegung der islamischen Verk&uuml;ndigung, der Organisation demokratischer Islamisten, der bekannte fortschrittlicher Kleriker Iyad Jamal ed-Din und einige christliche Gruppen.</p>
        <p><em>Kurdische Gruppen fehlen in dieser Allianz?</em></p>
        <p>Sie wissen ja, dass die kurdischen Parteien alle in einer gemeinsamen Kurdistan-Allianz kandidieren wollen. Au&szlig;er der Islamischen Union Kurdistans kandidiert die Kurdistan-Allianz wieder in derselben Konstellation wie letztes Mal. </p>
        <p><em>Leistet ihr mit dieser Trennung in ethnisch dominierte Wahlbl&ouml;cke nicht der Ethnisierung des Landes Vorschub? Wenn sogar schon die Kommunistische Partei, die immer die einzige nichtethnische Partei des Landes war, in ethnisch getrennten Wahlbl&ouml;cken kandidiert, dann ist das doch ein Alarmsignal.</em></p>
        <p>Wir waren immer stolz darauf die einzige wirklich gesamtirakische Partei zu sein. Aber es gibt nun einmal eine Realit&auml;t. Wir h&auml;tten gerne alle kurdischen Parteien, die wir als unsere logischen Verb&uuml;ndeten im Kampf um einen s&auml;kularen zivilen Staat sehen, in eine gemeinsame Allianz eingebunden.<br>
          Wir k&ouml;nnen nichts daran &auml;ndern, dass diese kurdischen Parteien einfach mit einem eigenen Block antreten wollen. Wir k&ouml;nnen sie nicht zwingen mit uns zu kandidieren.<br>
          Aufgrund des irakischen Wahlrechtes h&auml;tten wir aber keine Chance wenn wir die Realit&auml;ten nicht anerkennen w&uuml;rden. Wir haben uns deshalb mit unserer kurdischen Schwesterpartei geeinigt, dass sie in der Kurdistan-Allianz kandidieren soll und wir eben in einem anderen Rahmen. Die Entscheidung f&uuml;r diese breite neue Allianz basiert auf der Einsch&auml;tzung, dass eine solche Allianz der einzige Weg ist, der Offensive der religi&ouml;sen Parteien zu begegnen.</p>
        <p><br>
          <em>erschienen in <a href="http://www.vorwaerts.ch" target="_wadiout">Vorw&auml;rts</a> Nr. 46, 18. November 2005 </em></p>
        <p></p>
      </div>
      <!-- stopprint -->
      <div class="foot">
        <hr size="1">
        WADI e.V. | tel.: (+49) 069-57002440 | fax (+49) 069-57002444 <br>
        <a href="http://www.wadinet.de">http://www.wadinet.de</a> | e-mail: <SCRIPT LANGUAGE="JavaScript" src="../../scripte/inserts/atinfo.js"></script></div></td>
  </tr>
  <tr> 
    <td colspan="3" height="32"></td>
  </tr>
</table>
<SCRIPT LANGUAGE="JavaScript" src="../scripte/monitor/1024_end.js"></script>
</body>
</html>

