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<title>WADI Analysen - Die Lehre vom Nichtstun</title>
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        <p>&nbsp;</p>
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        <h2> <br>
          Die Lehre vom Nichtstun</h2>
        <h4>In der deutschen Politik sind gerade so viele mahnende Worte zu den Vorg&auml;ngen im Iran zu h&ouml;ren, wie ein neuer &raquo;Dialog&laquo; mit dem Regime vertragen d&uuml;rfte.</h4>
        <p>von Thomas Uwer</p>
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		<p>Der sicherste Weg zu bekommen, was man m&ouml;chte, ist, so zu tun, als wollte man es nicht haben. Wenn man also hungrig an der Imbissbude steht und der Wirt sagt: &raquo;Ich wette, Sie wollen &rsquo;ne Wurst!&laquo; Dann antwortet man am besten: &raquo;Falsch geraten! Ich will gar nichts.&laquo;</p>
		<p>Das ist nicht normal? Doch, das ist es. Was man im wirklichen Leben mit guter Berechtigung als verr&uuml;ckt abt&auml;te, wird zum Common Sense, wenn sich zur Tagesschau Deutschlands kleine Diplomaten vor den Fernsehschirmen versammeln. Dort wird Abend f&uuml;r Abend die heilige Lehre von der &raquo;menschenrechtsorientierten Au&szlig;enpolitik&laquo; verk&uuml;ndet, die besagt, dass Nichtstun das Beste sei, was deutsche Politiker f&uuml;r die Menschen tun k&ouml;nnen, die auf Teherans Stra&szlig;en niedergeschossen werden. Denn w&uuml;rde man sich einmischen, so g&auml;be man nur jenen Recht, die behaupten, der Aufstand in dem Land sei vom Westen ferngesteuert.</p>
		<p>Man muss indes nicht erst in Teheran verpr&uuml;gelt werden, um eine Idee davon zu bekommen, wie wenig die paranoide Weltwahrnehmung der iranischen F&uuml;hrung auf Anregungen von au&szlig;en angewiesen ist. Der Iran h&auml;lt es mit der Wirklichkeit wie alle seine Nachbarn: Wenn die Ernte ausf&auml;llt, der &Ouml;lpreis sinkt und die Bev&ouml;lkerung unzufrieden ist, dann folgt daraus, so sicher wie das &raquo;Allahu Akbar&laquo; in der Moschee, dass dahinter mindestens die Amerikaner stecken, wenn nicht gleich die Juden. Ganz folgerichtig behauptet die iranische F&uuml;hrung nun, dass es keinen Aufstand gebe, sondern nur eine Verschw&ouml;rung von CIA und BBC. Das h&auml;tte sie so oder so behauptet. Dagegen, dass die Menschen, die auf Teherans Stra&szlig;en demonstrieren, als Agenten des Westens denunziert werden, hilft keine Zur&uuml;ckhaltung. Das wei&szlig; man im deutschen Au&szlig;enministerium.</p>
		<p>Wenn der Staatssekret&auml;r der SPD im Au&szlig;enamt, Gernot Erler, also von einem &raquo;&Uuml;berbietungswettbewerb der Emp&ouml;rung&laquo; spricht, dann m&ouml;chte er vor allem selbst nicht gest&ouml;rt werden beim &raquo;Dialog&laquo; mit der iranischen Staatsf&uuml;hrung. Nur wenige Wochen vor der iranischen Pr&auml;sidentenwahl hatte bereits die aus Bundesmitteln finanzierte Stiftung Wissenschaft und Politik bem&auml;ngelt, die deutsche Iran-Politik wirke, &raquo;als sei sie in erster Linie bestimmt vom Bestreben, sich gegen&uuml;ber den USA und Israel und auch der eigenen &Ouml;ffentlichkeit politisch korrekt zu verhalten&laquo;. Was, so muss hinzugef&uuml;gt werden, bei der iranischen Staatsf&uuml;hrung nicht gut ankommt und einen &raquo;Dia&shy;log&laquo; unn&ouml;tig erschwert. Wohin ein solcher Dialog f&uuml;hren soll, hat die Stiftung ebenfalls erkl&auml;rt: &raquo;Das zentrale strategische Ziel deutscher und europ&auml;ischer Politik liegt nicht im Schmieden anti-iranischer pro-westlicher Allianzen.&laquo;</p>
		<p>Und die wurden nun wirklich nicht geschmiedet. Von den wenigen diplomatischen Ma&szlig;nahmen, die m&ouml;glich w&auml;ren gegen&uuml;ber einem Regime, dem die Etikette so fremd ist wie ein guter Vollrausch, wurde nicht eine einzige ergriffen. Kein Botschaf&shy;ter wurde abgezogen, keiner ausgewiesen, es wurde weder ein formeller Protest eingelegt noch ein informeller unterst&uuml;tzt. Weiter als J&uuml;rgen Trittin, der neuerdings au&szlig;enpolitischer Sprecher seiner Partei ist, hat sich keiner vorgewagt: &raquo;Wir m&uuml;ssen Sorge daf&uuml;r tragen, dass Menschenrechtsverletzungen in dieser Form in keiner Weise zu dulden sind.&laquo; Er sagte nicht, dass die Menschenrechtsverletzungen beendet werden m&uuml;ssen. Das ist genau so viel Kritik, wie ein neuer &raquo;Dialog&laquo; vertragen wird. Die wohlfeile Rede davon, man wolle die Demonstranten nicht als vom Westen gesteuert erscheinen lassen, ist einfach nur eine Ausrede daf&uuml;r, dass man am liebsten alles so belassen w&uuml;rde, wie es einmal war.</p>
		<p><em><a href="http://jungle-world.com/artikel/2009/27/35383.html" target="_blank">Artikel erschienen</a> in Jungle World Nr. 27, 2. Juli 2009</em></p>
        <p></p>
      </div>
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