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<title>Lieber keine Gefangenen</title>
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        <p>&nbsp;</p>
        <p><a href="#" onClick="history.back()"><img src="../../img/textback.gif" width="38" height="25" border="0" alt="zur&uuml;ck"></a></p>
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        <h2> <br>
          Lieber keine Gefangenen</h2>
        <h4>Die USA, Deutschland und die Folter</h4>
        <p>von Thomas von der Osten-Sacken </p>
		<table width="150" align="right" height="43" class="noprint">
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        <p>Der ehemalige Kulturminister Michael Naumann l&auml;uft angesichts des Skandals um geheime CIA-Fl&uuml;ge in Europa in der Zeit einmal mehr zu Hochform auf. &raquo;Folterstaat Amerika&laquo; ist einer seiner Artikel betitelt, &raquo;Wenn der Freund qu&auml;lt&laquo; ein anderer. In einer kongenialen Weise gelingt es ihm dabei, besser noch als der Konkurrenz vom Spiegel, die es immerhin zu der &Uuml;berschrift &raquo;Archipel CIA&laquo; gebracht hat, die ganze Bigotterie des nimmer endenden deutschen Moralisierens gegen die USA auf den Punkt zu bringen. Niemals zuvor, erkl&auml;rt uns Naumann, habe sich &raquo;&uuml;ber den demokratischen Ruf der Vereinigten Staaten der berechtigte Vorwurf gelegt, unter Missachtung aller v&ouml;lkerrechtlichen Verpflichtungen zur mittelalterlichen Praxis der Folter zur&uuml;ckgekehrt zu sein&laquo;. </p>
        <p>Das stimmt nat&uuml;rlich alles nicht, h&ouml;rt sich aber wirklich emp&ouml;rt an. Der erste Trick des Antiamerikanismus besteht darin, so zu tun, als h&auml;tte man bis gestern geglaubt, in den USA herrschten paradiesische Zust&auml;nde, und sei erst jetzt eines Besseren belehrt worden. </p>
        <p>Folter ist so wenig &raquo;mittelalterlich&laquo;, wie die Vorw&uuml;rfe gegen die CIA neu sind. Im Gegenteil, der amerikanische Geheimdienst steht seit Jahrzehnten unter dem Verdacht, bei Verh&ouml;ren zu foltern. Ob aus Chile, Nicaragua oder Vietnam, regelm&auml;&szlig;ig ver&ouml;ffentlichen US-amerikanische Medien entsprechende Berichte. So war es auch diesmal die Washington Post, die den Skandal aufdeckte. Neu also an der Aff&auml;re ist weder, dass sich die CIA, gedeckt von der amerikanischen Regierung, derartiger Praktiken bedient, noch dass die Bundesrepublik davon Kenntnis hat. Auch zu Zeiten des Kalten Krieges wusste man in Bonn, was amerikanische &raquo;Ausbilder&laquo; in Lateinamerika so trieben. </p>
        <p>Neu ist nur, dass sp&auml;testens seit dem Herbst 2002 die Deutschen so taten, als f&uuml;hrten sie eine &raquo;Achse des Friedens&laquo; an und k&auml;mpften im Namen der Weltgemeinschaft gegen die amerikanischen Pl&auml;ne zur Weltherrschaft. Umso unangenehmer, dass die rot-gr&uuml;ne Bundesregierung gleichzeitig offenbar die Entf&uuml;hrung eines deutschen Staatsb&uuml;rgers durch amerikanische Geheimdienststellen duldete und dem Entf&uuml;hrten Khaled al-Masri jenen Schutz verweigerte, den ein Staat jedem seiner B&uuml;rger zu gew&auml;hren hat. Oder war es ihr gar nicht so unrecht, dass, wie US-Au&szlig;enministerin Condoleezza Rice k&uuml;rzlich erkl&auml;rte, die USA die Schmutzarbeit f&uuml;r die Europ&auml;er erledigten? Schlie&szlig;lich braucht man sich in Deutschland nicht mit heiklen Problemen zu besch&auml;ftigen, etwa mit der Frage, wie mit gefangenen K&auml;mpfern von al-Qaida oder anderen Gotteskriegern v&ouml;lkerrechtskonform zu verfahren sei. </p>
        <p>Eine Frage, die keineswegs akademischer Natur ist; schlie&szlig;lich leeren deutsche Soldaten in Afghanistan nicht nur M&uuml;lleimer oder helfen alten Leuten &uuml;ber die Stra&szlig;e. Das Kommando Spezialkr&auml;fte der Bundeswehr etwa, von dessen Kampfeinsatz nichts an die &Ouml;ffentlichkeit dringt, sollte dem Spiegel zufolge einer bis zu diesem Jahr g&uuml;ltigen internen Direktive zufolge &raquo;mutma&szlig;liche Terroristen nicht verhaften, um sie nicht an die Amerikaner ausliefern zu m&uuml;ssen&laquo;. </p>
        <p>Eine Alternative, die weder &uuml;berzeugend noch glaubhaft klingt. Denn tr&auml;fe sie zu, so lie&szlig;e man al-Qaida-Mitglieder, um ihnen Guant&aacute;namo zu ersparen, entweder laufen oder &raquo;entledigte&laquo; sich ihrer auf andere Weise. Von einer Initiative seitens der Bundesregierung, sie stattdessen k&uuml;nftig als Kriegsgefangene zu behandeln, ist nichts bekannt, andere Vorschl&auml;ge fehlen ebenso. Sie st&ouml;rten m&ouml;glicherweise auch nur das Bild des moralisch den USA haushoch &uuml;berlegenen Deutschland.</p>
        <p><em><br>
        Artikel erschienen in 


 Jungle World Nr. 50 am 14. Dezember 2005 <br>
</em></p>
        <p></p>
      </div>
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