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<title>Ein Kurde an der Spitze</title>
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<meta name="description" content="Die Regierungsbildung im Irak">
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      <div align="center">
        <p><img src="../../img/blind.gif" width="130" height="8">
          <a href="../../index.htm"><img src="../../img/logo-blau_32x100.gif" onFocus="if(this.blur)this.blur()" width="100" height="32" border="0"></a></p>
        <p>&nbsp;</p>
        <p><a href="#" onClick="history.back()"><img src="../../img/textback.gif" width="38" height="25" border="0" alt="zur&uuml;ck"></a></p>
      </div>
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      <div class="text"> 
        <h2> <br>
          Ein Kurde an der Spitze</h2>
        <h4> Die Regierungsbildung im Irak </h4>
		  
        <p>von Thomas Uwer und Thomas von der Osten-Sacken</p>
		<table width="150" align="right" height="43" class="noprint">
<tr> 
<td valign="top">
<div align="right"> <a href="http://www.jungle-world.com/" target="_wadiout"><img src="../../img/logos/jungleworld.gif" width="140" height="33" alt="http://www.jungle-world.com/" border="0"></a></div>
</td>
</tr>
</table>  
        <p>Der Bundespr&auml;sident teilt dem neugew&auml;hlten Staatspr&auml;sidenten 
          durch den Botschafter seine Gl&uuml;ckw&uuml;nsche mit, der Au&szlig;enminister 
          meldet in einer zweizeiligen Erkl&auml;rung pflichtschuldig Gratulationen 
          an. F&uuml;r viel mehr als einen Aktenvermerk reicht die Begeisterung 
          der deutschen Regierung &uuml;ber die Wahl des kurdischen Politikers 
          Jalal Talabani zum irakischen Staatspr&auml;sidenten offensichtlich 
          nicht. Noch weniger aufrichtige Gl&uuml;ckw&uuml;nsche hat einzig der 
          amtierende US-Pr&auml;sident nach seiner Wiederwahl erhalten. </p>
        <p>Das ist in diesem Falle nicht einmal pers&ouml;nlich gemeint. Auch 
          die deutschen Unternehmen, die mit Hermeskrediten gedeckt Giftgasfabriken 
          an das Regime Saddam Husseins lieferten, taten dies nicht, weil sie 
          etwas gegen Kurden hatten. Es f&auml;llt einfach leichter, den US-Pr&auml;sidenten 
          zu kritisieren, der als Jetpilot verkleidet die Irak-Mission f&uuml;r 
          erfolgreich beendet erkl&auml;rt, w&auml;hrend die Reste des angeblich 
          besiegten Regimes die Ausfallstra&szlig;en Bagdads in Todeszonen f&uuml;r 
          US-amerikanische Soldaten verwandeln, als einzugestehen, dass sich im 
          Irak vielleicht doch etwas ge&auml;ndert hat. Wie kaum ein anderes Ereignis 
          steht die Wahl eines Kurden zum Pr&auml;sidenten des vormals &raquo;arabisch-sozialistischen&laquo; 
          Staates f&uuml;r eine Ver&auml;nderung der dortigen Verh&auml;ltnisse, 
          wie sie von den USA einst propagiert wurde. </p>
        <p>Dass die Iraker, wenn sie nur die Wahl haben, ein demokratisches System 
          der Diktatur vorziehen, haben bereits die Wahlen gezeigt. Die Ernennung 
          Jalal Talabanis zum Staatspr&auml;sidenten belegt nunmehr, dass entgegen 
          allen Ungl&uuml;cksprophezeiungen in Bagdad Politik doch nicht nur mit 
          Kalaschnikows gemacht wird. Nach z&auml;hen Verhandlungen zwischen kurdischen 
          und schiitischen Parteien wird nunmehr eine Regierung gebildet. Interessenpolitik 
          und Kompromisse haben die flammende ideologische Begeisterung ersetzt. 
          Und das ist gut so. </p>
        <p>Denn der revolution&auml;re Volksstaat, den alle Putschisten der irakischen 
          Geschichte versprachen, fu&szlig;te immer auch auf dem gewaltsamen Versuch, 
          die Homogenit&auml;t der &raquo;arabischen Einheit&laquo; in einem von 
          Konflikten gepr&auml;gten Land herzustellen. Die ideologische Begeisterung 
          f&uuml;r die &raquo;Befreiung&laquo; der arabischen Nation und der Massenmord 
          an Kurden sind entgegen manch linker Interpretation eben nicht voneinander 
          zu trennen. Mit Jalal Talabani hat der Irak jetzt nicht nur einen Pr&auml;sidenten 
          erhalten, der zu jener Bev&ouml;lkerungsgruppe z&auml;hlt, die sich 
          dem arabischen Volksbegriff am vehementesten widersetzt hat, sondern 
          zugleich einen, dem ideologischer Eifer fern liegt. Talabani m&ouml;chte 
          keinen Gottesstaat, und er glaubt nicht an eine zionistische Weltverschw&ouml;rung. 
          Vor allem aber steht der neue irakische Pr&auml;sident daf&uuml;r, dass 
          es den Kurden nicht um eine m&ouml;glichst rasche Unabh&auml;ngigkeit, 
          sondern um Beteiligung an der Regierungsgewalt geht. </p>
        <p>Genau dies passt so gar nicht in das Konzept der deutschen Regierung. 
          Nicht, dass man in Berlin die Ausrufung eines Kurdenstaates begr&uuml;&szlig;en 
          w&uuml;rde. Als der heutige Pr&auml;sident die irakische Opposition 
          vertrat, wollte man ihn im Ausw&auml;rtigen Amt nicht einmal empfangen, 
          um nur ja nicht den Verdacht zu erregen, man hege Sympathien f&uuml;r 
          kurdische Forderungen. Heute ver&uuml;belt man den Kurden, dass sie 
          sich nicht so verhalten, wie es ihnen die Analysten im Au&szlig;enamt 
          immer nachsagten. Dabei wird es sicherlich nicht bleiben. Dem ersten 
          Schrecken d&uuml;rfte die Einsicht in die Notwendigkeit folgen, gute 
          Beziehungen zu unterhalten. <br>
        </p>
        <p align="right"><em>erscheinen in: Jungle World Nr. 15 vom 13. April 
          2005 </em></p>
        <p></p>
      </div>
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