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<title>Ba&#8217;ath in der Menge</title>
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<meta name="description" content="Der Kongress der syrischen Ba&#8217;ath-Partei hat die erwarteten 
          Reformen nicht beschlossen. Die Unzufriedenheit insbesondere unter den 
          Kurden w&auml;chst. ">
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        <p>&nbsp;</p>
        <p><a href="#" onClick="history.back()"><img src="../../img/textback.gif" width="38" height="25" border="0" alt="zur&uuml;ck"></a></p>
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        <h2><br>
          Ba&#8217;ath in der Menge</h2>
        <h4> Der Kongress der syrischen Ba&#8217;ath-Partei hat die erwarteten 
          Reformen nicht beschlossen. Die Unzufriedenheit insbesondere unter den 
          Kurden w&auml;chst. </h4>
        <p>von Thomas Schmidinger</p>
		<table width="150" align="right" height="43" class="noprint">
<tr> 
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</tr>
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		<p>Wer Pr&auml;sident Bashar al-Assad immer als von den alten Kameraden 
          seines Vaters behinderten Reformer gesehen hat, k&ouml;nnte jetzt eines 
          Besseren belehrt werden. Der Abschluss des Kongresses der Ba&#8217;ath-Partei 
          am Donnerstag der vergangenen Woche entsprach ganz der pathetischen 
          Tradition des arabischen Nationalismus. Assads dreist&uuml;ndige Rede 
          wurde nur vom inszenierten Applaus der 1 225 Delegierten sowie von Zwischenrufern 
          unterbrochen, die dem Pr&auml;sidenten &raquo;ihre Seele und ihr Blut&laquo; 
          darboten. Es wurde klar, dass Assad und die alten Kader der Partei gewillt 
          sind, lediglich die minimalen, vor allem au&szlig;enpolitischen Anpassungen 
          vorzunehmen, die sie an der Macht halten sollen. </p>
        <p>Obwohl sich das Regime der Ba&#8217;ath-Partei in einer Krise befindet, 
          ging der Kongress zu Ende, ohne dass die von vielen erwarteten Schritte 
          zu einer politischen und &ouml;konomischen &Ouml;ffnung des Systems 
          beschlossen worden w&auml;ren. Auch der von manchen bef&uuml;rchtete, 
          von den meisten jedoch erhoffte Richtungsstreit zwischen angeblichen 
          Reformern und Traditionalisten blieb aus. </p>
        <p>Nicht einmal zu einer Aufhebung des seit mehr als vierzig Jahren geltenden 
          Ausnahmezustands konnte sich der Kongress durchringen. Stattdessen wurde 
          der Opposition und wohl vor allem der internationalen &Ouml;ffentlichkeit 
          nur eine Modifizierung und Lockerung des Ausnahmezustands versprochen. 
          Die Regeln des Notstandsrechts, die der Polizei und den Geheimdiensten 
          fast unbeschr&auml;nkte Vollmachten geben, sollen fortan nur noch bei 
          &raquo;Verbrechen, die die Staatssicherheit bedrohen&laquo;, angewendet 
          werden. Es wird jedoch das Regime selbst sein, das diese &raquo;Verbrechen&laquo; 
          definiert. </p>
        <p>F&uuml;r die politische Opposition wird also der Spielraum nicht wachsen. 
          Zwar bekannte sich der Kongress formal zu einem Mehrparteiensystem, 
          die verfassungsm&auml;&szlig;ige Garantie des F&uuml;hrungsanspruchs 
          der Ba&#8217;ath-Partei bleibt jedoch bestehen. Zudem wird den beiden 
          st&auml;rksten oppositionellen Kr&auml;ften, der islamistischen Muslimbruderschaft 
          und den kurdischen Oppositionsparteien, durch ein Verbot religi&ouml;ser 
          und ethnischer Parteien die M&ouml;glichkeit genommen, legal zu arbeiten. 
        </p>
        <p>Das Bekenntnis zu einem Mehrparteiensystem best&auml;tigt den Status 
          quo, die Integration loyaler Blockparteien in ein ba&#8217;athistisch 
          gef&uuml;hrtes System. Dieses System existiert seit Jahrzehnten. Neben 
          der regierenden Ba&#8217;ath-Partei gibt es mehrere Blockparteien, die 
          32 der 250 Abgeordnete z&auml;hlenden Volksversammlung stellen. 135 
          Mandate besetzt die Ba&#8217;ath-Partei direkt, den Rest stellen offiziell 
          &raquo;Unabh&auml;ngige&laquo;, wobei keiner dieser Abgeordneten jemals 
          durch eine oppositionelle &Auml;u&szlig;erung gegen&uuml;ber dem Regime 
          aufgefallen w&auml;re. </p>
        <p>Unter den in der Nationalen Progressiven Front vereinten Blockparteien 
          befindet sich auch die einst moskauh&ouml;rige Kommunistische Partei. 
          W&auml;hrend die Genossen in der Regierung sa&szlig;en, wurden Aktivisten 
          oppositioneller kommunistischer Gruppen jahrelang in Haft gehalten, 
          gefoltert und ermordet. Riyad al-Turk, Generalsekret&auml;r der oppositionellen 
          Kommunistischen Partei und einer der prominentesten Kritiker des Regimes, 
          wurde 18 Jahre in einer zwei Quadratmeter gro&szlig;en Zelle in Einzelhaft 
          gehalten, in der er immer wieder gefoltert wurde. 1987 fiel er nach 
          einer besonders intensiven Folter sogar f&uuml;r 25 Tage ins Koma. Erst 
          1998 wurde er als kranker alter Mann gegen das Versprechen entlassen, 
          sich nicht mehr politisch zu &auml;u&szlig;ern. </p>
        <p>Obwohl nach dem Tod Hafez al-Assads im Jahr 2000 auch noch andere prominente 
          politische Gefangene entlassen wurden, scheint die politische Liberalisierung 
          Syriens jeweils nur so weit zu gehen, wie sie f&uuml;r das &Uuml;berleben 
          des Regimes absolut notwendig ist. Die beiden gr&ouml;&szlig;ten und 
          gef&auml;hrlichsten Oppositionsbewegungen, die Islamisten und die kurdischen 
          Gruppen, werden weiter hart unterdr&uuml;ckt. </p>
        <p>Mehreren hunderttausend Kurden wurde in den sechziger Jahren die Staatsb&uuml;rgerschaft 
          aberkannt, in den siebziger Jahren hatten die Kurden unter r&uuml;cksichtslosen 
          Enteignungs- und Umsiedlungsprogrammen zu leiden. Seit dem Sturz Saddam 
          Husseins f&uuml;rchtet das syrische Regime, dass das gr&ouml;&szlig;ere 
          politische Gewicht der Kurden im Irak auch einen Vorbildeffekt auf die 
          eigene kurdische Minderheit haben k&ouml;nnte. </p>
        <p>Tats&auml;chlich f&uuml;hrten Auseinandersetzungen am Rande eines Fu&szlig;ballspiels 
          nach Provokationen arabischer Nationalisten im M&auml;rz 2004 zu einem 
          Aufstand in der kurdischen Stadt Qamishli. Die Armee schlug mit besonderer 
          H&auml;rte zu. Kriegsrecht und Ausnahmezustand wurden verh&auml;ngt, 
          &uuml;ber 100 Menschen get&ouml;tet, Tausende verhaftet und gefoltert. 
          Seither hat sich die Situation f&uuml;r die kurdische Minderheit nicht 
          gebessert. Zwar wurden viele der Verhafteten wieder entlassen, allerdings 
          werden immer wieder junge Kurden verhaftet oder &raquo;verschwinden&laquo; 
          einfach &uuml;ber Nacht. </p>
        <p>Am 10. Mai wurde schlie&szlig;lich ein geachteter liberaler kurdischer 
          Sheikh, Mohammad Mashouq al-Khiznawi, der sich f&uuml;r Reformen in 
          Syrien und einen interreligi&ouml;sen Dialog eingesetzt hatte, nach 
          dem Verlassen des Zentrums f&uuml;r Islamische Studien in Damaskus festgenommen. 
          Er wurde im Gef&auml;ngnis gefoltert, am 31. Mai wurde der Familie seine 
          Leiche &uuml;bergeben. </p>
        <p>In der Folge kam es erneut zu Massenprotesten, bei Demonstrationen 
          in Qamishli wurden drei Kurden von den syrischen Sicherheitskr&auml;ften 
          get&ouml;tet. In Wien reagierten syrische Kurden mit einer spontanen 
          Botschaftsbesetzung, bei der die syrische Fahne gegen eine kurdische 
          ausgetauscht wurde. Auch in mehreren deutschen St&auml;dten kam es zu 
          Protesten. </p>
        <p>Druck auf das Regime kommt jedoch nicht nur von innen. Im Libanon gibt 
          es Proteste gegen die Anwesenheit syrischer Geheimdienstagenten, die 
          auch nach dem R&uuml;ckzug der Armee im Land geblieben sind. Und auch 
          die USA erh&ouml;hen den Druck auf das Regime; die US-Regierung behauptet, 
          &raquo;glaubw&uuml;rdige Informationen&laquo; erhalten zu haben, denen 
          zufolge &raquo;Todeslisten&laquo; von libanesischen Politikern existierten, 
          die vom syrischen Geheimdienst aus dem Weg geschafft werden sollten. 
          &raquo;Wir sind sehr besorgt dar&uuml;ber, dass sich Damaskus weiterhin 
          in die internen Angelegenheiten des Libanon einmischt&laquo;, sagte 
          am Freitag der Sprecher des Wei&szlig;en Hauses, Scott McClellan. Syrien 
          m&uuml;sse &raquo;seine Geheimdienstaktivit&auml;ten im Libanon einstellen&laquo;. 
        </p>
        <p>Dass die westlichen Staaten nach dem au&szlig;enpolitischen Kurswechsel 
          des libyschen Staatschefs Muammar Ghaddafi wenig Neigung erkennen lassen, 
          auf innenpolitische Reformen zu dr&auml;ngen, k&ouml;nnte Assad zu &auml;hnlichen 
          Schritten bewegen. Zu au&szlig;enpolitischen Zugest&auml;ndnissen d&uuml;rfte 
          sich sein Regime weit eher bereit finden als zu einer Demokratisierung 
          des Landes.</p>
        <p><br>
          <em>erschienen in: Jungle World 24 vom 15. Juni 2005</em></p>
        <p></p>
      </div>
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