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<title>Handel verpflichtet</title>
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  <tr> 
    <td valign="top" rowspan="2" width="120"> 
      <div align="center">
        <p><img src="../../img/blind.gif" width="130" height="8"><br>
          <a href="../../index.htm"><img src="../../img/logo-blau_32x100.gif" onFocus="if(this.blur)this.blur()" width="100" height="32" border="0"></a></p>
        <p>&nbsp;</p>
        <p><a href="#" onClick="history.back()"><img src="../../img/textback.gif" width="38" height="25" border="0" alt="zur&uuml;ck"></a></p>
      </div>
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    </td>
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  <tr> 
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      <div class="text"> 


            <h2>Handel verpflichtet </h2>
            <h5>Nicht nur wegen der Bundestagswahl spricht 
              sich Gerhard Schr&ouml;der gegen einen 
              Krieg im Irak aus. Ein Sturz Saddam Husseins 
              w&uuml;rde die Hoffnungen der deutschen 
              Wirtschaft zunichte machen. </h5>
            <p><i>von <b>Thomas Uwer</b></i></p>
            <p><b>Kriegspl&auml;ne</b>. <i>Mitmachen 
              will derzeit niemand, aber die Hintert&uuml;r 
              h&auml;lt man sich offen. Die deutschen 
              Parteien sind sich einig, wenn es um den 
              Krieg gegen den Irak geht. Schlie&szlig;lich 
              stehen die Interessen der Wirtschaft auf 
              dem Spiel. Die USA dagegen f&uuml;rchten, 
              ihren Einfluss in der Golfregion an ihre 
              europ&auml;ischen Konkurrenten zu verlieren.</i></p>
            <p><br>
              Montagvormittag in Hannover, aus der Parteizentrale 
              der SPD ergeht die Mitteilung zur Pr&auml;sidiumssitzung, 
              Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der lehne 
              einen m&ouml;glichen Milit&auml;reinsatz 
              gegen den Irak ab. 12.34 Uhr, die &Auml;u&szlig;erungen 
              des Kanzlers aus der Sitzung liegen vor 
              und verursachen eine &raquo;intensive 
              Diskussion&laquo;: &raquo;Ohne Konzeption 
              in dieser Intensit&auml;t &uuml;ber milit&auml;rische 
              Intervention zu diskutieren, halte ich 
              f&uuml;r falsch.&laquo; </p>
            <p>Um 13.28 Uhr erkl&auml;rt Generalsekret&auml;r 
              Franz M&uuml;ntefering f&uuml;r das Pr&auml;sidium, 
              die SPD lehne eine deutsche Beteiligung 
              an einer Milit&auml;raktion gegen den 
              Irak auch mit UN-Mandat kategorisch ab. 
              Eine halbe Stunde sp&auml;ter, um 14.15 
              Uhr, wird aus Berlin gemeldet, Au&szlig;enminister 
              Joseph Fischer sei ebenfalls &raquo;vehement&laquo; 
              gegen einen Angriff auf den Irak, woraufhin 
              um 14.34 Uhr der Parteirat der Gr&uuml;nen 
              vor den m&ouml;glichen Folgen eines Krieges 
              gegen den Irak warnt und erkl&auml;rt, 
              einen Milit&auml;rschlag abzulehnen. </p>
            <p>15.35 Uhr: Edmund Stoiber antwortet. 
              Im bayerischen Oberaudorf erkl&auml;rt 
              der Kanzlerkandidat der Unionsparteien, 
              der Versuch der SPD, mit der Angst vor 
              einem Krieg auf Stimmenfang zu gehen, 
              sei &raquo;unzul&auml;ssig&laquo;, denn 
              es gebe &raquo;anders als noch vor vier 
              Jahren eine gro&szlig;e &Uuml;bereinstimmung 
              zwischen Regierung und Opposition&laquo;. 
              Aus dem in Schwerin parkenden Guidomobil 
              meldet sich der FDP-Spitzenkandidat Guido 
              Westerwelle. &raquo;Ohne B&uuml;ndnis 
              und ohne Uno l&auml;uft da nichts.&laquo; 
            </p>
            <p>Zu sp&auml;t, denn um 15.48 Uhr ist daraus 
              bereits eine Regierungsposition geworden. 
              &raquo;Rot-gr&uuml;n gegen Irak-Einsatz&laquo;, 
              titeln die Agenturen. Kurz vor Ladenschluss, 
              um 16.16 Uhr, hat auch die PDS eine Sprachregelung 
              gefunden. Bundesgesch&auml;ftsf&uuml;hrer 
              Dietmar Bartsch stellt fest, Schr&ouml;der 
              habe einen au&szlig;enpolitischen Schwenk 
              vollzogen, die PDS aber bleibe bei ihrem 
              &raquo;konsequenten Nein&laquo; zu Milit&auml;rschl&auml;gen. 
              Kaum dass er entdeckt wurde, war der deutsche 
              Sonderweg auch schon beschritten. Soviel 
              &raquo;Nein&laquo; und &raquo;Nein, aber&laquo; 
              gab es selten. </p>
            <p>Bereits Anfang Februar erkl&auml;rte 
              der inzwischen geschasste Verteidigungsminister 
              Rudolf Scharping, Deutschland werde sich 
              nicht an einem Krieg gegen den Irak beteiligen, 
              und handelte sich daf&uuml;r die R&uuml;ge 
              seines Parteivorsitzenden Schr&ouml;der 
              ein, der richtig stellte, von einem Milit&auml;reinsatz 
              der USA k&ouml;nne keine Rede sein. Dass 
              das offensichtlich nicht stimmte, konnte 
              jeder wenige Tage sp&auml;ter in der Frankfurter 
              Rundschau nachlesen. </p>
            <p>Karl Lamers, der au&szlig;enpolitische 
              Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, 
              wurde gefragt, wann die Stunde gekommen 
              sei, den USA die Unterst&uuml;tzung zu 
              verweigern. &raquo;Da gibt es zum Beispiel 
              den Fall Irak&laquo;, antwortete Lamers. 
              &raquo;Da haben die Europ&auml;er zu Recht 
              mit gro&szlig;er Deutlichkeit gesagt, 
              dass sie gegen einen Angriff auf den Irak 
              sind. Das w&auml;re aus vielen Gr&uuml;nden 
              ein falscher Weg. Man muss sich zum Beispiel 
              fragen: Was soll hinterher mit dem Land 
              geschehen?&laquo; </p>
            <p>Das fragt sich heute auch Au&szlig;enminister 
              Fischer. Der Irak m&uuml;sse die Forderungen 
              der Uno erf&uuml;llen, erkl&auml;rte er 
              am vergangenen Freitag, &raquo;aber das 
              hat nichts mit einem Regimewechsel zu 
              tun&laquo;. Der Sturz Saddam Husseins 
              berge vielmehr ein &raquo;unkalkulierbares 
              Risiko&laquo; und w&uuml;rde eine Neuordnung 
              der gesamten Region notwendig machen. 
              So weit liegen die Regierung und die Opposition 
              im Falle des Irak auseinander. </p>
            <p>Bislang hat noch keine deutsche Regierung 
              Interesse daran gezeigt, das Regime Saddams 
              zu st&uuml;rzen. Das hat gute Gr&uuml;nde. 
              In den achtziger Jahren war Deutschland 
              Iraks wichtigster Handelspartner beim 
              Einkauf technischer Ger&auml;te und industrieller 
              G&uuml;ter. Auf rund 1,3 Milliarden Mark 
              wurden die direkten Gewinne aus dem legalen 
              Gesch&auml;ft mit dem Irak gesch&auml;tzt, 
              hinzu kommt eine unbekannte Summe, die 
              mit dem illegalen Transfer von Waffentechnik 
              und nuklearem sowie chemischem Material 
              zur Produktion von Massenvernichtungswaffen 
              verdient wurde. </p>
            <p>In Augsburg und Rosenheim wurden irakische 
              Sicherheitskr&auml;fte vom Bundesnachrichtendienst 
              (BND) ausgebildet, in M&uuml;nchen absolvierten 
              die Spitzel des Geheimdienstes Mukhabarat 
              Lehrg&auml;nge beim dortigen Landeskriminalamt 
              (LKA), an die sich der bayerische Innenminister 
              Edmund Stoiber 1990 partout nicht mehr 
              erinnern wollte. </p>
            <p>Damals hatte die deutsche Regierung der 
              internationalen Isolierung des Regimes 
              und dem milit&auml;rischen Vorgehen der 
              Anti-Irak-Koalition bereits zugestimmt. 
              Die von Schr&ouml;der jetzt kritisierte 
              &raquo;Scheckbuch-Diplomatie&laquo; bestand 
              darin, die westliche Koalition finanziell 
              und logistisch zu unterst&uuml;tzen und 
              so strengere Exportkontrollen und eine 
              m&ouml;gliche Bestrafung deutscher Unternehmen 
              zu verhindern. Seitdem folgt die deutsche 
              Irakpolitik der Taktik, gerade so lange 
              mitzumachen, dass man nicht der Blockade 
              der US-Politik verd&auml;chtigt werden 
              kann, und sich zugleich nicht zu sehr 
              zu engagieren, um die vor&uuml;bergehend 
              unterbrochene Irak-Connection wieder herstellen 
              zu k&ouml;nnen. </p>
            <p>Die Bundesregierungen unter Helmut Kohl 
              wie unter Schr&ouml;der spekulierten darauf, 
              dass das Irak-Embargo nicht ewig dauern 
              k&ouml;nne, und die US-amerikanische Politik, 
              Saddam im Amt zu halten, n&auml;hrte die 
              Hoffnung, irgendwann zum Status quo ante 
              zur&uuml;ckkehren zu k&ouml;nnen. Dass 
              jetzt offen ein Milit&auml;rschlag abgelehnt 
              wird, ist nur zum Teil dem Wahlkampf geschuldet. 
              Ein Sturz des Regimes w&uuml;rde die Hoffnungen 
              der deutschen Wirtschaft g&auml;nzlich 
              zunichte machen. </p>
            <p>So findet sich die von der Regierung 
              wie von der Opposition beklagte Schwierigkeiten, 
              einen Nachfolger Saddams zu finden, auch 
              in der deutschen Irakpolitik wieder. Seit 
              Jahren weigert man sich, Gespr&auml;che 
              mit der irakischen Opposition zu f&uuml;hren, 
              die wesentlich besser organisiert ist, 
              als es dargestellt wird. W&auml;hrend 
              sich ehemals zerstrittene Gruppen im Irak 
              l&auml;ngst geeinigt haben, veranstaltete 
              die sozialdemokratische Friedrich-Ebert-Stiftung 
              noch in diesem Fr&uuml;hjahr eine Konferenz 
              zur Zukunft des Irak, ohne auch nur einen 
              Vertreter der Opposition geladen zu haben. 
              Sollte im Irak tats&auml;chlich die jetzige 
              Opposition eines Tages die Regierung bilden, 
              dann st&uuml;nde Deutschland au&szlig;en 
              vor. Nicht nur deshalb fordern nun einige 
              Unionspolitiker ebenso wie Hans-Ulrich 
              Klose (SPD), sich die Option zum Mitmachen 
              nicht v&ouml;llig zu verbauen. </p>
            <p>Als Legitimation f&uuml;r eine Milit&auml;raktion 
              gegen den Irak dient der US-amerikanischen 
              Regierung die Warnung, das irakische Regime 
              k&ouml;nne in den Besitz von Massenvernichtungswaffen 
              gelangen, und die Weigerung des Irak, 
              einer Wiederaufnahme der UN-Inspektionen 
              bedingungslos zuzustimmen. </p>
            <p>So zuverl&auml;ssig die Haltung Bagdads 
              in dieser Frage ist, so vage bleibt die 
              deutsche Hoffnung auf eine R&uuml;ckkehr 
              der Waffenkontrolleure. Weil diesen in 
              den acht Jahren ihrer T&auml;tigkeit der 
              Zugang zu Produktionsanlagen systematisch 
              verweigert wurde, greifen internationale 
              R&uuml;stungsexperten auf die Informationen 
              jener Unternehmen zur&uuml;ck, die das 
              Regime vor 1990 mit Material belieferten. 
            </p>
            <p>So konnte, im Widerspruch zur Erkl&auml;rung 
              der Bundesregierung, w&auml;hrend der 
              Anh&ouml;rung vor dem US-Senat in der 
              vergangenen Woche ausf&uuml;hrliches Material 
              &uuml;ber das Waffenpotenzial des Irak 
              vorgelegt werden. Allein das seinerzeit 
              von deutschen Unternehmen gelieferte Material 
              reiche aus, chemische und biologische 
              Waffen in gro&szlig;em Umfang zu produzieren. 
            </p>
            <p>Dass ausgerechnet in Deutschland die 
              Existenz derartiger Waffen bezweifelt 
              wird, zeigt, wie gut die 1990 verordnete 
              Amnesie wirkt. Wer Einzelheiten &uuml;ber 
              das Waffenprogramm des Irak sucht, muss 
              nicht nach Bagdad fahren, eine Untersuchung 
              in Deutschland reichte aus. </p>
            <p>Zum Beispiel im westf&auml;lischen Drensteinfurt. 
              Bis Anfang der neunziger Jahre war hier 
              die Firma H+H Metallform des Unternehmers 
              Dietrich Hinze ans&auml;ssig, die so viel 
              Geld in die Gemeindekassen brachte, dass 
              dem Firmenchef ein Gedenkstein im Rathaus 
              errichtet wurde. 1993 wurden Hinze und 
              sein Kompagnon allerdings wegen eines 
              Versto&szlig;es gegen das Bundesausfuhrgesetz 
              vom Landgericht M&uuml;nster verurteilt. 
              Ihre Millionen hatte die Firma mit der 
              Lieferung von Maschinen, Werkzeug und 
              Material zur Aufr&uuml;stung irakischer 
              Scud- zu Al-Hussein-Raketen verdient. 
            </p>
            <p>Dank dieses Equipments k&ouml;nnen irakische 
              Raketen Tel Aviv erreichen. Die Stadt 
              Drensteinfurt reagierte sofort. Und mit 
              dem Gedenkstein ist &uuml;ber Nacht auch 
              die Erinnerung an den kurzen Moment verschwunden, 
              als das westf&auml;lische Nest Kontakt 
              zur Weltpolitik hatte. </p>
            <p><i>in: jungle world Nr. 34/2002 - 14. 
              August 2002 </i><br>
            </p>
            </div><!-- stopprint -->
        <div class="foot">
		<hr size="1">
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      </td>
  </tr>
  <tr> 
    <td colspan="3" height="32"></td>
  </tr>
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