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<title>Wie Feuer und Benzin?</title>
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<meta name="description" content="Irakische Frauen und Jugendliche on Air">
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        <p><img src="../../img/blind.gif" width="130" height="8">
          <a href="../../index.htm"><img src="../../img/logo-blau_32x100.gif" onFocus="if(this.blur)this.blur()" width="100" height="32" border="0"></a></p>
        <p>&nbsp;</p>
        <p><a href="#" onClick="history.back()"><img src="../../img/textback.gif" width="38" height="25" border="0" alt="zur&uuml;ck"></a></p>
      </div>
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      <div class="text"> 
        <h2><br>
Wie Feuer und Benzin?</h2>
        <h4> Irakische Frauen und Jugendliche on Air</h4>
        <p>Von Mary Kreutzer und Sandra Strobel</p>
		<p>Nach dem Sturz einer der schrecklichsten Diktaturen der Geschichte des Nahen
		  Osten, des Ba&rsquo;th-Regimes, entstand f&uuml;r Frauen und M&auml;nner im Irak ein
		  Freiraum, der trotz des anhaltenden Terrors und der traditionell patriachal
		  gepr&auml;gten Gesellschaftsstrukturen in einigen Gebieten des Landes von der
		  Zivilbevoelkerung genutzt wird. Zum Beispiel von jenen Jugendlichen im
		  nordirakischen Gebiet von Sharasur, Halabja und Hauraman, die mit dem Sender
		  &bdquo;Dengue Nu&eacute;&ldquo; (Neue Stimme) ein einzigartiges Projekt umsetzten: sie
		  gr&uuml;ndeten ein parteiunabh&auml;ngiges Community Radio, das nach acht Monaten
	    Vorbereitung und Probephase ab September 2005 live on air geht. </p>
        <p><strong>Ein Radio-Pionierprojekt f&uuml;r den Irak</strong></p>
        <p>Die Regionalregierung, religi&ouml;se F&uuml;hrer und diverse Parteien sind aus den
          inhaltlichen, personellen und strukturellen Entscheidungen des Radios
          ausgeschlossen. Die irakisch-deutsch-&ouml;sterreichische Hilfsorganisation Wadi 
          unterstuetzt das Radioteam sowohl technisch als auch finanziell. Thematisch
          besch&auml;ftigt sich der Sender mit den Problemen von Frauen und Jugendlichen.
          Die Radiocrew will dadurch ein Bewusstsein f&uuml;r die Notwendigkeit von
          Frauenrechten und Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Jugend schaffen und Frauen ein
        &ouml;ffentliches Forum bieten. Das Radio bietet seinen Hoerern eine Mischung aus
          Nachrichten, Aufklaerung, Information und Unterhaltung an. </p>
        <p>Der Sender besteht aus 7 Mitarbeiterinnen und 4 Mitarbeitern im Alter von 19
          bis 28 Jahren. Sie sind allesamt &Uuml;berlebende des Giftgasangriffs Saddams
          Husseins auf Halabja und teilen das Trauma von Tod und Vertreibung, Flucht
          und Exil, R&uuml;ckkehr und Internierung in Collective Towns. Im M&auml;rz 1988 waren
          die BewohnerInnen Halabjas mit einem Giftgasgemisch eingenebelt worden, das
          f&uuml;r Tausende sofort t&ouml;dlich war und die &Uuml;berlebenden auf Lebenszeit
          vergiftete. Holl&auml;ndische und deutsche Firmen lieferten das Gas. Die
          Krebsrate und Infertilit&auml;t ist nirgends in Kurdistan so erschreckend hoch
          wie hier. Das Gebiet wurde nach dem Gasangriff staatlich &bdquo;ger&auml;umt&ldquo; und die
          Bewohner fl&uuml;chteten meist in den Iran. Nach jahrzehntelanger Flucht leben
          die Menschen heute wieder an genau dem Ort, an dem sie den Giftgasangriff
          erlebten. Mit unglaublicher Energie haben sie ihre Stadt wieder aufgebaut.
          Seit 1988 sind in jeder Familie &uuml;berdurchschnittlich viele Menschen an Krebs
          gestorben, psychologische Betreuung ist bis heute schlichtweg inexistent,
          finanzielle Entsch&auml;digung gab es nur f&uuml;r direkte Verwandte der Todesopfer
          vom M&auml;rz 1988. </p>
        <p>Auch die Freude &uuml;ber die partielle Befreiung des Nordiraks im Jahr 1991
          konnten die BewohnerInnen Halabjas nur kurz genie&szlig;en, denn bald etablierten
          islamistische Gruppen ein Terrorregime. Mit der Befreiung des Irak 2003
          wurde ihrer Herrschaft ein Ende gesetzt. &bdquo;Ich kann meine Gef&uuml;hle dar&uuml;ber
          kaum in Worte fassen&ldquo;, erz&auml;hlt Zhihan vom Radioteam, &bdquo;doch eines steht fest:
          in diesem Jahr hat sich alles in meinem Leben ver&auml;ndert.&ldquo; Im Jahr 2000
          musste sie die Schule abbrechen, weil sie sich geweigert hatte, ihr Haar zu
          bedecken. Die Islamisten dominierten die Schulen und drangsalierten M&auml;dchen,
          die das Kopftuch verweigerten oder dieses anders als &bdquo;vorschriftsgem&auml;&szlig;&ldquo;
          trugen. Aus &auml;hnlichen Gr&uuml;nden hat auch sonst niemand im Radioteam einen
          Schulabschluss erreicht. Jahandin verlie&szlig; die Schule, da er seinen Vater
          durch den Gasangriff verlor und somit f&uuml;r seine Familie verantwortlich war.
          Heresch brach die Grundschule ab, nachdem das Schulgeb&auml;ude bombardiert
          wurde. Wie viele KurdInnen hatten die Eltern Angst, ihre Kinder t&auml;glich
          diesem Risiko auszusetzen. </p>
        <p>Analphabetentum ist im Nordirak auch bei der heutigen Jugend 
          weitverbreitet. Die Analphabetenrate variert von Ort zu Ort. Halabja ist auf
          Grund seiner Geschichte einer der vielen Orte der besonders viele
          AnalphabetInnen und verfr&uuml;hte Schulabg&auml;ngerInnen hat. 
          Ein Radio ist daher das geeignete Medium, um den Menschen die Chance zu
          geben, ihr Recht auf Meinungs&auml;u&szlig;erung und Bildung in Anspruch zu nehmen.
          Auch die entlegensten Regionen k&ouml;nnen so erreicht werden.
          Im Jahr 2003 entstand innerhalb kurzer Zeit eine pluralistische
          Medienlandschaft, die im Nahen Osten ihresgleichen sucht. </p>
        <p>Heute erscheinen hunderte von Tageszeitungen, etliche neue TV- und
          Radiostationen nahmen den Betrieb auf. Doch die meisten dieser Medien sind
          parteiabh&auml;ngig. So entstand im Halabja Women Center die Idee, einen
          parteiunabhaengigen Radiosender zu gr&uuml;nden. Mit einer Starthilfe von Wadi,
          der US-amerikanischen Organisation ACDI-Voca und dem spanischen Radio Gladys
          Palmera wurde die Radiostation aufgebaut. Alle internen Entscheidungen
        &uuml;ber das Radio werden seitdem ausschlie&szlig;lich vom MitarbeiterInnenteam
          getroffen. Nach au&szlig;en repr&auml;sentiert ein rotierendes Gremium von drei Dengue
          Nu&eacute;-Mitgliedern das Radio. 
        </p>
        <p><strong>Dengue Nu&eacute; als Symbol einer neuen Generation</strong></p>
        <p>Die MitarbeiterInnen des Radioteams bewarben sich, als sie erfuhren, dass
          dieses Radio kein weiterer Parteisender ist. &bdquo;So etwas hat es hier noch nie
          gegeben&ldquo;, meint Queisar, &bdquo;einen unabh&auml;ngigen Sender, der
          zivilgesellschaftliche Strukturen schafft und unterst&uuml;tzt!&ldquo; Unter dem
          Ba&rsquo;th-Regime und sp&auml;ter unter den Islamisten waren unabh&auml;ngige Radioprojekte
          nicht erlaubt. &bdquo;Das Radio soll helfen, diese Versp&auml;tung, all die verlorene
          Zeit wieder aufzuholen&ldquo;, erkl&auml;rt Queisar. &bdquo;Es soll zum Symbol einer neuen
          Generation werden.&ldquo; Der Schwerpunkt liegt daher auf Themen wie Umgang mit
          Behinderungen, Gewalt an Frauen, Gesundheit, Sexualit&auml;t, der rechtliche
          Status der Frauen und Kampf gegen Vorurteile.
          60 % der irakischen Bev&ouml;lkerung sind Jugendliche. Daher ist es zur Sicherung
          einer friedlichen Zukunft entscheidend, gerade bei ihnen das Verst&auml;ndnis f&uuml;r
          demokratische Institutionen und Vernetzung durch Eigeninitiative zu
          schaffen. Erfan m&ouml;chte Toleranz und Verantwortungsbewusstsein f&ouml;rdern. Das
          Radio soll Frauen helfen, aus dem gesellschaftlichen Gef&auml;ngnis zu
          entfliehen. </p>
        <p>&bdquo;Das Radio ist f&uuml;r viele Frauen die einzige Bildungsm&ouml;glichkeit&ldquo;, erkl&auml;rt
          Hero. Auch viele M&auml;nner empfinden die traditionelle Gesellschaft als ein
          Gef&auml;ngnis. &bdquo;Wir Jugendliche haben noch viel zu tun&ldquo;, sagt Heresch. Das Radio
          soll der Gesellschaft die Bed&uuml;rfnisse und Tr&auml;ume kurdischer Jugendlicher zu
          Ohren bringen. Es sendet einen Mix aus moderner kurdischer, arabischer,
          persischer und englischer Musik. </p>
        <p>Auf Ablehnung seitens der Parteien und v.a. aus den Reihen traditioneller
          Bev&ouml;lkerungsschichten ist das Radioteam gefasst. Ein weiteres Problem ist
          die Meinung traditioneller Bev&ouml;lkerungsschichten: Zhihan berichtet: &bdquo;Ein
          gemischter Arbeitsplatz wird hier als &sbquo;schlechter Ort&rsquo;, und Frauen, die sich
          dort aufhalten als `schlechte M&auml;dchen&rsquo;, bezeichnet.&ldquo;. Doch die
          MitarbeiterInnen wollen sich nicht einsch&uuml;chtern lassen. &bdquo;Ich tue alles f&uuml;r
          das Radio, denn ich tue hier etwas fuer meine Stadt!&ldquo; sagt Heresch.
          Insgesamt hat das Radio bis jetzt viel positives Feedback bekommen.</p>
        <p><strong>Zor bascha. Die Jungs helfen uns! </strong></p>
        <p>Auf die Frage, wie es denn nun ist, im gemischten Team zu arbeiten,
          antworten die M&auml;dchen &bdquo;Zor bascha. (Sehr gut). Die Jungs helfen uns!&ldquo;
          Jahandin erkl&auml;rt: &bdquo;Wir sind ein Modell daf&uuml;r, dass M&auml;nner und Frauen
          zusammenarbeiten k&ouml;nnen. M&auml;nner und Frauen sind nicht `wie Feuer und
          Benzin&rsquo;, wie die lokale Tradition behauptet.&ldquo; Und wie w&uuml;nschen sich die
          jungen M&auml;nner die Zukunft der Frauen? &bdquo;Ich sehe keinen Unterschied zwischen
          M&auml;nnern und Frauen. Frauen sollen tun k&ouml;nnen, was M&auml;nner tun, denn Frauen
          sind die H&auml;lfte unserer Gesellschaft.&ldquo; Wegen dieser Einstellung wird er von
          manchen als Verr&uuml;ckter bezeichnet. </p>
        <p>Erfan w&uuml;nscht sich, mit seinen Kolleginnen abends spazieren zu k&ouml;nnen. &bdquo;Bei
          uns liegt alles in der Hand der M&auml;nner. Das muss sich &auml;ndern. Ich bin gegen
          Zwangsheirat. Auch M&auml;nner f&uuml;hlen sich wie im Gef&auml;ngnis. Die Religion erlaubt
          Liebesheirat, aber die Leute missbrauchen Traditionen.&ldquo; Queisar erkl&auml;rt:
        &bdquo;M&auml;nner und Frauen erg&auml;nzen sich, aber die Gesellschaft versteht uns bisher
          nicht.&ldquo; Vertreter dieser Ansicht geh&ouml;ren im Irak zu einer Minderheit. &bdquo;Das
          Problem unserer Gesellschaft ist, dass M&auml;nner und Frauen sich &uuml;berhaupt
        nicht kennen. Die Gesellschaft kennt sich nicht.&ldquo; </p>
        <p><br>
          <em><strong>Mary Kreutzer</strong></em> ist Redakteurin des Multimediaprojekts Context XXI und
          Mitarbeiterin von Wadi. Im Fr&uuml;hjahr 2005 leitete sie im Irak ein Workshop
          f&uuml;r die MitarbeiterInnen von Radio Dengue Nu&eacute;. Zuletzt recherchierte sie f&uuml;r
          die spanische Ausgabe von Waris Diries &bdquo;Schmerzenskinder&ldquo; &uuml;ber FGM in
          Spanien. </p>
        <p><em><strong>Sandra Strobel</strong></em> studierte Geschichte, Franz&ouml;sisch und Spanisch und ist
          Mitarbeiterin der Hilfsorganisation Wadi. Zur Zeit befindet sie sich im
        Nordirak</p>
        <p>
          <br>
          erschien in: <a href="http://www.frauensolidaritaet.org" target="_wadiout">Frauensolidarit&auml;t</a> 3/2005, 
          Schwerpunkt: Junge Frauen und Medien</p>
        <p></p>
      </div>
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      <div class="foot">
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        WADI e.V. | tel.: (+49) 069-57002440 | fax (+49) 069-57002444 <br>
        <a href="http://www.wadinet.de">http://www.wadinet.de</a> | e-mail: <SCRIPT LANGUAGE="JavaScript" src="../../scripte/inserts/atinfo.js"></script></div></td>
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