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<title>Eliminatoren und Bezwinger</title>
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<meta name="description" content="Die &#8222;Hauptopfer der Weltgeschichte&#8220; als latent Homosexuelle, 
          die Schwule hassen">
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        <p>&nbsp;</p>
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        <h2> Eliminatoren und Bezwinger</h2>
        <h4>Die &#8222;Hauptopfer der Weltgeschichte&#8220; als latent Homosexuelle, 
          die Schwule hassen</h4>
        <p><em>von Christian Knoop</em></p>
        <p> &#8222;Die meisten muslimischen Kulturen haben gegen&uuml;ber Homosexualit&auml;t 
          eine indifferente, wenn nicht gar bewundernde Haltung&#8220;, schrieb 
          im Jahre 1980 der schwule Geschichtsschreiber und Yale-Professor John 
          Boswell. Dass der Islam traditionell eine &#8222;positive Einstellung 
          gegen&uuml;ber schwuler Sexualit&auml;t&#8220; habe, so Boswell weiter, 
          zeige schon die Lekt&uuml;re der klassischen arabischen Dichtung, die 
          &#8222;Schwule und ihre Sexualit&auml;t mit Respekt oder lockerer Akzeptanz&#8220; 
          behandle, aber auch die Verbreitung m&auml;nnlicher Prostitution in 
          herk&ouml;mmlichen moslemischen Gesellschaften oder die historisch belegten 
          Liebesbeziehungen zahlreicher islamischer Herrscher, Gelehrter oder 
          sonstiger W&uuml;rdentr&auml;ger zu jungen M&auml;nnern oder Knaben. 
          (1) Hass gegen&uuml;ber schwuler Sexualit&auml;t, so liest man auch 
          in sogenannten linken Publikationen, sei ein Importgut aus dem Westen, 
          eingeschleppt von europ&auml;ischen Kolonialisten, die die &#8222;gesunden&#8220;, 
          toleranten Strukturen der arabischen Gemeinschaften zerschlagen h&auml;tten 
          und die dort Lebenden zw&auml;ngen, sich unter anderem auch auf eine 
          eindeutige &#8211; bin&auml;re, wie es im politisch korrekten Sprech 
          heute hei&szlig;t &#8211; Geschlechtsidentit&auml;t festzulegen. Vor 
          dem Einfall europ&auml;ischer Truppen habe es das ganze Problem nicht 
          gegeben: Die M&auml;nner, so die Behauptung, h&auml;tten irgendwo zwischen 
          Freundschaft und sexueller Begierde frei und ungestraft Z&auml;rtlichkeiten 
          und Freundschaftsbeweise ausgetauscht und miteinander auch schon einmal 
          den Geschlechtsakt vollzogen. Sie seien aber nie in die Verlegenheit 
          gekommen, sich als ausschlie&szlig;lich schwul zu outen und sich so 
          au&szlig;erhalb der patriarchalisch strukturierten Gemeinschaft zu stellen. 
        </p>
        <p><strong><br>
          Orgien in Siwa</strong></p>
        <p>Obwohl es im arabischen Raum, &auml;hnlich wie im europ&auml;ischen 
          Mittelalter, Schwule tats&auml;chlich selbst im Bewusstsein derer, die 
          sich zum eigenen Geschlecht hingezogen f&uuml;hlen, bis heute kaum gibt 
          &#8211; schon der Umstand, dass es im Hocharabischen kein Wort f&uuml;r 
          Homosexualit&auml;t gibt, spricht f&uuml;r diese These &#8211;, nahm 
          die Verfolgung offen praktizierter gleichgeschlechtlicher Sexualit&auml;t 
          nicht erst mit der Kolonialgeschichte ihren Anfang. </p>
        <p>Nach der 1820 erfolgten Eroberung der in der libyschen W&uuml;ste liegenden 
          Oase Siwa ordnete der osmanische Gouverneur &Auml;gyptens, Muhammed 
          Ali, nicht nur die Pl&uuml;nderung der mit arch&auml;ologischen Fundgruben 
          reich gesegneten Stadt und den Ausbau der Oasengruppe zum milit&auml;rischen 
          Vorposten an, sondern versuchte zudem die eine oder andere Gepflogenheit 
          ihrer etwa 10.000 Einwohner zu unterbinden. Die Abgeschiedenheit der 
          von zwei Berberst&auml;mmen bewohnten Oasenstadt hatte bis dahin neben 
          einem eigenen Berberdialekt, auch eine ganze Reihe anderer Besonderheiten 
          zu bewahren geholfen: Aufgrund der auch in Siwa rigide praktizierten 
          Trennung der Geschlechter lebten dort die Frauen und Familien innerhalb 
          der Stadt, w&auml;hrend alle unverheirateten jungen und freien M&auml;nner 
          Siwas, &#8222;Zaggalahs&#8220; genannt, in au&szlig;erhalb der Stadtmauern 
          liegenden Zeltst&auml;dten angesiedelt waren. Die J&uuml;nglinge begn&uuml;gten 
          sich dort nicht damit, wie in reinen M&auml;nnergemeinschaften nicht 
          un&uuml;blich, aufgrund des Mangels an Frauen, an die sich die fleischliche 
          Begierde heften k&ouml;nnte, sich klammheimlich einen anderen Mann zum 
          Gespielen zu suchen, sondern feierten regelrechte Sexorgien: &#8222;Die 
          Parties w&auml;hrend des Tages waren eher ruhig. Aber abends, wenn sie 
          betrunken waren, begannen sie im Kreis zu tanzen. Dabei zogen sie sich 
          bis auf den G&uuml;rtel aus, rieben sich aneinander und f&uuml;hrten 
          erotische Tanzbewegungen aus.&#8220; (2) Doch auch damit nicht genug: 
          Unter den &#8222;Zaggalah&#8220; waren sogar M&auml;nnerehen &uuml;blich, 
          die &auml;hnlich den heterosexuellen mit einer Art &#8222;Ehevertrag&#8220; 
          besiegelt wurden. &#8222;Darin sah man durchaus nichts Verachtenswertes, 
          das sorgf&auml;ltig verheimlicht werden m&uuml;sse; im Gegenteil wurden 
          bis vor nicht allzu langer Zeit [bis 1904] derartige Heiraten unter 
          M&auml;nnern ganz &ouml;ffentlich mit gro&szlig;en Gepr&auml;nge gefeiert.&#8220; 
          (3) Die Versuche Alis und anderer, die in ganz &Auml;gypten bis heute 
          Verschrieenen von ihrer offen praktizierten Homosexualit&auml;t abzubringen, 
          scheiterten zun&auml;chst. Unter dem Einfluss des islamistischen Senussi-Ordens, 
          der Siwa zu einem seiner Zentren ausbaute, versch&auml;rfte sich jedoch 
          das Vorgehen gegen die &#8222;Schwulenehen&#8220;, die sp&auml;testens 
          seit 1928 nur noch heimlich zelebriert werden konnten. Schlie&szlig;lich 
          gelang es dem Panarabisten Nasser in den 1950er Jahren, die Aus&uuml;bung 
          der noch existierenden &#8222;Zaggalah&#8220;-Br&auml;uche zu verbieten. 
          Nichts desto weniger gilt Siwa nicht nur in &Auml;gypten bis heute als 
          Hochburg verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig offen praktizierter mann-m&auml;nnlicher 
          Sexualkontakte. Schwule Sextouristen &#8211; &uuml;berwiegend aus Europa 
          &#8211; machen einen Gro&szlig;teil der Besucher der Oasenstadt aus.</p>
        <p><strong><br>
          Schwulenclubs in Kairo</strong></p>
        <p>Doch nicht nur in der Oasenstadt Siwa wurde und wird versucht, &ouml;ffentliches 
          schwules Leben zu unterbinden. Die Besucher des &#8222;Queen Boat&#8220;, 
          eines Nachtclubs auf einem Nilschiff in Kairo, m&uuml;ssen ausgesprochen 
          &uuml;berrascht gewesen sein, als in der Nacht des 11. Mai 2001 die 
          &auml;gyptische Polizei das Schiff st&uuml;rmte, das bis dahin einer 
          der wenigen geduldeten inoffiziellen Treffpunkte &auml;gyptischer Schwuler 
          war. Ihre &Uuml;berraschung wich allerdings Entsetzen, als die Polizei 
          fast alle Besucher des Schiffes verhaftete, da sie keine weibliche Begleitperson 
          vorweisen konnten, und sie rektal &#8222;untersuchte&#8220;, um festzustellen, 
          ob sie zuvor Analverkehr gehabt hatten. Doch die &#8222;Spurensicherung&#8220; 
          allein reichte den &auml;gyptischen Beh&ouml;rden nicht aus. Einige 
          der 52 Festgenommenen erz&auml;hlten sp&auml;ter, dass sie unter der 
          Folter gezwungen worden waren, ihre &#8222;Geringsch&auml;tzung der 
          Religion&#8220; zu &#8222;gestehen&#8220;, die sich daraus ergebe, dass 
          sie sich &#8222;unmoralischen Verhaltens&#8220; schuldig gemacht und 
          &#8222;Ausschweifungen&#8220; hingegeben h&auml;tten. Obwohl der Prozess 
          international sehr beachtet wurde, Amnesty International eine &#8222;urgent 
          action&#8220; zugunsten der Inhaftierten startete, weltweit Schwulenorganisationen 
          vor &auml;gyptischen Einrichtungen protestierten, Mitglieder des Repr&auml;sentantenhauses 
          der USA sich schriftlich an die Regierung &Auml;gyptens wandten und 
          der franz&ouml;sische Pr&auml;sident Chirac erfolglos pers&ouml;nlich 
          bei seinem Freund Mubarak vorsprach, wurde er nicht eingestellt, sondern 
          endete im November 2001 mit 29 Freispr&uuml;chen und 22 Haftstrafen 
          zwischen einem und drei Jahren. Da Homosexualit&auml;t in &Auml;gypten 
          zwar ein gesellschaftliches Tabu ist, aber anders als z.B. in Algerien 
          keinen strafrechtlichen Verfolgungsgrund mehr darstellt, wurden die 
          bei der Razzia verhafteten Schwulen, wegen &#8222;des Verdachtes auf 
          Perversion&#8220; (FR, 08.10.2001) angeklagt, was mit Hilfe eines schwammig 
          formulierten Paragraphen, der &#8222;unz&uuml;chtiges Verhalten in der 
          &Ouml;ffentlichkeit&#8220; (NZZ, 07.09.2001) unter Strafe stellt, zu 
          legitimieren versucht wurde.</p>
        <p>Dass man dergleichen Tatbest&auml;nde lieber vor der geistlichen als 
          der staatlichen Gerichtsbarkeit verhandelt und die betreffenden M&auml;nner 
          lieber nach der Scharia als dem &#8222;b&uuml;rgerlichen&#8220; Strafgesetzbuch 
          gerichtet s&auml;he, versucht nicht einmal die weltliche F&uuml;hrung 
          des Landes zu verschleiern. Die Mehrzahl der &auml;gyptischen Politiker 
          ist sich mit den Imamen und mit einer gro&szlig;en Mehrheit aller &Auml;gypter, 
          von denen einige sich zu Prozessbeginn in w&uuml;sten Beschimpfungen 
          der Angeklagten ergingen, darin einig, dass die angeklagten M&auml;nner 
          sich einer &#8222;S&uuml;nde wider Gott&#8220; schuldig gemacht und 
          die &#8222;nat&uuml;rlichen Grenzen, die Gott (...) gesetzt hat&#8220;, 
          &uuml;berschritten h&auml;tten (NZZ, 07.09.2001). Damit haben sie sich 
          nach islamischem Recht nicht nur der Homosexualit&auml;t schuldig gemacht, 
          sondern sich zugleich gegen die gottgegebene Ordnung vergangen, was 
          mit der Leugnung des Islam gleichbedeutend ist. Dieser schwerste Straftatbestand 
          wird nach der Scharia mit der Todesstrafe geahndet. Demnach lautete 
          die Botschaft des formal s&auml;kularen &Auml;gyptens an die sich langsam 
          entwickelnde, kleine Schwulenszene von Kairo: &Uuml;bertreibt es blo&szlig; 
          nicht! </p>
        <p>&#8222;Es gibt keinen Raum, Muslim und schwul zugleich zu sein&#8220;, 
          verk&uuml;ndet Taher Jaber al-Awani, Pr&auml;sident des Kollegs f&uuml;r 
          Islamstudien in Leesburg, Virginia, apodiktisch. Genau deshalb, so pflichtet 
          ihm Ali Mansur, Mediziner an der University of Missouri, bei, h&auml;tte 
          &#8222;ihnen [den Besuchern des Queen Boat] niemals erlaubt werden d&uuml;rfen, 
          ihre Aktivit&auml;ten auf &auml;gyptischem Boden auszuf&uuml;hren&#8220;. 
          (Ebenda) Wenn man einer Minderheit, und sei sie auch noch so marginal, 
          zugest&uuml;nde verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig frei die eigenen Triebe 
          auszuleben, dann lasse man zu, dass die Sexualit&auml;t partiell von 
          den Fesseln der Ehe befreit werde, die in islamischen L&auml;ndern der 
          einzige erlaubte Rahmen ist, in dem der Geschlechtsakt vollzogen werden 
          darf. Wenn man also zul&auml;&szlig;t, dass die Lust individualisiert 
          wird, so lautete die unausgesprochene Bef&uuml;rchtung nicht nur der 
          Mullahs und ihrer Anh&auml;nger, dann gerate die gesamte Ordnung der 
          Gemeinschaft in Gefahr.</p>
        <p><strong><br>
          Mann vs. Nicht-Mann</strong></p>
        <p>In islamischen Gemeinschaften, fielen lange bevor es die Schwulen als 
          eindeutig definierte Gruppe &uuml;berhaupt gab, die Frauen, die traditionell 
          mit unsublimierten Triebanspr&uuml;chen identifiziert wurden und werden, 
          einem rigiden Sittengesetz zum Opfer. Die Gesetze des Koran schreiben 
          nicht nur vor, dass die Frau hinterm Vorhang (purdah) sich zu verstecken 
          h&auml;tte, sie greifen auch unmittelbar in das Geschehen zwischen Mann 
          und Frau ein, indem sie etwa regeln, wie und wann der Beischlaf zu erfolgen 
          habe, um Allah zu Gefallen zu sein.</p>
        <p>Doch nicht nur das biologische Geschlecht des Einzelnen ist daf&uuml;r 
          ausschlaggebend, was er in der Gemeinschaft gilt; auch die Rolle, die 
          er im Akt selbst einnimmt, ob er Penetrierender oder Penetrierter ist, 
          ob er Besitz ergreift oder genommen wird, entscheidet &uuml;ber seinen 
          Status mit. Erstere gelten als M&auml;nner, letztere als Nicht-M&auml;nner, 
          zu denen neben Frauen und M&auml;dchen auch Knaben, Transvestiten, &#8222;effeminierte&#8220; 
          M&auml;nner und &#8211; bedingt &#8211; Nicht-Moslems, beispielsweise 
          in Gestalt von Touristen, gez&auml;hlt werden. F&uuml;r die das arabisch-islamische 
          Mittelalter pr&auml;gende st&auml;dtische Mittelschicht geh&ouml;rten 
          ferner Sklaven sowie Nomaden, Eunuchen aber auch unterworfene Feinde 
          zur Gruppe der Nicht-M&auml;nner. (4)</p>
        <p>Seit dem arabisch-islamischen Mittelalter existieren Gedichte, M&auml;rchen 
          und Lieder, in denen Knaben, denen die Sehnsucht der Autoren h&auml;ufig 
          gilt, &auml;hnlich umschrieben werden wie z.B. im europ&auml;ischen 
          Minnegesang und auch in der arabischen Dichtung selbst die Frauen. Gepriesen 
          wird die &#8222;Zartheit, Weichheit&#8220; der Knaben, die z&auml;rtlich 
          als &#8222;Arsch-Gebende&#8220; oder &#8222;Gefickte&#8220; bezeichnet 
          werden. Der Penetrierende, der Mann, wird hingegen als &#8222;Eliminator&#8220;, 
          oder &#8222;Bezwinger&#8220; verherrlicht, der den Penetrierten &#8222;schl&auml;gt&#8220; 
          oder &#8222;abhakt&#8220;.</p>
        <p>Wie in der europ&auml;ischen Dichtung des Mittelalters bleibt auch 
          die Sehnsucht arabischer Poeten eine unerf&uuml;llte, die oftmals &#8211; 
          wie in der t&uuml;rkischen Arabesk-Musik der Gegenwart &#8211; mit dem 
          Tod des &#8222;Liebenden&#8220; endet oder in blinden Hass umschl&auml;gt. 
          Aus der Tatsache, dass viele Dichter, darunter so ber&uuml;hmte wie 
          Abu Nuwas, der Hofdichter des Kalifen Harun Al-Rashid, die Sch&ouml;nheit 
          der Knaben in den blumigsten Worten priesen, ein angeblich &#8222;schwules&#8220; 
          arabisch-islamischen Mittelalters zu basteln, wie es verschiedene schwule 
          Geschichtsschreiber z.B. John Boswell tun, sollte sich eigentlich von 
          selbst verbieten. Wie in der antiken Dichtung, existiert der Knabe auch 
          in der arabischen ausschlie&szlig;lich als Objekt, an das sich die Begierde 
          eines erwachsenen Mannes heftet. Nicht von gleich zu gleich wird er 
          besungen, nicht auf seine freie Zustimmung zum Akt hingearbeitet, sondern 
          erwogen, wie der &#8222;Geliebte&#8220; vom &#8222;Liebenden&#8220; 
          am Besten bestochen, &uuml;berlistet oder notfalls &uuml;berw&auml;ltigt 
          werden kann. &#8222;Ich jedenfalls&#8220;, so bemerkt der Islamwissenschaftler 
          Arno Schmitt treffend, &#8222;halte eine Beziehung, in der einer spricht 
          und einer schweigt, in der einer spricht und der andere besprochen wird, 
          in der einer Sex will und der andere Geschenke, nicht f&uuml;r ,schwul&#8217;&#8220;. 
          (5)</p>
        <p><strong><br>
          &Ouml;ffentlichkeit als Kontrollinstanz</strong></p>
        <p>Wie den &#8222;Geliebten&#8220; in der Dichtung dominierten die freien 
          erwachsenen M&auml;nner im arabisch-islamischen Mittelalter den privaten 
          und den &ouml;ffentlichen Raum. Im &#8222;Haus&#8220; herrschten sie 
          &uuml;ber ihre Frauen und Sklaven, au&szlig;erhalb kontrollierten sie 
          den &ouml;ffentlichen Raum. Sex mit Jungen oder m&auml;nnlichen Prostituierten 
          machte sie zwar im privaten Lebensbereich im religi&ouml;sen Sinn zu 
          &#8222;S&uuml;ndern&#8220;, doch beeintr&auml;chtigte dies weder ihre 
          &ouml;ffentliche Position als Mann noch &#8222;beschmutzte&#8220; ihr 
          Tun &#8211; anders als es bei einer Frau der Fall gewesen w&auml;re, 
          die sich einem anderen als dem ihr Angetrauten hingibt &#8211; die Ehre 
          der ganzen Familie. Im Gegenteil: Die Penetration eines erwachsenen 
          Mannes, die &Uuml;berw&auml;ltigung des ihm Gleichen, verst&auml;rkt 
          eher noch die Hypermaskulinit&auml;t des Haushaltsvorstandes. Symbolisiert 
          diese Penetration doch in st&auml;rkerem Ma&szlig;e als der Akt mit 
          einem oder einer Unfreien, sei es eine Frau, ein Prostituierter, ein 
          Knabe oder ein Sklave, seine &Uuml;berlegenheit und Macht &uuml;ber 
          einen Starken und dennoch Passiven. So wurden im Kalifat m&auml;nnliche 
          Eindringlinge in den Harem den m&auml;nnlichen Sklaven zur Vergewaltigung 
          &uuml;berlassen, unterworfene Feinde zur zus&auml;tzlichen Erniedrigung 
          penetriert &#8211; ein schon aus der griechischen Antike bekanntes Ph&auml;nomen. 
        </p>
        <p>Das vorl&auml;ufige Scheitern islamischer Expansionsbem&uuml;hungen 
          und schlie&szlig;lich der Zerfall des Osmanischen Reiches und damit 
          des Kalifats, bedeutete zwar das Ende der alten Ordnung, an dem &uuml;berlieferten 
          Verh&auml;ltnis der Geschlechter wurde aber um so verzweifelter fest 
          gehalten, je weiter sich traditionelle Eigentums- und Produktionsverh&auml;ltnisse 
          aufl&ouml;sten. Die einzige Macht, die dem seines gesellschaftlichen 
          Gewichts und seines &ouml;konomischen Einflusses beraubten Patriarchen 
          noch aktiv auszu&uuml;ben blieb, war die &uuml;ber die Frauen, die Kinder, 
          die &#8222;Nicht-M&auml;nner&#8220; eben, denen weiterhin blo&szlig; 
          au&szlig;erhalb des &ouml;ffentlichen Raumes zu existieren zugestanden 
          wird. Nichts erscheint ihm daher bedrohlicher als die Vorstellung von 
          erwachsenen M&auml;nnern, die Freude am passiven Sexualverkehr mit anderen 
          M&auml;nnern empfinden, M&auml;nnern, die freiwillig auf das verzichten, 
          was ihm sein letztes Gut zu sein scheint: Die M&ouml;glichkeit im Akt 
          der Penetration von einem anderen aktiv Besitz zu ergreifen. </p>
        <p>Die Knabenliebe, die organisierte P&auml;derastie, ist im gesamten 
          Nahen und Mittleren Osten und im Maghreb auch heute noch ein Massenph&auml;nomen. 
          Die Ethnologin Ingeborg Baldauf kam z.B. bei einer Studie in Afghanistan 
          zu dem Ergebnis, dass ca. 70 Prozent der m&auml;nnlichen Bev&ouml;lkerung 
          in p&auml;derastische Handlungen involviert seien. (6) Doch auch in 
          anderen L&auml;ndern des islamischen Raumes, wie z.B. Marokko, ist die 
          Prostitution von Knaben weit verbreitet. F&uuml;r den Mann ist der Knabe 
          deswegen leichter erreichbar als die M&auml;dchen und Frauen, weil dieser 
          mit der Beschneidung von der Mutter getrennt wird und sich unerfahren 
          und leicht zu beeindrucken fortan in der Welt der M&auml;nner bew&auml;hren 
          muss.</p>
        <p>Wird ein Knabe penetriert, gilt dies in den Augen des gesellschaftlichen 
          Umfeldes als nicht so gravierend wie bei einem erwachsenen Mann oder, 
          wenn auch aus anderem Grund, bei einer unverheirateten Frau. Der Knabe 
          hat es dadurch nur &#8222;schwerer&#8220;, die weibliche Rolle wieder 
          los und zum Mann zu werden. Die Schmach ist ferner je nach sozialer 
          Schicht des Knaben und des Penetrierenden und von Region zu Region unterschiedlich. 
          Ist die Familie des Knaben arm, wird Prostitution oft geduldet; ist 
          der Penetrierende eine hochgestellte Pers&ouml;nlichkeit &#8211; etwa 
          einer der unz&auml;hligen angeblichen Nachfahren des &#8222;Propheten&#8220; 
          oder ein Mullah &#8211;, w&auml;re es zudem zutiefst ungeh&ouml;rig, 
          sich &uuml;ber den Missbrauch zu beschweren. (7) Solange die Sache geheim 
          bleibt, ist eh alles in Ordnung, denn, so ein arabisches Sprichwort: 
          &#8222;Eine verborgene Schande ist zu zwei Dritteln vergeben&#8220;. 
          Irreparabler Schaden f&uuml;r den Ruf und die Ehre der Familie tritt 
          erst ein, wenn die Kunde davon, dass sich ein Spross der Familie &#8211; 
          aus welchen Gr&uuml;nden auch immer &#8211; hat penetrieren lassen, 
          an die &Ouml;ffentlichkeit dringt.</p>
        <p><strong><br>
          Kulturen der Schuldzuweisung, Ideologie der Ehre</strong></p>
        <p>Der an Allah Glaubende kann im Laufe seines Lebens zum S&uuml;nder 
          werden, wenn er es nicht nach den Gesetzen des Propheten ausrichtet 
          und verliert so den Schl&uuml;ssel zum Paradies. Doch er l&auml;dt nicht 
          Schuld, sondern Schande auf sich, wenn er sich gegen die religi&ouml;sen 
          Gesetze und letztlich gegen Allah vergeht und wird schlimmstenfalls 
          schon im Diesseits aus der Gemeinschaft versto&szlig;en. </p>
        <p>Historisch gr&uuml;ndet die Angst vor Isolation und Ausschluss aus 
          der Gruppe in den nomadischen Beduinengesellschaften, in denen es kein 
          Privateigentum gab. Dieser &auml;u&szlig;ere Druck, nur in der Gemeinschaft 
          &uuml;berlebensf&auml;hig zu sein, f&uuml;hrte zu einem enormen Anpassungszwang, 
          denn auf keinen Fall durfte man den Status eines vollwertigen Stammesmitgliedes 
          verspielen. Aufgrund der absoluten und heute zumindest noch nominellen 
          Oberherrschaft der Familie in arabischen Gesellschaften ist es irrelevant, 
          ob das Familienoberhaupt oder irgendein anderes Mitglied der Familie 
          oder Sippe eines sch&auml;ndlichen Verhaltens &uuml;berf&uuml;hrt wird: 
          Die Schande trifft alle. Die &#8222;beschmutzte&#8220; Familienehre 
          muss daher durch entsprechendes Handeln wiederhergestellt werden. Insbesondere 
          die Frauen gelten als symbolische und konkrete Tr&auml;ger der Ehre 
          der Familie. Haben sie Schande &uuml;ber die Familie gebracht, etwa 
          durch den Verlust ihrer Jungfr&auml;ulichkeit vor der Ehe - wobei es 
          keinen Unterschied macht, ob eine freiwillig eingegangene Liebesbeziehung 
          oder eine Vergewaltigung der Grund des &quot;Verlusts&quot; war- , werden 
          sie bestenfalls von der Familie ausgesto&szlig;en und vertrieben, schlimmstenfalls 
          von den eigenen Br&uuml;dern oder dem Vater umgebracht (Ehrt&ouml;tung). 
          Durch Entfernen des f&uuml;r alle sch&auml;dlichen weil sch&auml;ndlichen 
          weiblichen Mitglieds der Familie, kann die Ehre wiederhergestellt werden. 
          Die Tilgung der &ouml;ffentlich gewordenen Schande und die Wiederherstellung 
          der Reputation der Familie oder des Stammes, nicht aber der Sachverhalt 
          oder die Gef&uuml;hle bestimmen das Handeln.</p>
        <p>Da aber nicht sein darf, was geschehen ist, wird die eigentliche Ursache 
          f&uuml;r den der Schande zugrunde liegenden Sachverhalt oftmals &auml;u&szlig;eren 
          Faktoren zugeschrieben, die Verantwortung f&uuml;r eigenes Tun abgelehnt 
          und im Zweifel wilde Verschw&ouml;rungstheorien pr&auml;sentiert. Junge 
          M&auml;nner, die sich durch Ehrt&ouml;tung ihrer Schwester entledigten, 
          argumentieren oft damit, dass sie die Tat deshalb begehen mussten, weil 
          ihre Schwester, nachdem sie &#8222;westliche Werte&#8220; adaptiert 
          habe, zur Hure geworden sei. Der islamische Mann ist nach au&szlig;en 
          wie nach innen permanent mit dem Ziel in K&auml;mpfe verwickelt, seine 
          Ehre und die seiner Verwandten zu verteidigen. Der Kampf gegen den Westen, 
          Symbol f&uuml;r die insgeheim ersehnten aber verbotenen Ausschweifungen 
          und Z&uuml;gellosigkeiten, richtet sich mit gleicher H&auml;rte und 
          Gnadenlosigkeit nach innen. Der Krieg nach au&szlig;en ist die Folge 
          der misslungenen Vers&ouml;hnung zwischen Es und &Uuml;ber-Ich, die 
          bei erfolgreicher Konstitution des Ichs von eben diesem versucht wird. 
          Der eigene innere Konflikt wird externalisiert, die grenzenlosen Anspr&uuml;che 
          des Es mit dem Anderen identifiziert und als vermeintlich &#8222;fremde&#8220;, 
          zersetzende und unm&auml;nnlich Imaginierte in diesem mit brutalster 
          H&auml;rte bek&auml;mpft und zu zerst&ouml;ren versucht. Sexualit&auml;t, 
          die nicht der Reproduktion oder der unmittelbaren Triebabfuhr dient, 
          sondern zwei Menschen vereint, die in der Objektwahl sich gegenseitig 
          als Subjekte erkennen, f&auml;llt diesem Diktum zum Opfer.</p>
        <p><br>
          <strong>Einverleibung von Ungleichen</strong></p>
        <p>Der den Einzelnen &auml;u&szlig;erliche Kontrollmodus islamischer Gemeinschaften, 
          die im Koran, den Hadiths und der Scharia gr&uuml;ndenden Normen, die 
          religi&ouml;s begr&uuml;ndeten Ge- und Verbote, deren Befolgung f&uuml;r 
          den guten Ruf eines Jeden entscheidend ist, ersparen dem gl&auml;ubigen 
          Moslem die Ausbildung eines eigenen Gewissens. Die Angst, die eigene 
          Nonkonformit&auml;t k&ouml;nnte ans Licht kommen, dominiert alle Sexual- 
          oder Liebesbeziehungen au&szlig;er der Ehe und verhindert, dass die 
          &#8211; mehr oder weniger &#8211; bewusst getroffene Entscheidung des 
          entwickelten Ichs, das Gewissen und insgeheim gehegte W&uuml;nsche miteinander 
          in Einklang kommen k&ouml;nnen. Nonkonform verh&auml;lt sich unter der 
          verbreiteten Variante zwischenm&auml;nnlicher Sexualit&auml;t in muslimischen 
          Gesellschaften nur der Passive. Dadurch, dass er sich &#8222;bezwingen&#8220; 
          l&auml;sst, anstatt als &#8222;Eliminator&#8220; aufzutreten, sich also 
          der ihm qua Geburt zugeschriebenen Sexualrolle entzieht, gibt er sein 
          Recht auf, weiterhin Teil des &#8222;auserw&auml;hlten&#8220; Zirkels 
          zu sein. Nicht zuf&auml;llig wurden daher in &Auml;gypten all die M&auml;nner 
          zu Haftstrafen verurteilt, bei denen aufgrund der rektalen Untersuchung 
          der passive Analverkehr &#8222;nachgewiesen&#8220; werden konnte. </p>
        <p>Der Aktive hingegen gilt in der &Ouml;ffentlichkeit, auch wenn sein 
          Tun ruchbar wird, weiterhin als ganzer Kerl. Zwar handelt auch er nicht 
          unbedingt in Einklang mit den Gesetzen des Islam, doch schon im Koran 
          wird zwar tadelnd aber doch mit Nachsicht &uuml;ber dererlei W&uuml;stlinge 
          nachgesonnen: &#8222;Wollt Ihr Schandbarkeiten begehen? (...) Wahrlich 
          Ihr [M&auml;nner] kommt zu den M&auml;nnern im Gel&uuml;st statt zu 
          den Weibern. Ja, ihr seid ein ausschweifend Volk!&#8220; Nimmt sich 
          der Mann nicht einen anderen, sondern einen Knaben zum Gespielen, wird 
          ihm dagegen nicht einmal mehr mit Unverst&auml;ndnis f&uuml;r seine 
          Wahl begegnet werden (8), f&uuml;gt er so doch noch nicht einmal einem 
          anderen &#8222;vollwertigen&#8220; Mitglied der Gemeinschaft eine Schmach 
          zu.</p>
        <p>Nicht allein die Angst vor Sanktionen, l&auml;sst den Mann vom Verkehr 
          mit seinesgleichen zur&uuml;ckschrecken. Anders als in den Gesellschaften 
          des Abendlandes, in denen die Fixierung auf ein Objekt der Begierde, 
          wie sie sich in der (b&uuml;rgerlichen) Zweierbeziehung manifestiert, 
          die auf die gegenseitige Eroberung nicht nur der K&ouml;rper, sondern 
          des ganzen Menschen aus ist, darf die Partnerin oder der Partner des 
          islamischen Mannes keiner sein, der sich als ein Anderer behauptet, 
          f&uuml;r sich Befriedigung einfordert und somit im Widerspruch zur hermetischen 
          Abgeschlossenheit des K&ouml;rpers des Mannes steht. Sein Ideal besteht 
          nicht darin, sich und den Partner gegenseitig als Subjekt zu erkennen 
          und vor diesem Hintergrund zum Verliebtsein vorzusto&szlig;en, sondern 
          darin, sich im Akt der Penetration des Anderen zu bem&auml;chtigen, 
          ihn auszul&ouml;schen, wie die Selbstbeschreibung als &#8222;Eliminator&#8220; 
          schon verr&auml;t. Der insgeheim gehegte Wunsch, einmal sich hingeben 
          zu k&ouml;nnen wie einst der kleine Junge den liebkosenden H&auml;nden 
          seiner Mutter, denen er im Zuge seiner Initiation unwiderruflich entrissen 
          wurde, anstatt Befriedigung allein in der m&uuml;hsamen und verhassten 
          Ent&auml;u&szlig;erung finden zu d&uuml;rfen, diese Verlockung ist zu 
          gef&auml;hrlich, unterminiert sie doch alles, f&uuml;r das er als ausgewachsener 
          Mann zu stehen hat. </p>
        <p>Sexualit&auml;t ist dem gl&auml;ubigen oder allgemein traditionellen 
          islamischen Mann daher nur denkbar als Einverleibung von Ungleichen. 
          Frauen wie Knaben gelten nicht als vollwertige Mitglieder der Gemeinschaft, 
          nicht als ganze Menschen. Die eigenen Interessen zu verfolgen ist ihnen 
          untersagt, daher ist es einfach, sie zu bezwingen. Die gefahr, im Kampf 
          um die Aneignung des Anderen zu verlieren, die unter M&auml;nnern best&uuml;nde, 
          ist beim Verkehr mit Frauen oder Knaben ausgeschlossen. Liebe hingegen 
          existiert in islamisch dominierten Gesellschaften auch unter M&auml;nnern. 
          Scheinbar ohne Hintergedanken ber&uuml;hrt man sich, k&uuml;sst sich 
          auf die Wange und herzt sich offen im Caf&eacute;-Haus, unschuldig wie 
          Kinder, ganz so, als g&auml;be es das unbefriedigte Verlangen der Erwachsenen 
          nicht, vermeint man miteinander umzugehen. Ganz so rein und unbelastet, 
          wie man sie w&auml;hnt, war aber weder die Kindheit noch ist es die 
          Gegenwart. Die scheinbar so arglose Freundschaft unter M&auml;nnern 
          ist auch im islamischen Raum permanent von homoerotischem Verlangen 
          bedroht. Nicht umsonst erf&uuml;llen moderne Helden des Islamismus wie 
          Mohammed Atta einige Klischees latenter und autorit&auml;rer Homosexualit&auml;t: 
          Alle Attent&auml;ter des 11. Septembers hatten den eigenen K&ouml;rper 
          durch Entfernung jeglicher K&ouml;rperbehaarung und Schminke dem einer 
          Frau anzugleichen versucht, alle waren von der paranoiden Angst verfolgt, 
          eine verhasste Frau k&ouml;nnte die eigene Leiche nach dem M&auml;rtyrertod 
          waschen und so verunreinigen. Aber auch der Mann, der ihn nach seinem 
          Tode waschen sollte, so verf&uuml;gte Atta in seinem Testament, m&uuml;sse 
          Handschuhe tragen, damit seine Genitalien nicht mit dessen nackten H&auml;nden 
          in Ber&uuml;hrung k&auml;men.</p>
        <p>Es ist nur scheinbar ein Paradox, dass gerade in patriarchalen und 
          homophoben Gesellschaften gleichzeitig latente Homosexualit&auml;t ein 
          Massenph&auml;nomen ist. Die &uuml;blichen Indikatoren f&uuml;r Homophobie 
          &#8211; Hass auf das Weibliche, Projektion unterdr&uuml;ckter sexueller 
          W&uuml;nsche auf angeblich &#8222;z&uuml;gellose&#8220; und orgiastisch 
          lebende Schwule sowie die Angst vor Vergewaltigung &#8211; sind gerade 
          und besonders bei jenen M&auml;nnern zu finden, die selbst zumindest 
          homoerotische W&uuml;nsche, Phantasien und Bed&uuml;rfnisse haben. Der 
          unbewusste Selbsthass, den diese ausl&ouml;sen, wird durch Projektion 
          auf den sichtbaren, bevorzugt effeminierten homosexuellen Mann zu Hass 
          und Aggression auf diesen transformiert. </p>
        <p><strong><br>
          Burkas in Siwa</strong></p>
        <p>Auch die M&auml;nner aus der Oasenstadt Siwa, die ihre homosexuelle 
          Orientierung nicht verbargen, und die Institution Ehe f&uuml;r sich 
          entdeckten, waren kein Paradebeispiel frei oder ungehemmt gelebter Sexualit&auml;t. 
          Zwar gab es unter ihnen keine so klare Einteilung von aktiver und passiver 
          Sexualrolle wie in anderen islamischen Gemeinschaften, doch auch sie 
          zwangen ihre Frauen in Burka-&auml;hnliche Ganzk&ouml;rperverh&uuml;llungen 
          und sperrten sie in den festungs&auml;hnlichen Stadtkern ein. </p>
        <p>In den Schwulen von Kairo hingegen konkretisiert sich dem islamischen 
          Mann das gleiche zersetzende Prinzip, das von ihm traditionell mit den 
          Frauen, den s&uuml;ndigen Nachfolgerinnen Evas, identifiziert wird. 
          Nicht zuf&auml;llig werden die Schwulen &auml;hnlich rigide verfolgt, 
          wie man es mit den Juden gern t&auml;te, denn schlie&szlig;lich, so 
          Sayyid Qutb, Vordenker der Muslimbr&uuml;der: &#8222;Die Juden befreien 
          die sinnlichen Begierden von ihren Beschr&auml;nkungen und sie zerst&ouml;ren 
          die Grundlage, auf der der reine Glaube basiert. (...) Hinter der Doktrin 
          des atheistischen Materialismus steckt ein Jude; hinter der Doktrin 
          der animalistischen Sexualit&auml;t steckte ein Jude und hinter der 
          Zerst&ouml;rung der Familie und der Ersch&uuml;tterung der geheiligten 
          Beziehungen in der Gesellschaft steckte ebenfalls ein Jude.&#8220; (9) 
          Eine Vorstellung von Sexualit&auml;t, in der auch das Penetriertwerden 
          genossen werden darf, f&uuml;hrt bei dem latent homosexuellen islamischen 
          Mann zu w&uuml;tendem Neid: Neid auf die angeblich z&uuml;gellose, orgiastische, 
          auch das Weibliche zulassende schwule Sexualit&auml;t, die bei ihm selbst 
          ein Leben lang unterdr&uuml;ckt blieb. F&uuml;r die erstarrten Gesellschaftsstrukturen 
          des Nahen Ostens ist diese Form von Sexualit&auml;t, unabh&auml;ngig 
          davon, ob sie real stattfindet oder nur als Ideal existiert, eine fundamentale 
          Bedrohung.</p>
        <p>Die westlichen Freunde islamischer oder panarabischer Despotie, die 
          wie z.B. die notorische Frau Schimmel in ekstatischer Verz&uuml;ckung 
          das konzeptionelle Scheitern von Liebe feiern oder die mit Boswell &uuml;ber 
          einen schwulenfreundlichen Islam r&auml;sonieren, sind sich nur allzu 
          &auml;hnlich. Sie opfern das Ideal gleichberechtigter oder gar &#8222;freier&#8220; 
          Liebe und Sexualit&auml;t einer auf das scheinbar Urspr&uuml;ngliche 
          zur&uuml;ckkehrenden, von Qualen, Selbsthass und Unterwerfung gepr&auml;gten 
          Sexualit&auml;t mit einem Beduinenjungen in der authentischen W&uuml;ste. 
          F&uuml;r sie sind die Schwulen in Kairo und anderswo, die sich wie die 
          Schwulen hierzulande mittels Codes &uuml;ber die gehegten Pr&auml;ferenzen 
          verst&auml;ndigen, ein nicht zu ertragender St&ouml;rfaktor im ihnen 
          verhei&szlig;enen, urspr&uuml;nglichen Land, weshalb auch sie ihnen 
          schon im Diesseits die H&ouml;lle auf Erden zu bereiten versuchen. Das 
          Entstehen von (noch) marginalen schwulen Subkulturen in St&auml;dten 
          wie Kairo, Damaskus oder Beirut ist aber ebenso wie die stetig zunehmende 
          Internetvernetzung von Schwulen im vom Baathismus befreiten Irak ein 
          Beweis daf&uuml;r, dass eine wachsende Anzahl von M&auml;nnern, die 
          M&auml;nner lieben, im Nahen Osten nicht mehr bereit ist, die H&ouml;lle 
          im Diesseits einfach so hinzunehmen. </p>
        <p>&nbsp;</p>
        <p> Anmerkungen:<br>
          1) Boswell, John: Christianity, Social Tolerance and Homosexuality, 
          Chicago 1980, S. 194ff<br>
          2) Fakhry, A.: Siwa Oasis. It&#8217;s History and Antiquities, Kairo, 
          1944, 41<br>
          3) ebd. 43<br>
          4) vgl. hierzu: Schmitt, Arno: Kleine Schriften zu zwischenm&auml;nnlicher 
          Sexualit&auml;t und Erotik in der muslimischen Gesellschaft, Berlin, 
          1985, S. 16ff<br>
          5) ebd. S. 18<br>
          6) Baldauf, Ingeborg: Die Knabenliebe in Mittelasien: Bacabozlik, Berlin 
          1988, S. 43<br>
          7) Bruce Dunne: Power and Sexuality in the Middle East, in Middle East 
          Report, Spring 1998, S. 3<br>
          8) siehe Schmitt 1985<br>
          9) Sayyid Qutb, zit. nach: Gerhard Scheit, Suicide Attack, Freiburg 
          2004, S. 457</p>
        <p>&nbsp; </p>
        <p> <em>erschienen in Bahamas 46/2005</em></p>
        <p></p>
      </div>
      <!-- stopprint -->
      <div class="foot">
        <hr size="1">
        WADI e.V. | tel.: (+49) 069-57002440 | fax (+49) 069-57002444 <br>
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