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<title>Die Stunde der Demokraten</title>
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  <tr> 
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      <div align="center">
        <p><img src="../../img/blind.gif" width="130" height="8"><br>
          <a href="../../index.htm"><img src="../../img/logo-blau_32x100.gif" onFocus="if(this.blur)this.blur()" width="100" height="32" border="0"></a></p>
        <p>&nbsp;</p>
        <p><a href="#" onClick="history.back()"><img src="../../img/textback.gif" width="38" height="25" border="0" alt="zur&uuml;ck"></a></p>
      </div>
    </td>
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    </td>
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  <tr> 
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      <div class="text"> 
<p><b>Referendum im Irak</b></p>
            <h2>Die Stunde der Demokraten</h2>
            <p><i>von thomas uwer und thomas von der 
              osten-sacken</i></p>
            <p>Da staunt der Diktator, der Milit&auml;rmachthaber 
              wundert sich. Mit 100 Prozent Zustimmung 
              hat Saddam Hussein am Dienstag der vergangenen 
              Woche im Referendum &uuml;ber die Fortsetzung 
              seiner Herrschaft um weitere sieben Jahre 
              als erster die totale Mehrheit errungen. 
              Das Ergebnis l&auml;sst zumindest an Ehrlichkeit 
              nichts zu w&uuml;nschen &uuml;brig, galt 
              doch bislang bei Scheinwahlen das ungeschriebene 
              Gesetz, der Form halber wenigstens ein 
              halbes Prozent als ung&uuml;ltig zu werten. 
            </p>
            <p>Gen&uuml;gend Wahlhelfer standen bereit, 
              um dem im Zustand k&uuml;nstlicher Unwissenheit 
              und Armut gehaltenen Volk bei der Stimmabgabe 
              zu helfen. Sorgsam wurden die Wahlscheine 
              vor der Stimmabgabe auf ihre Richtigkeit 
              &uuml;berpr&uuml;ft und mit den Meldelisten 
              der Sicherheitsdienste verglichen. Des 
              Schreibens Unkundige und besonders &Uuml;berzeugte 
              bekundeten ihre Zustimmung mit Blut. Wer 
              der Wahl fernbleiben wollte, musste mit 
              dem Entzug der Lebensmittelrationen rechnen. 
              Und wer an diesem Tag versuchte, ein Ferngespr&auml;ch 
              zu f&uuml;hren, der bekam anstelle des 
              Freizeichens ein Wahlkampflied zu h&ouml;ren: 
              &raquo;Alle Iraker singen froh: Saddam 
              ist der Stolz meines Landes.&laquo; </p>
            <p>Kein Wunder, dass die beherzte Kampagne 
              f&uuml;r mehr Demokratie bei der beobachtenden 
              deutschen Presse gut ankam. Denn Deutsche 
              sind wohl gelitten in Bagdad, wo ihnen 
              &raquo;noch immer zum Wahlsieg Gerhard 
              Schr&ouml;ders gratuliert wird&laquo;, 
              wei&szlig; die FAZ zu berichten. W&auml;hrend 
              des Besuchs einer deutschen Delegation 
              habe der Vizepr&auml;sident Tariq Aziz 
              am Freitag die deutsche Regierung als 
              &raquo;mutig und prinzipienfest&laquo; 
              gelobt. </p>
            <p>So wartete vergeblich, wer sich wenigstens 
              anl&auml;sslich der absurden Wahlen im 
              Irak eine Kritik der Bundesregierung an 
              der Baath-Partei und ihrem F&uuml;hrer 
              erhofft hatte. Und auch die notorischen 
              Vertreter der Zivilgesellschaft blieben 
              stumm. L&auml;ngst werden die deutschen 
              Vorbehalte gegen einen Sturz der Diktatur 
              im Irak richtig gewertet als Unterst&uuml;tzung 
              Saddam Husseins. Und er ist es gewohnt, 
              dass Zustimmung sich als Schweigen zu 
              seinen Verbrechen &auml;u&szlig;ert. </p>
            <p>Weil aber nicht nur Kritik, sondern auch 
              Gl&uuml;ckw&uuml;nsche zum Wahlerfolg 
              ausblieben, gratulierte sich die irakische 
              Regierung kurzerhand selbst. In einem 
              Telegramm, gab die irakische Nachrichtenagentur 
              bekannt, erkl&auml;rte der Vorsitzende 
              des Revolution&auml;ren Kommandorates, 
              die Wahl sei ein weiterer &raquo;Sieg 
              gegen den Zionismus und den US-Imperialismus&laquo; 
              und die Iraker h&auml;tten &raquo;ihre 
              absolute Liebe zu Saddam Hussein bewiesen&laquo;. 
            </p>
            <p>Wie es mit dieser Liebe in Wirklichkeit 
              bestellt ist, zeigen die Ergebnisse im 
              kurdischen Nordirak. Ganze 1,8 Prozent 
              der Befragten stimmten in einer repr&auml;sentativen 
              Umfrage der Iraqi Foundation for Democracy 
              f&uuml;r Saddam Hussein. Vorgelegt wurde 
              der gleiche Wahlschein wie beim Referendum, 
              lediglich die Stimmabgabe mit Blut schied 
              aus. Dieses Ergebnis wird in den angek&uuml;ndigten 
              Wahlen im Nordirak best&auml;tigt werden. 
              Dort wird Saddam nicht als Kandidat antreten, 
              denn die Tatsache, dass die Kurden erneut 
              ein demokratisch legitimiertes Parlament 
              w&auml;hlen wollen, gilt dem Regime in 
              Bagdad als Hochverrat. </p>
            <p>Auf Unterst&uuml;tzung aus Deutschland 
              k&ouml;nnen die Kurden daher nicht hoffen. 
              Weder die Bundesregierung noch die deutsche 
              Industrie haben bislang Interesse an einem 
              demokratischen Nordirak bekundet. Letztere 
              m&ouml;chte man dort auch gar nicht haben. 
              Der Kontakt zur deutschen Wirtschaft bestand 
              bislang vor allem in Form abgeworfener 
              Giftgasgranaten aus deutschen Produktionsanlagen. 
              Auf Delegationen wartet man an den Orten 
              der Vernichtung bis heute vergebens. </p>
            <p> </p>
            <p><i>in jungle world 44/2002 </i></p>
            <p></p>
            </div><!-- stopprint -->
        <div class="foot">
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