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<title>Besonders deutsch</title>
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      <div align="center">
        <p><img src="../../img/blind.gif" width="130" height="8"><br>
          <a href="../../index.htm"><img src="../../img/logo-blau_32x100.gif" onFocus="if(this.blur)this.blur()" width="100" height="32" border="0"></a></p>
        <p>&nbsp;</p>
        <p><a href="#" onClick="history.back()"><img src="../../img/textback.gif" width="38" height="25" border="0" alt="zur&uuml;ck"></a></p>
      </div>
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      <div class="text"> 
<h2>Besonders deutsch</h2>
            <h4>Wie die Deutschen den Irakern Nachhilfe 
              in Sachen Judenha&szlig; gaben</h4>
            <p><b><i>(Thomas Uwer, konkret 9/2002)</i></b></p>
            <p><i>&quot;Als ich am 29. fr&uuml;h gegen 
              6 Uhr wie gew&ouml;hnlich auf den D&auml;mmen 
              im Norden Bagdads meinen Spazierritt machte, 
              sah ich in den Feldern an der Ostseite 
              des Dammes Soldaten in feldmarschm&auml;&szlig;iger 
              Ausr&uuml;stung liegen. Die Offiziere 
              erkannten mich und lie&szlig;en mich weiterreiten.&quot;</i><br>
              Ganz beil&auml;ufig erw&auml;hnt der morgendliche 
              Herrenreiter Dr. Fritz Grobba, von 1932 
              bis 1941 deutscher Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer 
              im Irak, in seinen Memoiren einen Milit&auml;rstreich, 
              um s&uuml;ffisant das folgende Fr&uuml;hst&uuml;ck 
              mit dem noch amtierenden Premierminister 
              zu beschreiben, den er ahnungslos den 
              Putschisten &uuml;berl&auml;sst. Anschlie&szlig;end 
              widmet er sich wieder seinem Araberhengst.<br>
              Grund zur Beunruhigung hatte Grobba freilich 
              nicht. Er selbst hatte die arabischen 
              Nationalisten gef&ouml;rdert, die im Irak 
              seit 1936 in immer k&uuml;rzeren Abst&auml;nden 
              Regierungen einsetzten und wieder st&uuml;rzten. 
              Wer nicht gleich im Sold der deutschen 
              Botschaft stand, suchte doch zumindest 
              deren ideelle Unterst&uuml;tzung, um sich 
              gegen die wachsende pro-deutsche Falange 
              abzusichern. Zum Ende der drei&szlig;iger 
              Jahre wurde im Irak keine Regierung mehr 
              gebildet, an deren Zusammensetzung das 
              deutsche Au&szlig;enamt nicht wenigstens 
              durch Konsultationen beteiligt war. Als 
              Grobba und sein Stab 1941 den Irak verlie&szlig;en, 
              befanden sie sich auf der Flucht vor britischen 
              Truppen. Sie hinterlie&szlig;en ein Land, 
              das mit ihrer Unterst&uuml;tzung nicht 
              nur die erste faschistische Diktatur der 
              Region erlebt hatte, sondern in dessen 
              Politik der Antisemitismus als feste Gr&ouml;&szlig;e 
              eingef&uuml;hrt war. </p>
            <p> </p>
            <p>Grobba indes hatte sich einen handfesteren 
              Erfolg gew&uuml;nscht. Wie viele andere 
              im Ausw&auml;rtigen Amt sah er in den 
              arabischen Nationalisten Verb&uuml;ndete 
              im Kampf um die Vorherrschaft in der Mittelmeerregion. 
              <i>&quot;Selbst wenn die arabische Freundschaft 
              zu Deutschland von eigenen Interessen 
              geleitet ist,&quot;</i> berichtete er 
              seinem Dienstherren in Berlin, <i>&quot;so 
              ist sie doch ein wichtiger Faktor, aus 
              dem wir sowohl politischen, als auch &ouml;konomischen 
              Nutzen ziehen k&ouml;nnen.&quot;</i> Ein 
              Aufstand der Araber in den Kolonien und 
              Mandatsgebieten, so hoffte Grobba, w&uuml;rde 
              Frankreich und Gro&szlig;britannien empfindlich 
              schw&auml;chen. Deutsche Agenten unterst&uuml;tzen 
              daher vom Maghreb bis in den &ouml;stlichsten 
              Teil der arabischen Halbinsel antikoloniale 
              arabische Bewegungen. <i>&#132;Dieselben 
              Agenten, die ... in Pal&auml;stina gearbeitet 
              haben &#150; gegen die Juden, aber auch 
              gegen die Engl&auml;nder &#150; arbeiten 
              heute in Algerien &#150; gegen die Juden, 
              aber auch gegen die Franzosen&#147;</i>, 
              wird bereits 1937 in der J&uuml;dischen 
              Revue die deutsche Propaganda treffend 
              beschrieben. Der Antisemitismus diente 
              hierbei auch als ideologisches Bindeglied 
              zwischen Gruppen, die &uuml;ber den gesamten 
              arabischen Raum verteilt mindestens zwei 
              verschiedene Kolonialm&auml;chte bek&auml;mpften. 
            </p>
            <p> </p>
            <p>Die Bedingungen, auf die Grobba und seine 
              Agenten in Bagdad stie&szlig;en, waren 
              mehr als g&uuml;nstig. Der Irak war von 
              den Briten bei seiner Gr&uuml;ndung unter 
              die Regentschaft des Hashemiten-K&ouml;nigs 
              Faisal gegeben worden, der f&uuml;r die 
              Aufteilung der Region zwischen Frankreich 
              und Gro&szlig;britannien im Sykes-Piquot 
              Abkommen entsch&auml;digt werden sollte. 
              In London erhoffte man sich so die Gunst 
              der panarabischen Elite zu erwerben, deren 
              von Faisal angef&uuml;hrten Aufstand gegen 
              die Osmanen man einst unterst&uuml;tzt, 
              sp&auml;ter aber fallen gelassen hatte. 
              Statt Gunst jedoch beherrschten Unzufriedenheit 
              und antibritische Sentiments die Eliten. 
              Die neue Staatsklasse rekrutierte sich 
              aus Offizieren und Beamten, die den Irak 
              von Beginn an als unzureichenden Ersatz 
              empfanden und deren eigentliches Ziel 
              weit &uuml;ber die nationalen Grenzen 
              hinaus in einem arabischen Gro&szlig;reich 
              lag, f&uuml;r dessen Zerfall sie die Kolonialm&auml;chte 
              Frankreich und Gro&szlig;britannien verantwortlich 
              machten. Deutschland galt hier, nicht 
              nur aufgrund der Erfahrungen, die viele 
              Offiziere mit der preu&szlig;ischen Milit&auml;rschule 
              im Osmanischen Reich gemacht hatten, als 
              Vorbild f&uuml;r die eigenen gro&szlig;arabischen 
              Ambitionen.<br>
              Die Araber standen vor dem Problem, da&szlig; 
              <i>&#132;sie keinen &#130;arabischen&#146; 
              Staat hatten&#147;</i>, erkl&auml;rt der 
              Historiker Reeva Simon die germanophile 
              Disposition der Panarabischen. Das b&uuml;rgerlich-republikanische 
              Nationsmodell, das die Existenz eines 
              legalen Staates voraussetzt, kam f&uuml;r 
              sie schon von daher nicht in Frage. <i>&#132;Nichtsdestotrotz 
              waren sie (nach ihrer Vorstellung) eine 
              Nation. Der deutsche Nationalismus, mit 
              seiner Trennung von Nation und Staat, 
              von kulturellem &#145;Sein&#146; und legalen 
              Institutionen, wurde folgerichtig zum 
              Vorbild.&#147;</i> Deutschland und die 
              &#132;arabische Nation&#147; hatten aus 
              dieser Perspektive auch gemein, da&szlig; 
              ihr nationales Programm an der Intervention 
              der selben b&uuml;rgerlichen Staaten gescheitert 
              war.<br>
              Auch das schwerwiegende Manko des arabischen 
              Nationalismus, aus der Niederlage heraus 
              einen Nationalbegriff zu entwickeln, hatte 
              Deutschland in den Augen der Panarabischen 
              beispielhaft gel&ouml;st, das nach der 
              Niederlage des Ersten Weltkrieges erneut 
              zur Gro&szlig;macht geworden war. So entwarf 
              der Theoretiker des arabischen Nationalismus, 
              Sa&#146;ti Husri, eine fast mystische 
              arabische Kulturnation, die nur &auml;u&szlig;erlich 
              durch nationale Grenzen voneinander getrennt 
              sei. Husri, zu dessen Vorbildern neben 
              Herder, Fichte und Ernst Moritz Arndt 
              auch der radikale Antisemit und Pangermane 
              van Sch&ouml;nerer z&auml;hlte, waren 
              die aus dem Kolonialismus hervorgegangenen 
              neuen Staaten genauso verhasst, wie die 
              nicht-arabischen Minderheiten, die innerhalb 
              dieser einen Anspruch auf Macht erhoben. 
              <i>&#132;Husrismus&#147;</i> bemerkte 
              ein &auml;gyptischer Autor damals, <i>&#132;dr&uuml;ckt 
              das Gef&uuml;hl aus, da&szlig; die Arbeit 
              f&uuml;r das Wohl der arabischen Nation 
              die Annahme einer feindseligen Haltung 
              gegen&uuml;ber allen nicht arabischen 
              Elementen verlangt, gleich ob diese innerhalb 
              des arabischen Raumes leben oder au&szlig;erhalb.&quot;</i> 
              Diese Feindseeligkeit richtete sich bei 
              Husri, der engen Kontakt zur deutschen 
              Gesandtschaft in Bagdad pflegte, seit 
              Mitte der Drei&szlig;iger immer offener 
              gegen Juden. </p>
            <p> </p>
            <p>Erleichtert wurde die Arbeit deutscher 
              Agenten auch durch die Widerspr&uuml;che 
              des britischen Imperialismus selbst. Formal 
              unabh&auml;ngig, waren der irakische Staat 
              und seine milit&auml;risch-b&uuml;rokratische 
              Elite in der politischen Praxis nach wie 
              vor weitgehend an Gro&szlig;britannien 
              gebunden. Innerhalb der Nomenklatura des 
              Staates scheiterte der vor allem gegen 
              die Briten gerichtete Panarabismus immer 
              daran, da&szlig; seine Tr&auml;ger im 
              Alltag praktisch st&auml;ndig mit ihren 
              Feinden kooperieren mu&szlig;ten. Die 
              Arbeit der deutschen Vertretung in Bagdad 
              konzentrierte sich daher vor allem auf 
              jene marginalisierten Zirkel arabischer 
              Nationalisten, die im Hinblick auf die 
              j&uuml;dische Immigration in Pal&auml;stina 
              offen mit der deutschen Rassepolitik sympathisierten. 
              &Uuml;ber diese &#132;Pal&auml;stina&#147;-Komitees 
              erfuhr die arabische Idee eine neue Gewichtung. 
              Galt den Panarabischen die j&uuml;dische 
              Einwanderung nach Pal&auml;stina lange 
              Zeit als Ausdruck kolonialer Politik gegen 
              die Araber &#150; da die Briten diese 
              doch duldeten - so konzentrierte sich 
              die Wahrnehmung nunmehr g&auml;nzlich 
              auf den Zionismus, bis die Rolle der Briten 
              zu Helfern der eigentlichen <i>&#132;j&uuml;dischen 
              Bedrohung&#147;</i> geschrumpft war. Der 
              Antisemitismus wurde so &uuml;ber <i>&#132;Pal&auml;stina&#147;</i> 
              zu einer ideologischen Konvention, mittels 
              der sich die panarabische &Uuml;berzeugung 
              &auml;u&szlig;ern konnte, ohne in direkten 
              Konflikt mit der britischen Imperialmacht 
              zu geraten.<br>
              Die Arbeit der deutschen Gesandtschaft 
              richtete sich folglich gezielt auf eine 
              massenwirksame Verbreitung dieser Konvention. 
              Unterst&uuml;tzung erhielt sie dabei seit 
              1939 von Hadj Amin Al-Husseini, dem Mufti 
              von Jerusalem, der &uuml;ber Beirut nach 
              Bagdad gelangt war und eine der zentralen 
              Figuren der Panarabischen wurde, die sich 
              um die deutsche Gesandtschaft versammelten. 
              &Uuml;ber den Arch&auml;ologen Dr. Jordan, 
              der im Dienst des Reichspropagandaministeriums 
              stand, wurden zuerst an den Universit&auml;ten 
              des Landes, sp&auml;ter auch an ausgew&auml;hlten 
              Schulen, deutsche Lehrkr&auml;fte eingesetzt. 
              Die deutsche Botschaft lieferte B&uuml;cher 
              und Hefte an Schulen, richtete einen Studienaustausch 
              ein und lud Beamte des Erziehungsministeriums 
              zur Fortbildung nach Deutschland. Mit 
              durchschlagendem Erfolg.<br>
              Der Leiter der Beh&ouml;rde, Mohammad 
              Fadhil al-Jamali zeigte sich vor allem 
              fasziniert von dem <i>&#132;milit&auml;rischen 
              Geist&#147;</i>, der an deutschen Schulen 
              herrsche, wo <i>&#132;Sch&uuml;lern nicht 
              der Kopf verstopft wird mit Fakten, sondern 
              wo es um die Herausbildung von Charakter&#147;</i> 
              gehe. Auch sein Kollege Sami Shawkat, 
              der von Berlin mit SA-Uniform nach Bagdad 
              zur&uuml;ckkehrte und der, wie es in den 
              Bulletins des britischen Nachrichtendienstes 
              hei&szlig;t, sich gerne <i>&#132;besonders 
              deutsch&#147;</i> gab, war vor allem von 
              der Hitler-Jugend fasziniert. In Anlehnung 
              an die HJ gr&uuml;ndete er die Studentenorganisation 
              Futuwwa, &uuml;ber deren Aufgaben er 1939 
              der Zeitung Al-Bilal erkl&auml;rte:<i> 
              &#132;Wir wollen Krieg. Wir wollen unser 
              Blut vergie&szlig;en f&uuml;r das Heil 
              des Arabertums.&#147;</i><br>
              Dieser Gedanke schlug sich auch im Curriculum 
              f&uuml;r die staatlichen Schulen nieder, 
              in denen die <i>&#132;Geschichte der Araber&#147;</i> 
              nunmehr als v&ouml;lkische &Uuml;berlegenheitsvision 
              einer arabischen <i>&#132;Wiege der Zivilisation&#147;</i> 
              gegen&uuml;ber den <i>&#132;zugewanderten 
              und minderwertigen V&ouml;lkern&#147;</i> 
              &#150; Juden, Assyrer, Chald&auml;er &#150; 
              gelehrt wurde. Deutsch verdr&auml;ngte 
              Franz&ouml;sisch als zweite Fremdsprache 
              an Bagdader Oberschulen, die Geschichte 
              des &#132;deutschen Volkes&#147; wurde 
              als Vorbild f&uuml;r das &#132;arabische 
              Erwachen&#147; obligatorisch. Das Lehrmaterial 
              sei ein <i>&#132;Katechismus des Hasses&#147;</i> 
              beschwerte sich eine besorgte Mitarbeiterin 
              der britischen Botschaft bei der irakischen 
              Regierung &#150; ergebnislos. Shawkat 
              empfahl sogar, in Anlehnung an sein deutsches 
              Vorbild, eine &ouml;ffentliche Verbrennung 
              <i>&#132;unarabischer&#147;</i> B&uuml;cher.<br>
              &Uuml;ber den pal&auml;stinensischen Arzt 
              Dr. Ruwayha, der sp&auml;ter als Nazi-Spion 
              von den Briten inhaftiert wurde, f&ouml;rderte 
              die deutsche Gesandtschaft <i>&#132;Hilfsprojekte&#147;</i> 
              in irakischen Kliniken und nahm sich &uuml;ber 
              den Pr&auml;sidenten der medizinischen 
              Fakult&auml;t, einem Bruder von Sami Shawkat, 
              der &Auml;rzteschaft an. Offiziell war 
              Ruwayha Botschaftsarzt, inoffiziell arbeitete 
              er als Mittelsmann zu jenen klandestinen 
              Zirkeln, die illegal Waffen ins Mandatsgebiet 
              Pal&auml;stina schmuggelten und aus denen 
              sich die sp&auml;tere faschistische Regierung 
              rekrutierte. </p>
            <p> </p>
            <p>Die britische Vertretung in Bagdad hingegen 
              konnte oder wollte lange Zeit diese Aktivit&auml;ten 
              nicht wahrhaben. Noch 1938 wurde der Wunsch 
              des irakischen Premierministers Nuri al-Sa&#146;id 
              zur&uuml;ckgewiesen, Grobba auszuweisen. 
              Erst als es 1939 in mehreren St&auml;dten 
              zu Unruhen kam, die in der Ermordung des 
              britischen Konsuls Monck-Mason gipfelten, 
              &auml;nderte sich die Wahrnehmung. Nachdem 
              die verhafteten Organisatoren der Aufst&auml;nde 
              aussagten, ihre Flugbl&auml;tter seien 
              von deutschen Lehrern formuliert und mit 
              Hilfe der Botschaft gedruckt worden, wurden 
              rund ein Dutzend Deutsche, darunter auch 
              der Arch&auml;ologe Dr. Jordan des Landes 
              verwiesen. Damit war freilich nur ein 
              kleiner Teil der deutschen Beteiligung 
              aufgedeckt.<br>
              Die deutsche Legation, berichtete das 
              Verbindungsb&uuml;ro der Royal Airforce 
              nun alarmiert nach London, finanziere 
              nicht nur den Studentenbund Futuwwa, dem 
              die Verhafteten angeh&ouml;rten, sondern 
              sei finanziell stark an der arabischen 
              Presse beteiligt und habe die Zeitung 
              Al-Alam al-Arabi praktisch &uuml;bernommen. 
              Dort erschien seit 1938 unter anderem 
              Hitlers &#132;Mein Kampf&#147; auf Arabisch. 
              Auf Grobbas Initiative wurden irakische 
              Journalisten zu <i>&#132;Weiterbildungen&#147;</i> 
              nach Berlin eingeladen, Redaktionen wurden 
              kostenlos mit deutschen Agenturmeldungen 
              und propagandistischem Bildmaterial versorgt. 
              1937 hatte Grobba umgekehrt einen Besuch 
              Baldur von Schirachs beim Studentenverband 
              Futuwwa in Bagdad organisiert, woraufhin 
              dieser ein Jahr sp&auml;ter eine eigene 
              Delegation zum Reichsparteitag der NSDAP 
              nach N&uuml;rnberg entsandte. Da&szlig; 
              all dies den britischen Beh&ouml;rden 
              entgangen sein soll ist schwer vorstellbar. 
              Wahrscheinlicher ist, da&szlig; diese 
              dem Treiben so lange zusahen, wie dieses 
              sich scheinbar nur gegen Juden richtete. 
              Diese Haltung sollte sich bald r&auml;chen. 
            </p>
            <p> </p>
            <p>Im Juli 1940 dient sich ein Kreis panarabischer 
              Offiziere den Achsenm&auml;chten als k&uuml;nftiger 
              Verb&uuml;ndeter an. Sie erkl&auml;ren 
              sich bereit, nach einer Macht&uuml;bernahme 
              mit Gro&szlig;britannien zu brechen, sofern 
              sie den Schutz der Achsenm&auml;chte genie&szlig;en. 
              Deutschland und Italien sollen zuvor eine 
              Verpflichtungserkl&auml;rung unterzeichnen, 
              in der sie die nationale Unabh&auml;ngigkeit 
              arabischer Staaten anerkennen und erkl&auml;ren: 
              <i>&quot;Deutschland und Italien anerkennen 
              das Recht der arabischen L&auml;nder, 
              die Frage der j&uuml;dischen Elemente, 
              die sich in Pal&auml;stina und in den 
              anderen arabischen L&auml;ndern befinden, 
              so zu l&ouml;sen, wie es den nationalen 
              und v&ouml;lkischen Interessen der Araber 
              entspricht, und wie die Judenfrage in 
              Deutschland gel&ouml;st worden ist.&quot;</i> 
              W&auml;hrend die Erkl&auml;rung &#150; 
              mit Ausnahme des Selbstbestimmungsrechts 
              arabischer Nationen &#150; von Deutschland 
              sofort akzeptiert und &uuml;ber Radio 
              ausgestrahlt wird, verhindert Italien 
              den geplanten Deal in letzter Sekunde. 
              Grobba, der seit Kriegsausbruch aus dem 
              Irak verbannt ist, dr&auml;ngt dennoch 
              weiter auf eine Unterst&uuml;tzung der 
              Putschisten. Ein erfolgreicher Milit&auml;rstreich, 
              so seine Begr&uuml;ndung, w&uuml;rde die 
              strategisch wichtige Nachschubroute britischer 
              Soldaten unterbrechen, die vom indischen 
              Subkontinent ans Mittelmeer verlegt wurden. 
              Als im April 1941 der Putsch erfolgt und 
              der irakische Faschist Rashid Ali Al-Gaylani 
              die Anbindung seiner<i> &#132;Nationalen 
              Notstandsregierung&#147;</i> an die Achsenm&auml;chte 
              propagiert, reist Grobba in eiliger Mission 
              nach Bagdad, um die Unterst&uuml;tzung 
              des neuen Regimes zu koordinieren. Als 
              er eintrifft, befindet sich dieses bereits 
              in arger Bedr&auml;ngnis. </p>
            <p> </p>
            <p>W&auml;hrend britische Landetruppen von 
              der Hafenstadt Basra aus nach Norden vorr&uuml;cken, 
              haben die Jugendgruppen Futuwwa und al-Kata&#146;ib 
              al-Shabab unter Yunis al-Sabawi praktisch 
              die Polizeigewalt &uuml;bernommen und 
              terrorisieren die Bev&ouml;lkerung. Sabawi, 
              der sich selbst zum Gouverneur mehrerer 
              Provinzen ernennt, war zuvor Angestellter 
              der deutschen Botschaft und &uuml;bersetzte 
              Artikel aus &#132;St&uuml;rmer&#147; und 
              &#132;V&ouml;lkischer Beobachter&#147; 
              ins Arabische. Ende Mai verh&auml;ngt 
              er eine Ausgangssperre f&uuml;r Juden 
              und k&uuml;ndigt deren Ermordung an. Unter 
              dem Eindruck des Terrors beteiligen sich 
              in Bagdad nur wenige Menschen an den t&auml;glichen 
              Aufm&auml;rschen unter der F&uuml;hrung 
              des Muftis Al-Husseini. Schiitische St&auml;mme 
              im S&uuml;den, die Kurden im Norden und 
              Teile des Milit&auml;rs stehen dem Regime 
              offen feindselig gegen&uuml;ber und unterst&uuml;tzen 
              die Briten. Grobba ist angesichts der 
              Lage verzweifelt, kann aber dennoch bis 
              Mitte Mai erwirken, da&szlig; Milit&auml;runterst&uuml;tzung 
              von der deutschen F&uuml;hrung zugesagt 
              wird. Als schlie&szlig;lich Jagdflugzeuge 
              der Luftwaffe in Bagdad eintreffen, schie&szlig;en 
              irakische Soldaten versehentlich die erste 
              Maschine mitsamt des deutschen Fliegeridols 
              Major von Blomberg ab. Grobba, sollte 
              ein deutscher Agent gegen&uuml;ber US-Streitkr&auml;ften 
              sp&auml;ter aussagen, sei ein <i>&#132;Idiot&#147;</i> 
              gewesen, mit der <i>&#132;Vision, als 
              zweiter Lawrence von Arabien einen Aufstand 
              anzuf&uuml;hren&#147;</i>. Er habe v&ouml;llig 
              &uuml;bersehen, da&szlig; ein solcher 
              Aufstand vorbereitet werden mu&szlig;.<br>
              Die deutschen Waffen, die Grobba angefordert 
              hat, erreichen Bagdad Anfang Juni. Gaylanis 
              Regierung ist zu diesem Zeitpunkt bereits 
              gest&uuml;rzt. Im letzten Moment verl&auml;&szlig;t 
              auch der deutsche Lawrence Bagdad, das 
              bereits von britischen Truppen eingekreist 
              ist. An Bord seiner Maschine befinden 
              sich Gaylani und der Mufti von Jerusalem, 
              die ihren panarabischen Kampf nunmehr 
              von Berlin aus weiter f&uuml;hren. Ihre 
              zur&uuml;ckgebliebenen Kampfgef&auml;hrten 
              ver&uuml;ben noch in der selben Nacht 
              einen antisemitischen Pogrom, den ersten 
              in der Geschichte des Irak. 179 irakische 
              Juden werden ermordet, an die Tausend 
              verletzt. In seinen Memoiren streitet 
              Grobba sp&auml;ter jede Verantwortung 
              ab. Als Beleg f&uuml;r die <i>&#132;guten 
              Beziehungen&#147;</i> zwischen der deutschen 
              Botschaft und den <i>&#132;g&auml;nzlich 
              unpolitischen&#147;</i> irakischen Juden 
              f&uuml;hrt er an, da&szlig; selbst der 
              Rabbiner der Bagdader Gemeinde ihn konsultiert 
              habe. Dieser hat Grobba in der Tat aufgesucht. 
              Er bat ihn vergeblich, den irakischen 
              Freisch&auml;rlern Einhalt zu gebieten.</p>
            <p> </p>
            <p>In die panarabischen Bewegungen des Nahen 
              Ostens hat sich der Antisemitismus seitdem 
              so tief eingefressen, dass auch die heutigen 
              islamistischen Selbstmordattent&auml;ter 
              sich umstandslos auf <i>&#132;s&auml;kulare&#147;</i> 
              Wurzeln berufen k&ouml;nnen. Ihr F&ouml;rderer 
              und Mentor, der irakische Staatspr&auml;sident 
              Saddam Hussein, bekennt sich offen zu 
              der Tradition, die zwischen 1935 und 1941 
              die Deutschen im Irak eingef&uuml;hrt 
              haben. Als seine Partei 1968 zur Macht 
              kam, bestand eine ihrer ersten Handlungen 
              darin, irakische Juden in einem &ouml;ffentlichen 
              Schauprozess als zionistische Verschw&ouml;rer 
              abzuurteilen und auf dem &#132;Liberation 
              Square&#147; im Zentrum Bagdads zu erh&auml;ngen. 
              Die Haltung, von der Staatsverschuldung 
              bis zur milit&auml;rischen Niederlage 
              jedes eigene Versagen als das Ergebnis 
              des Zionismus hinzustellen, ist in arabischen 
              Staaten derart verbreitet, dass man leicht 
              &uuml;bersieht, was dem notwendigerweise 
              vorausgeht: Die assoziative Verbindung 
              von Juden mit einer scheinbar alles begr&uuml;ndenden 
              (kolonialen) Fremdbestimmung, die als 
              Volksvorurteil schon im Alltagsbewu&szlig;tsein 
              der Massen verankert war, bevor der Staat 
              Israel &uuml;berhaupt gegr&uuml;ndet wurde. 
              An der Durchsetzung dieses Bewu&szlig;tseins 
              hatten die deutsche Nahost-Politik und 
              vor allem das Engagement Grobbas im Irak 
              einen entscheidenden Anteil.</p>
            <p></p>
            </div><!-- stopprint -->
        <div class="foot">
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